Wiederentdeckung einer längst vergessenen Weinsorte

ERMATINGEN. Der Ermatinger Kurt Grüninger baut als einziger Winzer im Kanton Thurgau die alte Weissweinsorte Elbling an. Bis vor rund 100 Jahren war sie neben dem Räuschling die vorherrschende Sorte in der Ostschweiz, auch am Untersee.

Thomas Güntert
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Der Ermatinger Winzer Kurt Grüninger baut die alte Rebsorte Elbling an. (Bild: Donato Caspari)

Der Ermatinger Winzer Kurt Grüninger baut die alte Rebsorte Elbling an. (Bild: Donato Caspari)

ERMATINGEN. Der Ermatinger Kurt Grüninger baut als einziger Winzer im Kanton Thurgau die alte Weissweinsorte Elbling an. Bis vor rund 100 Jahren war sie neben dem Räuschling die vorherrschende Sorte in der Ostschweiz, auch am Untersee. Kurt Grüninger schwärmt über die in Vergessenheit geratene Rebsorte: «Mein Elbling ist ein knackiger Sommerwein mit einer frechen Säure.»

Als Spezialität wird der Elbling in der Ostschweiz noch im st. gallischen Rheintal angebaut. Auch an der Obermosel und in Luxemburg, wo man sich wieder auf den traditionellen Anbau besonnen hat, erlebt der Elbling seit Jahren eine wahre Renaissance. Die Gastronomen haben den Wein mit dem feinen Bukett und der kompakten Säure als idealen Essensbegleiter zum Fisch entdeckt. «Zur Forelle ist er unschlagbar», meint Grüninger.

Lange Tradition

Früher galt Wein als Lebensmittel und kaum jemand philosophierte über Geschmacksnuancen. Der Elbling erreichte nur geringe Mostgewichte und konnte deshalb auch nur als billiger Tafelwein verkauft werden.

Der säurebetonte Wein kam schliesslich aus der Mode. Als auch noch die Welle der süssen und auch alkoholreicheren Weine kam, war es um den Elbling geschehen. Im Kanton Schaffhausen gibt es heute keinen Elbling mehr. Im Weinanbaugebiet Baden, zu dem das gegenüberliegende Bodenseeufer gehört, wurde der Elbling in den 1960er-Jahren aus der Sortenliste genommen und der Anbau sogar verboten.

Kurt Grüninger kümmert das nicht, die Frische und Fruchtigkeit verbunden mit dem verträglichen Alkoholgehalt hat ihn zu einem Elbling-Freund gemacht.

Die alte Rebsorte ist allerdings sehr spät reif und somit auch länger anfällig für verschiedene Krankheiten. Wegen der dünnen Schalen der Trauben ist er zudem extrem fäulnisanfällig. Das erfordert eine ständige Kontrolle, ein fachgerechtes Entblättern und ein rechtzeitiges Ausbrechen der Triebe.

Früher nur Müller-Thurgau

Bis vor 15 Jahren hat Kurt Grüninger ausschliesslich «Müller-Thurgau» angebaut, die weltweit erfolgreichste Neuzüchtung. Die Weinkellerei Volg, die ihm den Wein ausbaut und ein Drittel abnimmt, hat ihn zum Wechsel bewogen, da es zu viel «Müller-Thurgau» auf dem Markt gab. «Der Anbau war nicht so einfach, denn jede neue Sorte brauchte eine Bewilligung und die Reben waren nur schwer zu bekommen», erinnert sich Grüninger.

Gesteigerter Absatz

«Am Anfang war der Absatz schleppend, mittlerweile läuft es sehr gut», sagt der Ermatinger Winzer. In diesem Jahr hat Grüninger 2500 Flaschen abgefüllt, von denen jedoch schon ein grosser Teil verkauft ist.

Zwei Drittel seines Weines vermarktet er privat in seinem Hofladen und in der Gastronomie. «Die Touristen sind nicht meine Kunden, denn die kommen immer mit dem Velo», sagt Grüninger spitzbübisch und schmunzelt.

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