Wieder mehr Egli in den Maschen

Gegenüber den Spitzenjahren sind die Fänge der Berufsfischer am Bodensee zurückgegangen. Rosige Zeiten sind auch 2011 keine angebrochen. Für eine gesamthaft zufriedenstellende Saison sorgten aber die Eglifänge.

Gernot Grabher
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Die Gaissauer Fischer Regula und Albert Bösch auf ihrem Boot. (Bild: Gernot Grabher)

Die Gaissauer Fischer Regula und Albert Bösch auf ihrem Boot. (Bild: Gernot Grabher)

Aus einer grauen Nebelbank taucht ein kleines Boot auf. Jonny Dudler steuert seinen Anlegeplatz am Fischerhafen in Altenrhein an. Es ist kalt in diesen späten Oktobertagen. Doch Dudler, der in der fünften Generation die Fischertradition der Familie fortsetzt, ist gutgelaunt. Er zeigt die ansehnlichen Egli, die er gefangen hat, dazu eine Handvoll prächtiger Saiblinge. Dudler ist einer der wenigen Berufsfischer, die noch ohne zweiten Job durchhalten.

Eglifang ist wichtig

Vielleicht haben wir das Jahr über ein paar Felchen weniger gefangen», sagt er. «Aber dafür gab es besonders auf den Herbst zu wieder mehr Egli.» Die Egli sind nicht nur für den Verkaufserlös wichtig. «Wir können damit eine zweite begehrte Fischart anbieten, nicht nur immer Felchen.»

Über Kunden können sich Dudlers nicht beklagen. Obwohl auch Vater Peter und Mutter Margit Patente haben, mangelt es nicht an Absatz. Die Familie hat eine treue Stammkundschaft, die mit weiterverarbeitetem Fisch beliefert wird. «In schlechten Jahren, wenn man wenig fängt, verliert man aber Kunden. Und wenn es dann wieder Egli gibt, vermuten Misstrauische, es handle sich um Zucht- oder gar Importware», sagt Dudler.

Mit einem Patent begnügen muss sich Fischerin Regula Bösch jenseits der Grenze am Alten Rhein. Sie ist eine der wenigen weiblichen Patentinhaberinnen am See. Als Gehilfe steht ihr Sohn Albert bei. Die Gaissauerin schätzt, dass die 14 Vorarlberger Bodenseefischer 2011 mehr Felchen und Barsche in den Netzen hatten als im Vorjahr. Wie bei den Dudlers ist es mit dem Fangen der Fische für die Gaissauerin nicht getan. «Sowohl die Gastronomie als auch die privaten Abnehmer wollen heute kaum noch ganze Fische, sie wollen sie bratfertig filetiert. Und das bedeutet für die Fischer stundenlange Arbeit, die auch die Wertschöpfung erhöht», sagt Bösch. Weniger zufrieden als mit den Fängen ist man beidseits der Grenze mit der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF). Dieses regelgebende Gremium setzt sich aus beamteten Fischereiexperten der Anrainerkantone und -länder zusammen und bestimmt die Netzzahlen, Maschenweiten und Schonzeiten.

Kritik an Regelungen

Die Fischer können an die Bevollmächtigten nur Anträge stellen. «Nachdem wegen der sinkenden Erträge immer mehr Berufsfischer aufgegeben haben, kommt uns die IBKF zwar entgegen, aber es geht nur schleppend», sagt Jonny Dudler. Manche Bestimmungen erscheinen ihm praxisfern. Die sogenannte Flexibilisierung, mit der die Bevollmächtigten die Erhaltung der Fischbestände und die Existenzsicherung der Berufsfischer unter einen Hut bringen wollen, gingen an den Anforderungen des Marktes vorbei.

Regula Bösch kritisiert das Gremium deutlicher. «Man hat uns zwar engere Maschen erlaubt. Dafür wurde die Zahl der erlaubten Netze in den letzten Jahren um die Hälfte reduziert. Bei den Felchen dauert die Schonzeit – mit Ausnahme des kurzen Laichfischens und der paar Tage Weihnachtsfischen – vom 15. Oktober bis zum 10. Januar. So kann doch ein Berufsfischer nicht überleben.» Den Fängen von einst, als der See noch Nahrung wie eine dicke Suppe enthielt, trauern die Fischer inzwischen nicht mehr nach. Das letzte hervorragende Eglijahr war 2003 infolge der extremen Sommerhitze. Seither ging es bergab, der Bodensee erreichte Trinkwasserqualität, die Barschfänge nahmen dramatisch ab.

1999 hatte der Gesamtfang der Berufsfischer am Bodensee-Obersee noch über 1100 Tonnen betragen. Auch die Jahre 2003 und 2004 brachten jeweils über 1000 Tonnen Fische. Im Jahre 2010 gingen nur noch 733 Tonnen ins Netz. Die Experten sprachen von einer Stabilisierung der Fänge auf niedrigerem Niveau und trotzdem von guten Beständen im See. Die Felchen seien schwerer zu fangen, weil sie wegen der veränderten Planktonverteilung verstreuter leben und nicht mehr in engen Schwärmen.

Fünf Prozent sind Egli

Von den im Jahre 2010 gefangenen 733 Tonnen Fisch waren 324 000 Stück Felchen. Die Schweizer Seite fing mit den 50 in den Kantonen St. Gallen und Thurgau vergebenen Patenten 202 000 Felchen. Der Eglifang am ganzen See betrug mit 34 Tonnen nur noch fünf Prozent, der Schweizer Eglianteil betrug 11 800 Stück.

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