Wieder ein Engel ausgezeichnet

ERMATINGEN. Zum zweitenmal geht der Denkmalpreis der Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger in den Thurgau. 2009 war es der «englische Gruss» in Kreuzlingen, nun ist es das Haus «zum Engel» in Ermatingen.

Caspar Hesse
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Deckenbild in der Khymstube.

Deckenbild in der Khymstube.

Gestern abend hat das kantonale Amt für Denkmalpflege zu einer offiziellen Preisverleihung im kleinen Rahmen ins Haus «zum Engel» nach Ermatingen eingeladen. Der Preis, den die Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger (KSD) seit 2008 vergibt, wird jährlich vergeben, meist an eine Handvoll Projekte, bei denen «eine Restauration mit Vorbildcharakter» durchgeführt wurde, wie Konferenzpräsident Peter Omachen, der kantonaler Denkmalpfleger Obwaldens ist, in seiner Laudatio erklärte.

«In höchstem Mass verdient»

Die KSD ist ein Zusammenschluss der kantonalen und städtischen Denkmalpfleger, mit Einbezug Liechtensteins. Sie wurde 1985 gegründet, um den fachlichen Austausch zu garantieren. Den Denkmalpreis hat die KSD ins Leben gerufen, damit im Zusammenhang mit dem Thema Denkmalpflege nicht gleich immer an Streitereien gedacht wird, wie Omachen sagte.

In dieser Hinsicht wurde den Hauseigentümern des Hauses «zum Engel» am Fischergässli 11a in Ermatingen auch von Gemeindeammann Martin Stuber ein Kränzchen gewunden. In seinen 22 Jahren als Gemeindeammann habe er es erst einmal erleben dürfen, dass auf Eigentümerseite vollstes Verständnis für die Anliegen der Denkmalpflege geherrscht hätten. Die Familie Ritzler habe den Preis in höchstem Mass verdient.

Räumlich komplex

«Jetzt grad sind wir in diesem Ort in einem anderen Fall in der Clinch mit der Denkmalpflege. Für mich ist alles eine Frage des Masses», fügte Stuber an. «Doch das ist hier im <Engel> gar kein Thema, sondern ein Glücksfall.»

Planer und Bauleiter war der Frauenfelder Architekt Stephan Ritzler, der Bruder des Eigentümers Tobias Ritzler. Gelobt wurde seine «beispielhaft sorgfältige Restaurierung des räumlich komplexen, ursprünglich aus zwei Häusern bestehenden Fachwerkbaus am Ufer des Untersees».

Regierungsrat Jakob Stark fand es schön, dass sich der Besitzer für dieses Haus aus dem 16./17. Jahrhundert engagiert hat. «Früher eng und wenig hell, kann heute einen junge Familie zeitgemäss darin wohnen.» Und er lobt das einheimische Gewerbe, das über die Fähigkeiten verfügte, diese Aufgaben auszuführen.

Schon zweiter Preis für Zurfluh

Restaurator Rolf Zurfluh rettete die Khymstube im oberen Raum und machte sie zu einer Einheit, sagte Tobias Ritzler. Zurfluh hatte bereits den Denkmalpreis 2009 für den «englischen Gruss» in Kreuzlingen erhalten. Im weiteren restaurierte er die Klosterkirche Einsiedeln und das Kloster Fahr, im Herbst wird er im Vatikan tätig sein.

Eine detaillierte Beschreibung des Hauses und seines Umbaus gibt es im Internet im Bulletin Nummer 56 von Domus antiqua.

Die Khymstube im Obergeschoss mit Malereien aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. (Bilder: kantonales Amt für Denkmalpflege)

Die Khymstube im Obergeschoss mit Malereien aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. (Bilder: kantonales Amt für Denkmalpflege)