Wie man dicke Fische an Land holt

FRAUENFELD. Frauenfelds Wirtschaft brummt – sehr zur Freude der Standortförderer. Doch die Entwicklung soll in kontrollierten Bahnen verlaufen. Damit das der Fall ist, stehen der Stadt verschiedene Instrumente zur Verfügung. Zum Beispiel mischt sie im Landhandel mit.

Beat W. Hollenstein
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An der Langfeldstrasse wird das Wirtschaftswachstum greifbar: Die Serto AG hat bereits Aufrichte gefeiert. Sky-Frame und die Zaunteam AG wollen baldmöglichst den Spatenstich zelebrieren. (Bild: Nana do Carmo)

An der Langfeldstrasse wird das Wirtschaftswachstum greifbar: Die Serto AG hat bereits Aufrichte gefeiert. Sky-Frame und die Zaunteam AG wollen baldmöglichst den Spatenstich zelebrieren. (Bild: Nana do Carmo)

Innovativ, erfolgreich und mit bis zu 30 Prozent Wachstum im Jahr: So präsentiert sich die Firma Sky-Frame, die schwellenlose Schiebefenster herstellt. Bisher geschäftete sie unter dem Dach der R &G Metallbau in Ellikon an der Thur. Nun wird die Tochter eigenständig und benötigt einen eigenen Firmensitz.

Dieser wird nicht in Ellikon gebaut, das Erfolgsprodukt Sky-Frame wandert als eigene AG mit 85 Mitarbeitern ab – nach Frauenfeld. An der Langfeldstrasse im Osten der Stadt, direkt an der Autobahn, soll bis Anfang 2014 für gegen 25 Millionen Franken (Landkauf eingeschlossen) der neue Firmensitz entstehen.

Des einen Freud, des andern Leid: Obwohl die R & G Metallbau mit rund 20 Mitarbeitern in Ellikon bleibt, verliert die Gemeinde einen guten Steuerzahler. Zwar hätte die Sky-Frame gerne am alten Standort gebaut, doch die dazu nötige Einzonung von Industrieland hat sich über Jahre hingezogen.

Schnell reagiert

Frauenfeld konnte bieten, was Sky-Frame suchte: rund 15 000 Quadratmeter Industrieland an bestens erschlossener Lage. Dazu boten die kantonale und städtische Wirtschaftsförderung offenbar einen Service, der seinesgleichen sucht. Die thurgauischen Wirtschaftsförderer hätten sensationell rasch reagiert, heisst es bei Sky-Frame. Innert 48 Stunden sei das Grundstücks-Dossier auf dem Tisch gelegen. Dass auch steuerliche Vorteile den Entscheid beeinflusst haben, verhehlt Beat Guhl, Inhaber und CEO des aufstrebenden KMU, nicht.

Wie viele andere Kantone auch, könne der Regierungsrat Unternehmen durch Steuererleichterungen während maximal zehn Jahren fördern, sofern diese im wirtschaftlichen Interesse des Kantons liege, sagt Jakob Rütsche, Leiter der kantonalen Steuerverwaltung.

Und was erwartet der Thurgau im Gegenzug von den Zuzügern? Der neu angesiedelte Betrieb soll laut Jakob Rutsche keine Thurgauer Unternehmen konkurrenzieren, es werde die Schaffung von mindestens zehn Arbeitsplätzen erwartet, ebenso eine grosse Wertschöpfung im Kanton.

Für die Sky-Frame sind andere Gründe für den Umzug jedoch wichtiger: Die Sky-Frame kann direkt an der Autobahn produzieren – quasi in einem Schaufenster, was das Marketing unterstützt. Entsprechend repräsentativ soll der neue Firmensitz ausfallen. Zudem passt die Nachbarschaft: Die aus Aadorf zuziehende Serto AG baut einen Firmensitz, der auch höheren architektonischen Ansprüchen standhält, und die Zaunteam AG zieht mit ihrem geplanten Logistikzentrum mit einem weiteren Hingucker nach.

Standortförderung greift

Für den städtischen Wirtschaftsförderer Daniel Bauer zeigen diese und weitere Zuzüger, dass Frauenfelds Standortförderung «greift». Die Zahlen sprechen für sich: Zählte die Kantonshauptstadt 2001 noch 1369 Arbeitsstätten, waren es 2008 bereits 1448. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Beschäftigten von 12 712 auf 14 624 (Vollzeitstellen). Laut Bauer verfügt Frauenfeld heute über rund 17 000 Arbeitsplätze. Pro Jahr würden rund 50 Anfragen von Firmen nach Bauland und verfügbarem Gewerberaum eingehen. «Aktiv werben wir jedoch keine Firmen ab, da gilt unter den Standortförderern ein Ehrenkodex.»

Dass die Stadt auf Anfragen so rasch reagieren kann, hat auch damit zu tun, dass sie 60 000 Quadratmeter eigenes Bauland besitzt. Die acht Grundstücke sind mehr oder weniger im Industrie- und Gewerbegürtel entlang der Autobahn verteilt. Dadurch kann die Stadt über die Vorgaben des Richtplanes Siedlung und Verkehr hinaus Einfluss nehmen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. «So haben wir ein Instrument, das Wachstum zu strukturieren», sagt Bauer.

Hierfür hat die Stadt Anfang der 90er-Jahre ein Landkreditkonto geäufnet, damals schweizweit eine Pioniertat. «Der Fonds über 25 Millionen Franken erlaubt der Stadt, strategisch wichtige Grundstücke zu erwerben», sagt Heinz Egli, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Standortförderung. Zurzeit seien 18,8 Millionen in Land investiert.

Lagerhäuser sind Landfresser

Bei eigenen Landverkäufen achtet die Stadt laut Egli darauf, wie viele Arbeitsplätze pro hundert Quadratmeter die kaufwillige Firma schaffen will. Das heisst: Wer ein Lagerhaus plant, dürfte bei der Stadt vergeblich anklopfen. Lagerhäuser sind Landfresser und bieten nur eine beschränkte Anzahl Arbeitsplätze.

Kauft ein Unternehmer hingegen Bauland von Privat, kann er darauf natürlich auch ein Lagerhaus bauen, sofern dieses zonenkonform ist und der Bauordnung entspricht. «Da kann die Stadt ihre Bedürfnisse nur bedingt einbringen», sagt Wirtschaftsförderer Daniel Bauer.

Daniel Bauer, städtischer Wirtschaftsförderer. (Bild: Beat W. Hollenstein)

Daniel Bauer, städtischer Wirtschaftsförderer. (Bild: Beat W. Hollenstein)