Wie kleine Pilze grosse Bäume retten

Im Kinderbuch «Wana die Waldfee» versucht die Waldfee einen kranken Wald zu retten. Wie und mit welcher Hilfe kann Wana diese heikle Aufgabe lösen? Das erfährt man im Bilderbuch der Isliker Pilzkontrolleurin Silvana Füglistaler.

Hans-Peter Neukom
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Silvana Füglistaler im Wald, wo auch ihre Bildergeschichte von Wana, der Waldfee, spielt. (Bild: Reto Martin)

Silvana Füglistaler im Wald, wo auch ihre Bildergeschichte von Wana, der Waldfee, spielt. (Bild: Reto Martin)

ISLIKON. Die Autorin Silvana Füglistaler lebt in Islikon und ist in der politischen Gemeinde Gachnang seit vielen Jahren als Pilzkontrolleurin tätig. Bereits in jungen Jahren begeisterte sie sich für die Schönheiten und Geheimnisse der Natur. So erstaunt es nicht, dass sie sich schon bald die Mykologie – die Pilzkunde – zu ihrem geliebten Hobby machte. Von ihren Kindern Therese, Christine und Mathias wurde sie immer wieder gefragt: «Mami, warum erzählst du uns nicht einmal ein spannendes Pilzmärchen?» Die Idee hat sie nun gemeinsam mit ihren Töchtern fachlich überzeugend in ihrem Erstlingswerk «Wana die Waldfee» verwirklicht.

Waldfee ruft Pilze

Die Geschichte handelt von einem Waldstück, in dem eine böse Hexe alle Pilze eingesammelt hat. Dadurch geht es den Bäumen und Pflanzen immer schlechter, Totholz und welke Blätter nehmen überhand und ersticken den Boden. So ruft Wana die Waldfee im benachbarten Wald ihre Freunde Fliegenpilz, Steinpilz, Eierschwamm, Frauen-Täubling und Reizker und bittet sie um Hilfe.

All diese Pilze entspringen nämlich unterirdischen Pilzfäden (Hyphen), die zusammen das watteähnliche Pilzgeflecht oder Myzel bilden. Dieses Myzel umwächst auch die feinen Wurzeln von grossen Bäumen und hilft ihnen so bei der Nahrungsaufnahme.

Pilz ist nicht gleich Pilz

Dieses Zusammenleben zweier solcher Lebewesen – hier eben die kleinen Pilze und die riesigen Bäume –, die sich gegenseitig nützen, nennt man auch eine Symbiose. Wissenschafter wiederum nennen solche Wurzelpilze Mykorrhiza und die dazu gehörigen Bäume Symbionten. Andere Freunde der Waldfee, wie Schwefelkopf, Rotrandiger Baumpilz, Erdstern und Bovist, die Wana ebenfalls um Hilfe bittet, sind Holzpilze und Streuzersetzer. Sie bauen das tote Holz und Laub ab, damit das pflanzliche Material auf dem Waldboden nicht überhand nimmt und schaffen den Bäumen damit wieder Luft. Wanas herbeigerufene Pilzfreunde leisten ganze Arbeit: Mit der Zeit kommt alles wieder in geregelte Bahnen – die grossen Bäume strecken ihre Äste gegen den Himmel und die Blätter wachsen und grünen wieder. Die gute Waldfee Wana und ihre Helferinnen und Helfer feiern den Sieg über die böse Hexe.

Pädagogisch geschickt

Auf jeder Bilderseite des Kinderbuches sind ein Hexenbesen und eine Lupe versteckt, welche die Kinder mit scharfem Blick entdecken können – was dabei pädagogisch geschickt die Aufmerksamkeit der kleinen Leserinnen und Leser trainiert. Etwas irreführend ist höchstens, dass auf einem Gruppenbild mehrere Bezeichnungen von Pilzen nicht der Reihenfolge im Text entsprechen. Eine passende Numerierung oder andere Kennzeichnung in Text und Bild – wie sie für eine spätere Auflage empfohlen sei – könnte hier mögliche Verwechslungen ausschliessen.

Insgesamt aber ist «Wana die Waldfee» eine rührende und doch sachlich fundierte Pilzgeschichte, die sich für kleine Pilznasen und ambitionierte künftige Pilzforscher ab vier Jahren eignet.

Wana die Waldfee, eine Geschichte über Pilze, Silvana Füglistaler, ISBN 978-3-03789-011-0, 28 Seiten mit Farbbildern, Bezugsquellen: www.silvana-fueglistaler.ch.

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