«Wie Hühner um den Gockel»

Prof. Dr. Alexander Filipovic (41) ist ein deutscher Medien-und Sozialethiker sowie Theologe – er lehrt und forscht an der Hochschule für Philosophie in München und kennt das «Bachelor»-Phänomen. Welche Menschen machen eigentlich beim «Bachelor» mit?

Amy Douglas
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Alexander Filipovic Professor für Medienethik (Bild: PD)

Alexander Filipovic Professor für Medienethik (Bild: PD)

Prof. Dr. Alexander Filipovic (41) ist ein deutscher Medien-und Sozialethiker sowie Theologe – er lehrt und forscht an der Hochschule für Philosophie in München und kennt das «Bachelor»-Phänomen.

Welche Menschen machen eigentlich beim «Bachelor» mit?

Zum einen sind das Menschen, die Aufmerksamkeit suchen. Manche von ihnen verstehen es sogar als ihre Berufung, ihr Aussehen oder ihren Charakter in derartigen Sendungen zur Schau zu stellen. Andere sind einfach neugierig, wie es hinter den Kulissen solcher Dreharbeiten beim Fernsehen zu- und hergeht. Interessant ist: Die meisten Kandidaten waren vorher selbst Zuschauer des Formats.

Gibt es zwischen Männern und Frauen einen Unterschied hinsichtlich ihrer Motivation?

Nein, die Motivation ist die gleiche. Da ist meist Narzissmus im Spiel. Und einige Kandidierende hoffen, dass sich ihre Show irgendwann in Geld ummünzen lässt.

Wieso erreicht der «Bachelor» so viele Zuschauer?

Das ist ein allgemeines Phänomen bei Sendungen dieser Art. Solche Formaten bieten gute Identifikationsfiguren, es werden Leute wie du und ich gezeigt. Das bedeutet, dass sich der Zuschauer gut in sie hineindenken kann.

Das Publikum fühlt sich also mit den Kandidaten verbunden?

Nicht unbedingt. Identifikationsfiguren müssen nicht Empathie hervorrufen. Sie bieten aber an, sich mit ihnen zu vergleichen.

Wer schaut diese Sendung eigentlich?

Ich denke, dass das Publikum heterogen ist. Einfaches Unterhaltungsfernsehen spricht die breite Masse an.

Welche Gefahren birgt die Sendung?

Bedenklich finde ich, wenn die Frauen wie Hühner um den einzigen Gockel herumflattern. Das ist unwürdig. Das Schöne der Partnerwahl wird als Inszenierung entlarvt.

Wird sich das Format bald ausgereizt haben?

Das liegt an der Besetzung. Grundsätzlich ist die Verbindung von Castingshow und Dating aber sehr attraktiv. Deshalb glaube ich, dass der «Bachelor» gerne geschaut wird und somit noch etwas Lebenszeit als TV-Format vor sich hat.