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Wie das Sterben die Lebenden erfüllt

Filmbesprechung Sie sind untrennbar, und doch versuchen die meisten Menschen in unserer modernen Gesellschaft, sie so weit zu trennen wie möglich: das Leben und den Tod. Dennoch dreht sich eigentlich immer alles um den Wert und das Schöne des Lebens, wenn es ums Sterben geht.
Andreas Stock
Auch in der Sterbebegleitung gibt es kulturelle Unterschiede: Ausschnitt aus Thomas Lüchingers Dokumentarfilm «Being There – da sein». (Bild: PD)

Auch in der Sterbebegleitung gibt es kulturelle Unterschiede: Ausschnitt aus Thomas Lüchingers Dokumentarfilm «Being There – da sein». (Bild: PD)

Filmbesprechung Sie sind untrennbar, und doch versuchen die meisten Menschen in unserer modernen Gesellschaft, sie so weit zu trennen wie möglich: das Leben und den Tod. Dennoch dreht sich eigentlich immer alles um den Wert und das Schöne des Lebens, wenn es ums Sterben geht. Auch im berührenden Dokumentarfilm «Being There – da sein» von Thomas Lüchinger.

Im Leben von Ron Hoffman, Alcio Braz, Sonam Dölma Sherpa und Elisabeth Würmli ist das Sterben ein zentraler Teil ihres Alltags. Sie arbeiten als Sterbebegleiter oder «Caregiver», wie es der US-Amerikaner Ron Hoffman bezeichnet. Für ihn, der sich freundschaftlich über Jahre um ALS-Patienten sorgt, ist das «sich um jemanden kümmern» eine Art von Kunst. Die St. Gallerin Elisabeth Würmli beschreibt die Begleitung beim Sterben «als ein Geschenk»; für den brasilianischen Psychotherapeuten und Zen-Lehrer Alcio Braz hat es etwas Beruhigendes, und für die Nepalesin Sonam Dölma ist es ein Akt der Nächstenliebe.

Sterben muss nicht würdelos oder einsam sein

Im Fernsehen und im Kino war in den letzten Jahren die aktive Sterbehilfe immer wieder ein Thema. Häufig aus einer Perspektive, die Verständnis wecken wollte, wenn jemand seinem Leiden selber ein Ende bereiten will. Stets wurde die Würde und Selbstbestimmung betont. In «Being There» ist diese Sterbehilfe kein Thema und der einfühlsame Film weckt in keinem Moment die Absicht, als Gegenposition auftreten zu wollen. Aber eindrücklich wird vor Augen geführt, dass ein Durchleben des Sterbens nicht würdelos oder einsam sein muss. Thomas Lüchinger hat keine Porträts über Sterbende oder das Sterben gedreht, sondern über vier Menschen, die über einen persönlichen Verlust zu einer Aufgabe gefunden haben, in der Sterben seine Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit zurückgewonnen hat. Dabei wird trotz kulturellen Unterschieden deutlich, wie alle vier sich darin einig sind, dass ihre Sterbebegleitung nichts Belastendes ist, sondern eine Aufgabe, die sie erfüllt, ja fürs Leben stärkt. Frappant auch, wie identisch sie die stille Präsenz, die Empathie und Wahrhaftigkeit der Zeit mit den Sterbenden beschreiben. Einfach da zu sein – einander Raum zu geben, wie es Braz formuliert –, das scheint die eigentliche Gabe und Befriedigung zu sein. Einen Raum, den Regisseur Lüchinger in seinem unaufgeregten Film ebenso dem Zuschauer zum Nachdenken zugesteht. Es ist öfters von Trauer, Angst und Verdrängung des Sterbens die Rede. «Being There – da sein» setzt den Ängsten und dem Verdrängen ein inspirierendes, tröstendes, vielleicht gar Mut machendes Werk entgegen.

Vorführungen mit Thomas Lüchinger und weiteren Gästen: 2.11., 20 Uhr, Kinok St. Gallen; 4.11., 20 Uhr, Cinetreff Herisau; 6.11., 11 Uhr, Cinewil Wil; 7.11., 20.15 Uhr, Kino Madlen, Heerbrugg; 10.11., 20 Uhr Kino Roxy, Romanshorn, 13.11., 10.30 Uhr Kino Passerelle, Wattwil 11.12., 10 Uhr, Kino Rosenthal, Heiden

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