Wie damals

Die zwei Pferde von Familie Meister kommen noch wie einst zum Einsatz. Wann immer möglich, werden sie zum Pflügen, Gülle-Ausbringen oder Heu-Einführen angespannt. David Meister will damit der schnelllebigen Zeit entgegenwirken, weiss Daniela Ebinger (Text und Fotos).

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David Meister führt sein Arbeitspferd: Geduldig und trittsicher zieht Merlin den Aebi-Säwagen.

David Meister führt sein Arbeitspferd: Geduldig und trittsicher zieht Merlin den Aebi-Säwagen.

KEFIKON. Die Vögel zwitschern von den Bäumen, und die Sonne scheint unaufhörlich. Die Wiese ist gemäht – bereit für eine Portion Dünger. Doch auf dem Biohof Steigacker wird, wann immer es die Zeit zulässt, nicht mit dem Traktor die Gülle ausgetragen. Das erledigt David Meister lieber mit seinen Pferden Merlin und Max vor dem Wagen und mit dem kleinen Güllenfass.

Geduldig stehen die zwei Wallache beim Einfüllen der Brühe mit dem Schlauch still. Auch als David Meister das Rührwerk laufen lässt, scheint das Geräusch sie nicht aus der Ruhe zu bringen. «Sie sind das gewohnt», sagt der Biobauer und wischt sich den Schweiss von der Stirn.

Ein Bauchentscheid

Der 13jährige Max ist noch nicht lange im Team bei Familie Meister. «Die Arbeit auf dem Feld ist ihm aber bekannt», sagt der Landwirt. Max kam vor rund einem halben Jahr als Ersatz für den Freiberger-Wallach Boris. Diesen musste im vergangenen Winter der Landwirt aus gesundheitlichen Gründen mit 25 Jahren einschläfern lassen. «Boris war das absolut treuste Pferd, um auf dem Feld zu arbeiten», sagt Meister, und der Verlust lässt ihn immer noch nicht kalt.

Im Klettgau Pferd gefunden

Er erzählt, wie der Wallach beim Placken-Stechen genau wusste, bei welcher unliebsamen Pflanze er stehenbleiben musste. «Für den Kumpan in kurzer Zeit einen Ersatz zu suchen, war für uns eine grosse Herausforderung», sagt Meister. Nach intensiver Suche wurden sie im süddeutschen Klettgau fündig. Kurzentschlossen entschieden sie sich für ihren ersten eigenhändigen Pferdekauf – es war ein Bauchentscheid für einen Kaltblutmischling mit Abstammung aus Polen. Meister erzählt, wie der Wallach Max sich beim ersten Mal Einspannen zum Güllen-Führen etwas nervös verhielt. «Es braucht Geduld, und als wir ihn am selben Tag nochmals einspannten, war er wie ein umgekehrter Handschuh und zog den Karren willig und brav mit», sagt Meister und hängt den Schlauch beiseite. Das kleine Güllenfass ist voll. Bevor er mit der nächsten Ladung aufs Feld geht, streicht er seinen beiden Tieren eine Essigmischung gegen die lästigen Bremsen aufs Fell. «Das hilft eine gewisse Zeit», sagt er, steigt auf den Bock, und los geht's. Der Hof umfasst 21 Hektaren Nutzfläche. Davon sind rund acht Hektar Acker mit Fruchtfolgeflächen. Der Rest sind Naturwiesen.

Freude an den Tieren

Auf dem Steigacker kommen die Pferde nicht nur zum Gülle-Ausbringen zum Einsatz. Im Frühling sät David Meister mit einem hölzernen Säwagen seine Felder, pflügt die Äcker, bekämpft Unkraut auf Feld und Wiese, bringt das Heu mit Pferd und Wagen in die Scheune und schleppt im Winter Holz vom Wald auf den Hof. «Auf dem Steigacker kamen die Pferde schon immer zum Einsatz», sagt Meister. Diese Tradition wollen sie beibehalten. Den 10jährigen Merlin übernahm die Familie Meister mit dem Hof. Debora mag sich noch gut erinnern, als bereits bei ihren Grosseltern auf dem Hof die Pferde auf Feld, Wiese und Wald zum Einsatz kamen. «Wir haben Freude, mit den Tieren so zu arbeiten», sagt David Meister.

Der 10jährige Basisfreiberger Merlin gehörte bei der Übernahme so wie der Wallach Boris zum Inventar. Das Ehepaar pachtete den grossväterlichen Hof vor drei Jahren für drei Jahre. Zuvor führte der Onkel von Debora Meister den Biobetrieb. Ihren Lebensunterhalt verdient die fünfköpfige Familie mit ihren zwei Dutzend Milchkühen und dem Getreide-, Frucht und Gemüseanbau. Ausserdem betreiben sie einen kleinen Hofladen, der stetig wächst und den sie mit neuen Ideen versuchen weiterzuentwickeln. Da steckt die Bäuerin viel Liebe und Elan hinein.

David Meister lernte den Umgang mit den Pferden zum grössten Teil von seinem Vorgänger. Ansonsten hatte er zuvor nichts mit den Tieren zu tun. Er weiss heute: «Tiere sind keine Traktoren, die Harmonie muss stimmen, und sie müssen gehorchen.»

Zwei Sommer auf der Alp

Auch ist es für ihn ein wichtiger Aspekt, den Arbeitswillen vom Tier zu spüren. An den ersten Kontakt mit Pferden mag er sich noch gut erinnern. Dies war, als er zwei Sommer als Hirt auf einer Alp mit Mutterkühen und Fohlen arbeitete. «Das war alles», sagt er, zuckt mit den Schultern und meint, er habe den Umgang mit den Pferden trotzdem schnell gelernt. Geritten sei er noch nie. «Das würde mich schon reizen, aber dafür fehlt mir bis jetzt die Zeit», sagt er und meint mit einem breiten Lächeln: «Die Arbeit mit den Pferden auf Feld, Wiese und im Wald ist einfach cool.»

In der Ruhe liegt die Kraft

Meister liebt das Kettengeklirr des Pferdegeschirrs und das Hufgeklapper – und dabei vermisst er ganz und gar nicht einen Motor. Dem Aspekt «Zeit ist Geld» will der Landwirt mit seiner Arbeitsweise ein wenig entgegenwirken und viel mehr Aufmerksamkeit auf die Weisheit «In der Ruhe liegt die Kraft» legen.

Ökonomisch lasse sich seine Arbeitsweise nicht begründen. «Doch wenn ich den Kostenvergleich zu Arbeitskraftstunden nicht berechne, kommen mich die Pferde günstiger», sagt er. Es brauche einen gewissen Idealismus. Das Bauern mit Pferden müsse man aus Leidenschaft betreiben und sich die Zeit gerne dafür nehmen. «Diese gönne ich mir gerne – weil ich lieber mit meinen Pferden arbeite als mit dröhnenden Geräten.»

Landwirt David Meister richtet eines seiner Pferde für die Feldarbeit.

Landwirt David Meister richtet eines seiner Pferde für die Feldarbeit.