Wie bleibt die Milch in der Region?

Milchproduzenten aus Fischingen und Bichelsee-Balterswil suchen nach Ideen und Möglichkeiten, die Milchverarbeitung und damit die Wertschöpfung in der Region zu fördern. Damit stellen sie sich einer grossen Herausforderung.

Ruth Bossert
Drucken
Im Gespräch: Köbi Hug, Präsident der Hinterthurgauer Bergbauern (M.), unterhält sich mit Domenik Ledergerber, Projektleiter Pro Zürcher Berggebiet (r.), und Milchverwerter Roger Hug. (Bild: Ruth Bossert)

Im Gespräch: Köbi Hug, Präsident der Hinterthurgauer Bergbauern (M.), unterhält sich mit Domenik Ledergerber, Projektleiter Pro Zürcher Berggebiet (r.), und Milchverwerter Roger Hug. (Bild: Ruth Bossert)

FISCHINGEN. Dass fünf Minuten vor Beginn der Zusammenkunft erst ein paar einzelne im Vortragssaal des Klosters Platz genommen haben, erstaunte niemanden. Waren doch die rund 50 Milchproduzenten allesamt bis kurz vorher noch in Stiefeln und Übergwändli im Stall beschäftigt und mussten sich beeilen, aus den umliegenden, meist abgelegenen Höfen ins Dorf zu kommen. Köbi Hug, Präsident der Hinterthurgauer Bergbauern, freute sich, dass von den 90 angeschriebenen Milchproduzenten und Milchverarbeitern der Gemeinden Fischingen und Bichelsee-Balterswil doch mehr als die Hälfte mit ihrem Kommen ein Interesse an der zukünftigen Milchverarbeitung in der Region bekunden.

Die Landwirtschaft und speziell die Milchvermarktung befinde sich in einem riesigen Wandel. Während früher allein in Fischingen noch acht Käsereien die einheimische Milch verarbeiteten, zähle man heute in den Gemeinden Fischingen und Bichelsee-Balterswil noch gerade drei Betriebe. Während die einen Landwirte ihre Milch der Käserei in der Au (acht Landwirte) oder in Gupfen (13 Landwirte) abliefern, gibt der Grossteil seine Milch verschiedenen Grossmolkereien. Da der Käserei Fischingen heute die Infrastruktur zur Milchabnahme fehlt, bezieht sie die Milch über eine Grossmolkerei, kurioserweise von den eigenen Milchproduzenten in der Region.

Landwirte sind verunsichert

Für Köbi Hug höchste Zeit, endlich einmal darüber zu reden, wie man die Milchverarbeitung und damit die Wertschöpfung in der engeren Region verbessern oder sie für die Zukunft zumindest sichern könnte. Eingeladen war auch der Projektleiter Domenik Ledergerber von der Vereinigung Pro Zürcher Berggebiet, zu welchem auch Fischingen und Bichelsee-Balterswil gehören. Verschiedene Milchproduzenten leiden unter den immer tiefer werdenden Milchpreisen, viele sind verunsichert und wissen nicht, in welche Richtung ihre Zukunft gehen soll. Dies zeigte sich auch in der engagierten Diskussion nach dem eindrücklichen Votum von Werner Ibig, der das Thema als Nichtlandwirt lanciert hatte. (siehe Kurzinterview)

«Wir stehen mit dem Rücken zur Wand», sagte ein anwesender Milchbauer und meinte damit, dass sich der Agrarfreihandel für die Schweizer Landwirtschaft, speziell aber für die Berggebiete, nur negativ auswirke. «Wir müssen dafür sorgen, dass der Konsument unser Produkt kauft.» Dafür müsse man nicht etwas Neues erfinden, wichtig sei, dass das Vertrauen zu den einheimischen Käsern wieder gefestigt werde und man die hiesige Milch auch wieder in der Region verarbeite und vermarkte. Die Milchverarbeiter bestätigten, dass die vergangenen Jahre schwierig waren, dass sie heute aber Kapazitäten haben, mehr Milch zu verarbeiten.

Man muss miteinander reden

Godi Siegfried, Präsident der Produzenten-Milchverwerter-Organisation (PMO) warnte davor, den Landwirten falsche Hoffnungen zu machen. «Wir dürfen uns die regionale Wertschöpfung nicht mit öffentlichen Geldern erkaufen.» Es brauche Herzblut und für den einen oder anderen auch den Mut, seinen Betrieb umzustellen. So mangle es heute an Biomilch. Die Diskussion zeigte, dass noch mit der einen oder anderen Hypothek aus früheren Zeiten reinen Tisch gemacht werden muss. Viele Landwirte waren gezwungen, sich den veränderten Situationen rasch und unkompliziert zu stellen und sich anzupassen. Dabei wurde das Gespräch vernachlässigt. Deshalb trifft man sich am 7. Dezember wieder.

Aktuelle Nachrichten