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WETTERPHÄNOMEN: Der Nebel lichtet sich

Die Nebeltage haben in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr abgenommen. Die Experten sind sich uneinig, warum sich die milchigen Schwaden im gesamten Mittelland verziehen.
Alexandra Looser
Das klassische Herbstbild mit dichten Nebelschwaden lichtet sich – wie hier bei der Thurbrücke bei Warth. (Bild: Andrea Stalder)

Das klassische Herbstbild mit dichten Nebelschwaden lichtet sich – wie hier bei der Thurbrücke bei Warth. (Bild: Andrea Stalder)

In San Francisco wird er liebevoll «Karl» genannt und hat einen eigenen Twitter-Account. In anderen Teilen der Welt ist der Nebel gar lebensnotwendig: In der Chilenischen Atacama-Wüste «melken» sogenannte Nebelfänger die milchige Luft, um ihr das Wasser zu entziehen, das sie zum Leben brauchen.

Hierzulande aber können die dichten Schwaden durchaus für Missmut sorgen. Wenn sie tagelang den Sonnenschein aus der Welt sperren und den Thurgauern die Sicht wie hinter Milchglas vernebeln, drückt das anhaltende Grau, das Sonnenlose auf die Gemüter. Trübe Zeiten – vor allem im November, wenn der Bodennebel zu seiner Hochform aufläuft. Wer dies in den letzten Jahren immer wieder bejammerte, kann sich nun freuen – der Nebel lichtet sich. Er dünnt aus. Ganz so, als habe er den Nährboden verloren, aus dem er sich für gewöhnlich bildet.

«Dass die Nebelhäufigkeit am Boden abnimmt, ist ein Trend, der sich schon längere Zeit beobachten lässt», sagt Christoph Frauenfelder, Wetterexperte bei Meteotop. Laut einer Studie von Meteo Schweiz habe es in den Herbstmonaten September bis November von 1971 bis 1990 im Schnitt 30 Tage Bodennebel gegeben. Zwischen 1995 bis 2014 sei die Zahl hingegen auf durchschnittlich 25 Tage gesunken.

Frauenfelder führt diesen Wechsel im Wetterverhalten auf eine Zunahme der Wolken in der Höhe zurück. Denn wenn im Verhältnis der Bodennebel abnimmt, nehme der Hochnebel zu. Ein einfaches physikalisches Gesetz laut Frauenfelder: Gibt es oben mehr, nimmt es unten ab. «Es ist Vielerorts zu beobachten, dass der Hochnebel im Vergleich zu vor 20, 30 Jahren zunimmt. Kurorte haben dadurch nicht mehr so viel Sonne wie früher.» Hierzulande würde dies als der graue Deckel wahrgenommen werden, der über dem Land pappt. Bodennebel aber, der brauche klare Nächte, um sich überhaupt bilden zu können.

Dreck ist wichtig für den dichten Dunst

Auch Joachim Schug, Senior Meteorologe bei Meteo Group, bestätigt die veränderte Wetterlage. «In den letzten 30 Jahren haben sich die Nebelverhältnisse enorm verändert», sagt Schug. Exakte Zahlen würden aber fehlen, da die Beobachtungen auf der sogenannten Augenzählung beruhen.

Warum sich der Bodennebel verzieht, darüber kann auch Schug nur spekulieren. «Ich denke, dass der rückläufige Bodennebel im Zusammenhang mit dem zunehmenden Hochnebel steht», sagt der Meteorologe, «es gibt aber zusätzliche Einflüsse, wie zum Beispiel, dass sich seit den 70er-Jahren die Luftqualität um ein Vielfaches verbessert hat.» Denn der Nebel, der am Boden kriecht, braucht Dreckpartikel in der Luft, um sich an ihnen festzuhalten. «Da wir aber nur spekulieren können, könnte es auch die Klimaerwärmung sein, die verhindert, dass die Luft bis zum Taupunkt abkühlt.»

Dass sich der Bodennebel zurückziehe, sei natürlich positiv für die nebelgeschädigten Leute im Mittelland. «Wobei der Thurgau schon sehr betroffen ist, vor allem durch die nebelreiche Region rund um den Bodensee.» Insbesondere um Kreuzlingen würde sich der Nebel erst zu allerletzt lösen. «So schön und toll der Bodensee im Sommer auch ist», sagt Schug, «aufgrund der Feuchtigkeit ist er im Herbst die effizienteste Nebelmaschine.»

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