Wer Krebs hat, landet im Register

Auf Anfang Jahr beginnt der Thurgau damit, ein Krebsregister zu führen. Zuerst werden die Fälle von Brustkrebs erfasst. Das Register bietet eine Grundlage für die weitere medizinische Forschung. Die Namen der Kranken werden verschlüsselt.

Martin Knoepfel
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In der Pathologie in Münsterlingen untersucht eine Mitarbeiterin eine Gewebeprobe. Die MRI-Technik ist kein Ersatz für Diagnosen am Gewebe. (Bild: Reto Martin)

In der Pathologie in Münsterlingen untersucht eine Mitarbeiterin eine Gewebeprobe. Die MRI-Technik ist kein Ersatz für Diagnosen am Gewebe. (Bild: Reto Martin)

MÜNSTERLINGEN. Der Thurgau bekommt ab dem 1. Januar 2012 ein Krebsregister, als einer der letzten Kantone. Gestern informierten Kantonsarzt Matthias Wenger und Carlo Moll, Chefarzt des Instituts für Pathologie der Spital Thurgau AG, im Kantonsspital Münsterlingen über die neue Datenbank. Schaffhausen, Bern, Solothurn und Schwyz liegen beim Krebsregister hinter dem Thurgau.

Todesursache Nummer 1

Krebs ist trotz den Fortschritten in der Behandlung heute in der Schweiz immer noch die häufigste Todesursache bei Menschen zwischen 45 und 64 Jahren. 40 Prozent der Menschen erkranken in ihrem Leben an Krebs, was neben den körperlichen auch psychische Folgen hat. Dazu kommt die Gefahr, den Arbeitsplatz zu verlieren. Schliesslich sind Krebsbehandlungen oft sehr teuer.

Seit 2005 hat die Schweiz ein Krebsprogramm. Es soll mit besserer Prävention die Zahl der neuen Erkrankungen senken. Weiter soll es etwa die frühzeitige Erkennung und die Therapie von Krebs verbessern und Grundlagen für die Spitalplanung liefern.

Für Forschung nötig

Krebsforschung sei heute ohne ein Krebsregister unmöglich, ist Wenger überzeugt und illustrierte das mit einem Fall aus Deutschland. Dort habe man bei Kindern, die 5 bis 10 Kilometer von einem Kernkraftwerk aufwuchsen, gehäuft Leukämie (Blutkrebs) festgestellt. Hierzulande habe sich dank des Krebsregisters für Kinder zeigen lassen, dass es keine solche Häufung gibt.

Das Krebsregister verknüpft die Daten über die Krebsfälle mit den Daten über Sterbefälle und Todesursachen, wobei die Namen der Patienten unter Pseudonymen gespeichert werden. Eine Anonymisierung würde spätere Forschungen verhindern. Auch der Verlauf der Krankheit und die Therapien und die Lebensqualität der Patienten sollen erfasst werden.

Laut Gesetz ist der Patient Herr über seine Daten. Die Ärzte – in der Regel die Hausärzte – müssen die Patienten deshalb informieren, dass diese die Weitergabe der Daten verweigern können. Wenn der Patient das nicht tut, steht der Weitergabe nichts im Weg.

Zuerst erfasst das Krebsregister die Brustkrebsfälle, da hier schon Daten aus dem flächendeckenden Screening vorliegen, das seit Anfang Jahr für Frauen von 50 bis 59 Jahren angeboten wird. Später sollen andere häufige Krebsarten wie etwa Lungen-, Darm- oder Hautkrebs folgen.

Rasch realisiert

Eingemietet ist das Krebsregister in den Räumen des Biotechnologie-Instituts in Kreuzlingen. Er sei überzeugt, dass die Datenbank nicht gehackt werden könne, sagte Moll, der als Projektleiter fungiert. Das Projekt sei in der Rekordzeit von anderthalb Jahren realisiert worden, freut sich Moll. Das Krebsregister dürfte rund einen Franken pro Einwohner kosten. Damit sei der Thurgau im Mittel der Kantone, sagte Wenger.

Das Bewilligungsgesuch für das Krebsregister liegt beim Bundesamt für Gesundheit. Die Homepage des Registers ist aufgeschaltet, wird aber noch erweitert.

www.krtg.ch