Wenn Schwalben zügeln sollen

Im Hinterthurgau gibt es seit kurzem drei Schwalbentürme. Mit dem neun Meter hohen Turm in Sirnach möchte der Thurgauer Vogelschutz den Mehlschwalben eine Alternative bieten. Die Zukunft des Rütihofs, wo sie derzeit nisten, ist ungewiss. Der Turm ist etwa zur Hälfte besetzt.

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Über die Strasse: Da die Zukunft des Rütihofs ungewiss ist, sollen die dort ansässigen Schwalben über die Strasse in den Turm ziehen. (Bild: sdu.)

Über die Strasse: Da die Zukunft des Rütihofs ungewiss ist, sollen die dort ansässigen Schwalben über die Strasse in den Turm ziehen. (Bild: sdu.)

SIRNACH. In Sirnach gibt es so viele Schwalben an einem Ort wie sonst kaum irgendwo in der Ostschweiz. Im Gebiet Murgau am Schwalbenweg hat Regula Wendel, Vorstandsmitglied des Vereins Thurgauer Vogelschutz, 56 Nester gezählt. Somit leben über hundert Mehlschwalben unter dem Dach des in die Jahre gekommenen Rütihofs.

Schwalben sind geschützt

Da unklar ist, wie es mit dem ehemaligen Bauernhaus weitergeht, machen sich die Vogelschützer jetzt schon Gedanken um die Tiere. Denn für sie ist die Situation klar. «Alle Schwalbenarten sind nach dem Jagdgesetz landesweit geschützt. Wer ihr Brutgeschäft stört, macht sich strafbar», sagt Regula Wendel und fügt hinzu: «Diese Vögel sind sehr standorttreu. Sie zu zügeln, ist nur beschränkt möglich. Es könnte funktionieren, wenn der neue Platz nicht weit vom alten entfernt ist.» Darum wurde vis-à-vis dem Rütihof in diesem Frühjahr ein Schwalbenturm mit 40 Nestern errichtet. Denn die Gegebenheiten im Murgau-Quartier sind optimal. Da sich in unmittelbarer Nähe ein Kanal, ein neu geöffneter Bach und der EW-Weiher befinden, hat es genug Insekten, die den Schwalben als Nahrung dienen (für eine Brut braucht es rund ein Kilogramm Insekten, was in etwa 150 000 Tieren entspricht). Auch die meisten Bewohner des nahegelegenen Single-Haus-Quartiers freuen sich über die Tiere, da weniger Mücken im Garten sind.

Nachdem der neun Meter hohe Schwalbenturm in diesem Frühjahr vom pensionierten Münchwiler Schreiner Hans Meier gebaut und von Mitarbeitern des Werkhofs aufgestellt worden war, wartete man gespannt, ob die Tiere die neue Nistmöglichkeit akzeptieren. Nun, wo das Experiment schon mehr als drei Monate läuft, sagt Regula Wendel: «Es sieht nach einem Erfolg aus, und schon mehr als die Hälfte der Nester ist besetzt. Vermutlich sind es vor allem junge Tiere, die zum erstenmal im Schwalbenturm nisten. Die Altvögel sind in ihren Nestern an der Hausfassade geblieben.» Die Vertreterin des Thurgauer Vogelschutzes geht davon aus, dass der Turm 2013, wenn die Tiere aus ihrem afrikanischen Winterquartier zurückkehren, voll besetzt sein könnte.

Turm auch in Münchwilen

Der Turm in Sirnach ist nicht der einzige in der Region. Ebenfalls erst kürzlich errichtet wurde jener in Münchwilen. Ein weiterer steht in Affeltrangen, der bis jetzt aber nicht besetzt wurde. (sdu)