Wenn Lämmer spielen, ist's gut

Drei Monate lang zieht das deutsche Schäferpaar Heike Möning und Michael Wiesolek mit seiner Herde durch den Thurgau. Schwierigkeiten machen ihnen und den 400 Schafen die vielen Strassen und das unbekannte Terrain.

Mario Testa
Drucken
Teilen
Gerne unterwegs auf der Weide: Die Herde mit 500 weissen und schwarzen Schafen hält das deutsche Schäferpaar Michael Wiesolek und Heike Möning mit Hündin Yess beisammen. (Bilder: Mario Testa)

Gerne unterwegs auf der Weide: Die Herde mit 500 weissen und schwarzen Schafen hält das deutsche Schäferpaar Michael Wiesolek und Heike Möning mit Hündin Yess beisammen. (Bilder: Mario Testa)

AADORF. Der Wind pfeift Michael Wiesolek um die Ohren, er zieht die Kapuze seines Regenmantels hoch und ruft die Hündin Yess zu sich. Sie hockt neben Michael Wiesolek ins nasse Gras, den Blick auf die vielen schwarzen und weissen Punkte gerichtet, die sich vor ihren Augen auf der grossen Wiese tummeln. «Das nasskalte Wetter macht mir nichts aus, man muss sich nur richtig anziehen», sagt Wiesolek. Seit Anfang Jahr zieht er mit seiner Freundin Heike Möning durch den Thurgau, auf der Suche nach saftigen Wiesen für die 400 Schafe. Ihre Reise führt sie von Frauenfeld über Wängi und Aadorf weiter in Richtung Winterthur.

Die Schafe gehören Carmelo Cominelli aus Frauenfeld, dieser hat sie für die Winterweide dem Schäfer Christoph Steiner anvertraut und er wiederum den beiden Deutschen. «Für uns ist es die erste Winterweide. Im Sommer waren wir schon einmal auf der Alp bei einer Schafherde und im Herbst im Schwarzwald auf einem Hof mit Schafen. Wir lernen diese Tiere also immer besser kennen», sagt der Schäfer.

Michael Wiesolek ist Lehrer, Heike Möning Informatikerin, auf diesen Berufen arbeiteten sie in der Nähe von Stuttgart noch bis vor den Sommerferien. «Wir lieben beide die Natur und brauchten Abwechslung von unserer bisherigen Arbeit», sagt Möning. Auf der Schäfer-Vermittlungshomepage zalp.ch hätten sie dann das Stellenangebot für die Winterweide entdeckt und sich bei Christoph Steiner beworben.

Ohne Hund geht es nicht

«Die Arbeit mit Schafen und Hund ist spannend. Vor allem, zu sehen, wie sich eine Herde verhält», sagt Möning. Ohne Hund wäre es kaum möglich, die Herde unter Kontrolle zu halten.

Links! – Rechts! – Stopp! – Bleib! Das sind die wichtigsten Kommandos für Yess, die Border-Collie-Hündin. «Wenn sich einige Schafe von der Herde entfernen, treiben wir sie mit der Hilfe von Yess zurück», sagt Michael Wiesolek. Yess sei so trainiert, dass sie in einem grossen Bogen um die Schafe herumlaufe und die Tiere so in Richtung des Schäfers treibt.

Bei der Wiese in Aadorf hört Yess lange keinen Befehl von Wiesolek und Möning. Die Schafe grasen friedlich, einige Lämmer toben herum. «Wenn die Lämmer spielen, ist's gut. Das ist ein beruhigendes Zeichen», sagt Wiesolek. «Es gibt gute Wiesen und schlechte Wiesen, das abzuschätzen, ist mit das Schwierigste.» Deswegen gehe immer einer von beiden rekognoszieren. «Wir kennen die Gegend noch nicht, das macht es schwierig», sagt Heike Möning, aber Christoph Steiner gebe ihnen jeweils Tips. Gefährlich werde es, wenn sie mit der Herde Strassen überqueren müssten. «Vor allem auf Yess müssen wir dann aufpassen. Sie ist so auf das Treiben der Schafe fokussiert, dass sie den Verkehr ganz vergisst.»

Schlafen im Wohnwagen

Vor dem Eindunkeln stecken die Schäfer einen trockenen Bereich einer Wiese mit einem Elektrozaun ab und pferchen die Schafe dort rein. «Wenn sie genug gefressen haben, legen sie sich dann jeweils schnell hin zum Schlafen.» Wiesolek und Möning übernachten während den drei Monaten in einem Wohnwagen.

Aktuelle Nachrichten