WENIGER VERKEHRSUNFÄLLE AUF THURGAUER STRASSEN: Tiefstände zum Einstand

Weniger Straftaten, weniger Verkehrsunfälle: Die Kantonspolizei Thurgau präsentiert fürs vergangene Jahr erfreuliche Tiefwerte. Doch es gibt auch einzelne Deliktarten, bei denen Zunahmen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen sind.

Sebastian Keller
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Jürg Zingg, Kommandant Kantonspolizei Thurgau, Andreas Kopp, Chef Kriminalpolizei, und Fritz Hefti, Chef Verkehrspolizei. (Bild: Donato Caspari)

Jürg Zingg, Kommandant Kantonspolizei Thurgau, Andreas Kopp, Chef Kriminalpolizei, und Fritz Hefti, Chef Verkehrspolizei. (Bild: Donato Caspari)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Ein Einstand nach Mass: Bei seiner ersten Präsentation der Verkehrsunfall- und Kriminalitätsstatistik als Kommandant der Kantonspolizei Thurgau konnte Jürg Zingg gleich Bestwerte vermelden. Wobei in diesem Fall je tiefer desto besser heisst. «Die Zahl der Einbrüche hat im vergangenen Jahr einen historischen Tiefstand erreicht», sagte Zingg an der gestrigen Medienkonferenz. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl dieser Straftaten um 21 Prozent auf 722 ab. Er blickte noch weiter zurück, um die Zahl deutlicher zu veranschaulichen: Im Jahr 1991 wurden im Thurgau 1846 Einbruchdelikte registriert. Mit dem neuerlichen Rückgang reiht sich der Kanton in einen schweizweit sinkenden Trend ein.

Ein sicherer Kanton im Schweizer Vergleich

Im Schweizer Vergleich präsentiert sich der Thurgau als sicherer Kanton. Die Häufigkeitszahl, also die Anzahl Straftaten pro 1000 Einwohner, ging von 41,4 auf 38,6 zurück – der Schweizer Schnitt liegt bei 56,2. «Wir leben sehr sicher im Thurgau», sagte Zingg. Auch mit Verweis auf die sinkenden Einbruchdiebstähle schränkte der Kommandant ein: «Irgendwann werden diese Zahlen wieder steigen.» Er versprach, dass die Kantonspolizei dannzumal nicht in Hektik verfalle, «ebenso wenig, wie wir jetzt in Jubelstürme ausbrechen».

Andreas Kopp, Chef der Kriminalpolizei, beleuchtete die verschiedenen Deliktkategorien. Wie sein Chef hob auch er die rückläufige Anzahl Einbrüche hervor. «Wir hatten im vergangenen Jahr keine grossen Einbruchserien.» Eine Mutmassung äusserte der Kripo-Chef: Der Wohlstand in den Herkunftsländern der Einbrecher sei gestiegen, wodurch sie weniger kriminell werden. «Es ist nicht die Thurgauer Bevölkerung, die einbricht», sagte er – diese Erkenntnis sei nicht neu. Viele Einbrüche gehen auf das Konto von Familienbanden, die gezielt einreisen, um einzubrechen. «Berufseinbrecher», nannte sie Kopp. Meist würden sie das Objekt vorher auskundschaften. Später, wenn niemand zu Hause ist, brechen sie ein. Worauf haben sie es abgesehen? Kopp: «Auf alles, was sich versilbern lässt.» Am liebsten Geld, aber auch Schmuck und andere Wertgegenstände.

Zugenommen haben die Delikte Raub (von 37 auf 49), Nötigung (35 auf 54) und Vergewaltigung (14 auf 17). Bei der Zunahme der Vergewaltigungen erklärte der Chef der Kriminalpolizei, dass in vier Fällen gar keine Straftat vorgelegen hat. Der Vorwurf der Vergewaltigung löste sich in Luft auf. Und das geht so: Eine Frau schläft einvernehmlich mit einem Mann; ihr Partner erfährt davon. Daraufhin erstattet die Frau – quasi als Ausrede – Anzeige wegen Vergewaltigung. Später zieht sie diese zurück und gesteht, dass nichts dran war. «Das kommt vor, aber einen Trend abzuleiten wäre falsch», sagte Kopp.

Zahl der Schwerverletzten hat zugenommen

Im Bereich Verkehrsunfälle konnte Kommandant Zingg ebenfalls einen historischen Tiefstwert verkünden. Seit Beginn der statistischen Erfassung durch die Kantonspolizei im Jahr 1940 sei die Zahl der Verkehrsopfer noch nie so tief gelegen. Und dies obwohl der Verkehr zugenommen hat – in den vergangenen zwanzig Jahren um fünfzig Prozent. 1249 Verkehrsunfälle registrierte die Kantonspolizei im Jahr 2016, was einem Rückgang um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. «Wir mussten zum Glück weniger Unfälle bearbeiten», sagte Fritz Hefti, Chef der Verkehrspolizei. Auf Thurgauer Strassen starben im letzten Jahr sieben Personen, im Vorjahr waren es acht. Zugenommen hat die Anzahl der Schwerverletzten – von 117 auf 131. Eine Erklärung dafür hat Hefti nicht. «Der Verletzungsgrad ist meist zufällig.» Als Hauptursache für Unfälle stach erneut die Missachtung des Vortritts hervor. So in 392 von 1249 Unfällen.

Jürg Zingg würde sich freuen, im nächsten Jahr noch tiefere Zahlen präsentieren zu können. Eines ist bereits jetzt klar: «Ich bin im Amt – und überhaupt im Thurgau – angekommen, und ich fühle mich richtig wohl hier.» Ein Einstand nach Mass also.