Weniger Trinkgeld für J+S-Leiter

Sportvereine und Jugendorganisationen müssen künftig mit weniger Geld auskommen – das Bundesamt für Sport kürzt die Beiträge für Jugend und Sport. Ostschweizer Verantwortliche reagieren einsichtig, aber enttäuscht.

Christoph Fust
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Von den gekürzten Beiträgen für Jugend und Sport sind auch Pfadi- und Jungwacht-Blauring-Lager betroffen. (Bild: Urs Jaudas)

Von den gekürzten Beiträgen für Jugend und Sport sind auch Pfadi- und Jungwacht-Blauring-Lager betroffen. (Bild: Urs Jaudas)

«Jugend- und Freiwilligenarbeit ist der Politik offenbar nicht mehr allzu viel wert», sagt Thomas Rosenblum. Dem Ressortleiter Betreuung bei der Pfadi St. Gallen-Appenzell macht die Beitragskürzung bei Jugend und Sport (J+S) Mühe. 7.60 Franken pro Teilnehmer und Tag erhalten Organisationen wie die Pfadi oder Jungwacht Blauring bisher vom Bundesamt für Sport, wenn sie Lager mit J+S-Leitern durchführen. Ab 1. August wird dieser Betrag um 25 Prozent auf 5.70 Franken gesenkt.

Auch Gemeinden, Kantone und Schulen, die Lager anbieten, sind betroffen. «Hätte man den neuen Beitrag bereits beim diesjährigen Wintersportlager angewendet, hätte es hundert Franken weniger pro anerkannten Leiter gegeben», sagt Sandra Wenk, J+S-Coach der Schule der Stadt Gossau. Total wäre der Einschnitt 3700 Franken gross gewesen. Sie frage sich nun, ob sich unter den neuen Voraussetzungen für das Lager von nächstem Winter wieder gleich viele J+S-Leiter anmelden werden.

Sieben Millionen für Ostschweiz

Zusammen mit den Kursen, welche Sportvereine das ganze Jahr über anbieten, geht es um viel Geld. In der Ostschweiz wurden 2014 mehr als 7,2 Millionen Franken J+S-Beiträge ausbezahlt, dank des Einsatzes von über 15 000 Leitenden. Sie erhalten neu noch etwa 75 Prozent der Beiträge. Bei einigen Vereinen wandern die Gelder des Bundesamts in einen Topf und werden aufgeteilt, so auch bei der Pfadi.

Walter Diethelm, technischer Sportchef des Kanu-Clubs Romanshorn, versteht die J+S-Beiträge als Trinkgeld für die ehrenamtliche Arbeit. Geld dürfe für Leiter nicht die Hauptmotivation sein. Trotzdem ist er gegen die Senkung: «Mit der Beitragskürzung wird am falschen Ort gespart.» Insbesondere wenn man bedenke, was Jugendsportvereine an Präventionsarbeit leisteten. «Gegen die ständig steigenden Sozialkosten sind die Ausgaben für Jugend und Sport ja ein Pappenstiel», sagt Diethelm.

Sportämter bedauern Kürzung

Die Ostschweizer Sportämter haben von den Vereinen noch keine negativen Rückmeldungen zu den Kürzungen erhalten, seit diese letzte Woche informiert worden sind. «Viele Vereine budgetieren nicht so genau und nehmen an Beiträgen, was sie erhalten», sagt Erich Brassel, Leiter der Fachstelle Sport des Kantons Appenzell Ausserrhoden.

Patrik Baumer, Leiter des Amts für Sport beim Kanton St. Gallen, glaubt, dass sich viele Vereine noch nicht bewusst sind, was die Kürzung für sie bedeutet. «Was ich besonders bedauere, ist die Situation bei den Lagern», sagt Baumer. Mit der Einführung des neuen Sportförderungsgesetzes auf 1. Oktober 2012 habe man die Beiträge hier noch besonders heraufgesetzt (siehe Kasten) – die Korrektur nach unten sei schmerzhaft. «Andererseits setzt die Politik beispielsweise mit der Lancierung der Schneesport-Initiative genau gegenteilige Signale», sagt Baumer. Ein klares Bekenntnis des Bundesamtes wünscht sich Peter Bär, Sportamt-Chef des Kantons Thurgau: «Man kann nicht mehr Lager fordern und dann unter dem Deckmantel der Sparpolitik negativ eingreifen.»

Nicht am Angebot sparen

Bei einer Petition im Internet haben sich innert einer Woche mehr als 6100 Unterzeichnende gegen die Beitragskürzung ausgesprochen. Einige Vereine haben indessen bereits Lösungen parat. «Unsere Leichtathleten müssen dann bei Wettkämpfen vielleicht einen Selbstkostenbeitrag zahlen», sagt Bruno Höhener vom Turnverein Teufen. Hans-Peter Dürst von Volley Amriswil stellt sich vor, wieder öfter Aktionen wie Papiersammlungen oder Sponsorenläufe durchzuführen. «Auf keinen Fall wollen wir bei den Ausgaben für die Leiter sparen», sagt er. Und auch die Pfadi gibt sich kämpferisch. «Wir werden gleich wie heute Lager durchführen», sagt Thomas Rosenblum, «für ein gutes Programm braucht es mehr als ein volles Portemonnaie.»