WENIGER TEMPO: Anwohner fordern mehr Tempo-30-Zonen in Frauenfeld

Bald dürfte der Stadtrat verschiedene Varianten zur Stadtentlastung präsentieren. Unabhängig davon macht sich die «IG Verkehrsverlagerung – Nein» stark für Tempo-30-Zonen und gegen Einzelmassnahmen.

Samuel Koch
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Während der Baustelle Holdertorkreisel/Rathausplatz im Juli passierten täglich knapp 14000 Fahrzeuge die Ringstrasse. (Bild: Donato Caspari)

Während der Baustelle Holdertorkreisel/Rathausplatz im Juli passierten täglich knapp 14000 Fahrzeuge die Ringstrasse. (Bild: Donato Caspari)

Salamitaktik wollen sie nicht, auch keine Verzögerungstaktik – und eine Verlagerungstaktik schon gar nicht. So präsentieren sich grosso modo die Forderungen der IG Verkehrsverlagerung Nein. Deren Mitglieder wohnen entweder direkt an der Ringstrasse oder in deren unmittelbarem Umfeld. Für sie ist klar, dass die Stadt ein Verkehrsproblem hat, «und zwar ein erhebliches». Deshalb warten sie gespannt auf die Varianten des Stadtrates zur Stadtentlastung, die zusammen mit dem Kanton erarbeitet wurden, nachdem sich der Bund – voraussichtlich bis 2030 – finanziell nicht an Projekten des laufenden Agglomerationsprogramms beteiligen wird. Die Varianten dürften nächstens öffentlich werden, nachdem der Gemeinderat nach der Fragestunde Ende Oktober an einer nicht öffentlichen Präsentation über die Machbarkeitsstudie 2 zur Stadtentlastung informiert wurde.

Vertreter der «IG Verkehrsverlagerung – Nein» wollen eine bessere Situation auf der Ringstrasse (v. l.): Ueli Müller, Eva Engeli, Jürgen Krotzinger, Heinz Halter und Hermann Glarner. (Bild: sko)

Vertreter der «IG Verkehrsverlagerung – Nein» wollen eine bessere Situation auf der Ringstrasse (v. l.): Ueli Müller, Eva Engeli, Jürgen Krotzinger, Heinz Halter und Hermann Glarner. (Bild: sko)

Die «IG Verkehrsverlagerung-Nein» will jedoch noch vor der städtischen Bekanntgabe klare Rahmenbedingungen einfordern und wünscht eine Verkehrsberuhigung für die gesamte Innenstadt – inklusive Ringstrasse – unabhängig von der gewählten Variante. «Die Ringstrasse ist keine Umfahrungsstrasse, sondern de facto eine Wohnstrasse mit Schulen rundherum und drei gefährlichen Fussgängerstreifen», sagen die IG-Vertreter. Es könne nicht sein, dass noch mehr Verkehr durch «diesen Bypass gedrückt» werde. «Ebenso wenig darf der Verkehr im Sinne der städtischen Attraktivität auf andere Strassen verlagert werden, sondern er muss aus der ganzen Innenstadt raus», sagen die IG-Vertreter unisono. Über das Hauptproblem auf der Südachse Richtung Matzingen und St.Gallen sind sich alle einig. Gemäss Messungen des kantonalen Tiefbauamts passieren täglich über 17'000 Fahrzeuge die Passage Holdertorkreisel/Rathausplatz. «Das sind gleich viele, wie täglich durch den Gotthardtunnel fahren», meint Jürgen Krotzinger. Hermann Glarner ergänzt: «Der Verkehr könnte ja auch über die Autobahn in Attikon Richtung St.Gallen fliessen, trotz eines distanzmässigen Umwegs.» Es sei eine Güterabwägung vonnöten, auch um die Einwohnerinnen und Einwohner in der Stadt zu schützen. «Von den schönen Häusern ganz zu schweigen», gibt Heinz Halter zu bedenken.
 

Nicht nur viel Verkehr, auch hohe Geschwindigkeiten

Den Baustellensommer nutzte die IG Verkehrsverlagerung Nein, um an der Ringstrasse während einer Woche Verkehrsmessungen durchzuführen. «Die Resultate sind erschreckend», sagt Jürgen Krotzinger. Während der Baustelle Holdertorkreisel/Rathausplatz verzeichnete die Ringstrasse im Schnitt täglich fast 14'000 Fahrzeuge. Ohne den verkehrsarmen Sonntag sind es knapp 15'000. Der Anteil an Schwerverkehr liegt dank der bereits von der Stadt verfügten Durchfahrtsverbote mit 2,5 Prozent im marginalen Bereich. Die Aufzeichnungen durchgeführt hat die Firma Innolutions, bei welcher gemäss IG auch die Stadt Kunde ist. «Erschütternd» für die IG-Mitglieder sind auch die Resultate der Geschwindigkeitsmessungen. Trotz Staus während der Stosszeiten liegt das Durchschnittstempo bei über 40 km/h. «Und täglich gab es Höchstgeschwindigkeiten von über 70 km/h. Das ist kriminell.» Als sie die Resultate Vertretern der Kantonspolizei Thurgau weiterleiteten, seien auch diese verwundert gewesen. Auch deshalb fordert die IG die Ausweitung des Tempo-30-Regimes auf die Ringstrasse. «Das wäre zeitnah umsetzbar und finanziell machbar», meinen ihre Vertreter. Betreffend Lärmschutz dürfte der Kanton auch ein Interesse an Tempo 30 auf der Ringstrasse haben, betonen die IG-Vertreter. «Ansonsten könnte es bei einer Verkehrsverlagerung zu teuren Lärmsanierungen kommen.»

Abgesehen von den städtischen und kantonalen Planungen sind sich bei der IG alle bewusst, dass eine «wirkliche Lösung» – unabhängig davon, welche es sein wird – Geld kostet. «Wenn wir eine lebenswerte Stadt wünschen und das Autofahren nicht verbieten wollen, muss es uns das aber wert sein.»