Weniger Notfälle über Silvester

Die Oberärztin Aisha Scholtes arbeitet über Silvester im chirurgischen Notfalldienst des Kantonsspitals Frauenfeld. Sie schätzt die Stimmung, die an diesen Tagen auf der Notaufnahme herrscht.

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Aisha Scholtes, Oberärztin Chirurgie Kantonsspital Frauenfeld (Bild: pd)

Aisha Scholtes, Oberärztin Chirurgie Kantonsspital Frauenfeld (Bild: pd)

Frau Scholtes, anstatt zu Hause zu feiern, arbeiten Sie im Notfalldienst. Weshalb macht Ihnen das nichts aus?

Natürlich braucht es auch über die Festtage Personal in der Notaufnahme. Unser Team teilt sich dabei auf: Eine Hälfte übernimmt den Dienst über Weihnachten, die andere Hälfte den über Silvester, so wie ich. Unter den Leuten, die dann noch da sind, herrscht immer eine gute Stimmung.

Weshalb?

Das mag nun vielleicht erstaunen, aber über die Festtage ist hier oft weniger los als an anderen Tagen. Vorletzten Silvester zum Beispiel haben wir im Team ein Fondue Chinoise gemacht, weil es keine Notfälle gab. Wir hatten sogar Zeit zum Anstossen. Alkoholfrei, versteht sich.

Aisha Scholtes, Oberärztin Chirurgie Kantonsspital Frauenfeld (Bild: pd)

Aisha Scholtes, Oberärztin Chirurgie Kantonsspital Frauenfeld (Bild: pd)

Dabei könnte man doch annehmen, dass es gerade über die Festtage mehr Unfälle gibt...

Natürlich gibt es hie und da den Klassiker: Jemand trinkt am Fest zu viel, kippt um und muss in den Notfall. Ansonsten kommen in der Zeit oft noch Leute mit Bauchbeschwerden zu uns. Das kommt meist vom vielen Essen, das es über die Festtage gibt und das nicht so gesund ist. Viele wollen aber das Fest nicht verpassen und halten zu Hause durch, obwohl sie krank sind. Deshalb haben wir hier auf dem Notfall zwischen den Festtagen oder in den Tagen danach in der Regel mehr Betrieb als am eigentlichen Fest selbst. Ein bisschen etwas läuft aber immer, dafür sorgen die Leute schon.

Wie meinen Sie das?

Wir haben jedes Jahr an den Festtagen ein, zwei Patienten bei uns im Notfall, bei denen wir nichts finden können. Trotzdem beharren sie auf ihren Schmerzen. Natürlich nehmen wir das ernst und behalten diese Leute für ein oder zwei Tage hier im Spital im Auge. Danach sind die Probleme meist verschwunden, ohne viel Therapie. Natürlich können wir so etwas nicht mit Sicherheit sagen, aber wir glauben, dass manche uns aufsuchen, weil sie allein sind. Über die Festtage ist Einsamkeit besonders schwer zu ertragen. Im Spital trifft man dann auf Leute. Wenn auch nur auf das halbe Team. (mre)

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