Weniger Lektionen, gleicher Lohn

Ein Unterrichtspensum von 27 statt 28 Lektionen für alle und eine mögliche Lohnerhöhung für angehende Primarlehrer: Die Umsetzung des Massnahmenpakets zur Stärkung des Lehrberufs im Kanton St. Gallen ist gestartet.

Peter Brühwiler
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St. Gallen. Der befürchtete Lehrermangel ist in diesem Jahr zwar ausgeblieben, wie das kantonale Bildungsdepartement vor einem Monat mitteilte. Die Umsetzungsarbeit am «Massnahmenpaket zur Stärkung des Lehrerberufs in der Volksschule» wurde departementsintern aber trotzdem weitergeführt. Herausgekommen ist das bereits im April dieses Jahres Angekündigte in Gesetzesform: Ein von 28 auf 27 Lektionen reduziertes wöchentliches Unterrichtspensum, ein «zeitgemässer Berufsauftrag» – und die Möglichkeit einer Lohnerhöhung für junge Primarlehrer. Deren Löhne «fallen im interkantonalen Vergleich etwas ab», schreibt das Bildungsdepartement in seiner Botschaft zu den Gesetzesentwürfen. Allerdings sei diese Differenz zu klein, als dass sie im heutigen Umfeld eine generelle Lohnerhöhung rechtfertigen würde, ergänzt Bildungschef Stefan Kölliker.

Löhne wenn nötig anheben

Unter Druck werden die St. Galler Schulen unter anderem vom Kanton Zürich gesetzt, wo in diesem Frühjahr eine Lohnerhöhung beschlossen wurde. Diese erfolgt laut Kölliker etappenweise, so dass «die Differenz zu den St. Galler Einstiegslöhnen in den nächsten zwei Jahren noch zunehmen wird».

Sollten sich dann eine verstärkte Abwanderungsbewegung und ein Lehrermangel abzeichnen, müsse die Regierung schnell reagieren können. Ins neue Volksschulgesetz soll deshalb eine «Delegationsnorm» eingebaut werden, die es ihr erlaubt, die Löhne der jungen Primar-Lehrpersonen um eine oder zwei Stufen anzuheben. Diese Lohnerhöhung gilt so lange, «wie es die Regierung für nötig erachtet», sagt Kölliker.

Weniger Lektionen

Die zweite Massnahme – das tiefere Unterrichtspensum – wird laut Mitteilung keine Mehrkosten verursachen, da gleichzeitig die Zahl der Lektionen gesenkt werden soll. Das Bildungsdepartement hält diese Reduktion für gerechtfertigt, da die St. Galler Schüler im interkantonalen Vergleich heute sehr lange zur Schule gehen. Welche Fächer vom Abbau betroffen sein werden, wird sich laut Kölliker in den kommenden Monaten weisen, wobei der Lehrplan 21 zu berücksichtigen sei.

Die grundsätzlich positive Haltung des kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (KLV) zum Massnahmenpaket hat sich seit April nicht geändert. Zwar seien darin nicht alle ihre Forderungen erfüllt, sagt Hansjörg Bauer vom KLV-Präsidium, «aber es ist zumindest ein Teilerfolg». Gut sei, dass die Regierung jetzt mit einer Lohnerhöhung auf einen Lehrermangel reagieren könne. Allerdings hätte sich Bauer eine ähnliche Delegationsnorm auch für die Oberstufe gewünscht.

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