Weniger Gestank im Stall

STECKBORN. Rund 500 Besucher besichtigten am Wochenende den ersten Kompoststall der Schweiz in Steckborn. Landwirt Hubert Hegglin freute sich über das grosse Interesse. Seine Kühe dagegen liessen sich durch die Besucher nicht aus der Ruhe bringen.

Margrith Pfister-Kübler
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Landwirt Hubertus Hegglin mit seinen Kühen im ersten Kompoststall der Schweiz. (Bilder: Margrith Pfister-Kübler)

Landwirt Hubertus Hegglin mit seinen Kühen im ersten Kompoststall der Schweiz. (Bilder: Margrith Pfister-Kübler)

Echt und authentisch innovativ wirkte bereits der Empfang bei der Ankunft am Hof der Familie Hegglin oberhalb Steckborn beim Eichhölzli. Gastfreundschaft scheint der Familie Hegglin im Blut zu liegen, denn der Besichtigungstag wurde getragen von starken Familienbanden und Nachbarschaftshilfe. Während die Erwachsenen sich um fachliche Informationen kümmerten, vergnügten sich die Kinder bei Strohhüpfen, Goldsuchen, Melken einer Plastikkuh und Schaukeln zwischen alten Bäumen mit Blick auf den Untersee. Zum grossen Fachsimpeln trafen sich die Besucher nach dem Rundgang in der Festwirtschaft in der grossen Scheune.

Vom Pioniergeist erfüllt

«Der alte Stall entsprach nicht mehr den Tierschutzverordnungen», erklärte Hubert Hegglin die Neuausrichtung zum Kompoststall, die ihn vor rund drei Jahren zu einer Kompoststallanlage nach Niederösterreich führte. Vom Pioniergeist erfüllt begann er zusammen mit seiner Frau Margrit zu planen, zusammen mit Beat Weibel aus Altishausen von der Firma DeLaval und dem Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Als geschichtsträchtig sah es Alois Dähler aus Helsighausen an, dass er als Händler für Landwirtschaftsbetriebe der aus dem Kanton Aargau stammenden Familie Hegglin diesen Hof verkaufen konnte.

Beim Rundgang durch die Stallanlagen wurden die Eindrücke so verschieden erlebt, wie die Leute waren. Alle waren tief beeindruckt von der grossen Ruhe, welche von den Tieren ausging, die entspannt auf der «grossen Matratze» lagen. «So viele fremde Leute, die durch die Anlagen laufen, und die Tiere bleiben immer noch schön friedlich liegen. Das ist ein super Zeichen», stellte nicht nur Landwirt Thomas Kraft aus Frauenfeld fest. «Viel weniger Gestank», bemerkten junge Leute aus Steckborn. Als Einstreu werden Sägespäne verwendet, durchmischt mit Kot und Harn der Tiere. Ein Wechsel des durch Verrottung entstandenen Kompostes ist alle sechs Monate nötig, zweimal pro Tag ist Bearbeitung der Liegefläche nötig.

Bei Fachgesprächen wurde bemerkt, dass der Güllelagerraum bei diesem System kleiner ist, und dass durch die Verrottung des Sägemehls Humus entsteht, der mit einem pH-Wert von 8,0 bis 8,6 keine Versauerung des Bodens auslöst.

Geruchsneutraler Dünger

Beim Stallrand stand eine Garette, gefüllt mit Kompost aus dem Stall, mit einer kleinen Schaufel. «Riecht mal», ermunterte ein Landi-Mann und schob das beladene Schäufelchen jedem unter die Nase, der nicht wich. Tatsächlich: kein Gestank, geradezu geruchsneutral. «Ich dünge damit meinen Garten», versicherte die Powerfrau Margrit Hegglin, die erzählend bewies, dass dieser Kompost auch ihrem Garten dienlich ist. Obwohl die Tiere neben der Technik im Rampenlicht standen, liessen sie sich nicht beim Wiederkäuen stören, und als die Zeit zum Melken kam und sie in den alten Stall in die Melkerei zur Rohrmelkanlage trotteten, gab's auch keinerlei Hektik. 44 Kühe, kontrolliert von einem Stier, der beherrscht zeigte, dass er nicht in die Melkerei muss.