Weniger Beiträge, aber nichts ist verloren

Mit der neuen Agrarpolitik 2014 bis 2017 des Bundes werden die staatlichen Beiträge für Obstbauern reduziert. Der Präsident des Thurgauer Obstbauverbandes, Edwin Huber, sieht darin viele Nachteile, aber noch lange keinen Weltuntergang für die Obstbauern.

Ralf Rüthemann
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Herr Huber, warum werden die staatlichen Beiträge für Obstbauern reduziert?

Edwin Huber: Also Einsparungen sind es nicht, eher Verschiebungen in andere Bereiche. Denn der Geldbetrag, der verteilt wird, ist etwa gleich wie zuvor. Das Massnahmenpaket im ökologischen Bereich wird ausgeweitet, und vermutlich steigen auch die Kosten in der Administration.

Um wie viel werden die Beiträge reduziert?

Huber: Die Flächenbeiträge werden um 120 Franken pro Hektare Obstkulturen reduziert. Bis anhin gab es einen Grundbeitrag von 1020 Franken pro Hektare und 640 Franken Zuschlag für Dauerkulturen, neu ist der Grundbeitrag 900 Franken. Zudem gibt es nur noch für 120 Hochstammbäume pro Hektare Beiträge. Für alle zusätzlichen Bäume wird nichts vergütet.

Neu sollen auch die Flächenbeiträge für Hochstammwiesen wegfallen, wenn es keine Tiere auf dem Hof gibt. Stimmt das?

Huber: Das kann ich nicht mit Sicherheit bestätigen. Ich habe gehört, dass es neu so gemacht werden soll. Bei der Vernehmlassung ist uns aber keine derartige Änderung aufgefallen. Entweder war es schon immer so, oder dann haben auch andere Kantone diese Änderung übersehen.

Was würde der Ausfall dieser Flächenbeiträge für die Thurgauer Obstbauern bedeuten?

Huber:Viele Thurgauer Obstbauern mit Hochstammbäumen wären von diesem finanziellen Ausfall nicht betroffen, da sie sowieso Tiere halten. Trotzdem müssten sich natürlich einige Betriebe Gedanken machen, ob sie etwas ändern müssen, um längerfristig rentabel zu sein. Verloren ist nicht alles, auch wenn diese finanziellen Kürzungen des Staates sehr bedauerlich sind.

Wie könnten Obstbauern den finanziellen Ausfall kompensieren?

Huber: Es gäbe allenfalls Alternativen im ökologischen Bereich, die aber aufwendig sind. Für uns wäre es wünschenswert, wenn zum Beispiel Totaleinnetzungen berücksichtigt werden.

Wie reagiert der Obstbauverband Thurgau auf die Änderungen?

Huber: An der Agrarpolitik 2014 bis 2017 lässt sich nichts mehr gross rütteln. Dazu haben wir bei der Vernehmlassung unsere Inputs gegeben. Ursprünglich war sogar geplant, dass es gar keine Beiträge mehr geben soll, wenn es mehr als 120 Hochstammbäume pro Hektare hat. Zusammen mit anderen Kantonen konnten wir es nun so steuern, dass alle Hochstammbäume über 120 nicht dazuzählen.

Kann es sein, dass es nach der Agrarpolitik 2014 bis 2017 erneut solche Änderungen gibt?

Huber: Es ist möglich, dass sich das Ganze so weiterentwickelt. Für den Bauern ist es aber mühsam, wenn es nach so kurzer Zeit wieder grosse Änderungen gibt.

Was ist das nächste Ziel des Thurgauer Obstbauverbandes?

Huber: Am 10. Januar haben wir kantonale Obstbautagung in Zihlschlacht. Dann werden wir nochmals über die Änderungen diskutieren. Zudem kommt der Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft und nimmt zu unseren Fragen Stellung.

Gibt es sonst noch irgendwelche markanten Änderungen für die Obstbauern?

Huber: Der mühsamste Nebeneffekt ist, dass alles immer komplizierter wird. Die Behörden haben den Betroffenen empfohlen, sich frühzeitig einzulesen. Mit anderen Worten: Es ist so kompliziert, dass man nicht sofort alles versteht.