Wenige wollen Ledigennamen zurück

Das neue Namensrecht gibt auch jenen Paaren Wahlfreiheit, die schon längst verheiratet sind. Trotzdem nutzten im Thurgau bisher wenige verheiratete Frauen die Möglichkeit, wieder so zu heissen wie vor der Hochzeit.

Christof Widmer
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Namen im alten Eheregister galten ewig – heute herrscht Wahlfreiheit. (Archivbild: Susann Basler)

Namen im alten Eheregister galten ewig – heute herrscht Wahlfreiheit. (Archivbild: Susann Basler)

FRAUENFELD. Die Thurgauerinnen können mit ihrem Namen leben. Das seit Anfang Jahr in der Schweiz gültige Namensrecht hat jedenfalls zu keinem Ansturm auf die fünf Zivilstandsämter geführt, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergeben hat. Die Möglichkeit für Verheiratete, zum Ledigennamen zurückzukehren, stiess demnach bisher auf wenig Nachfrage.

Eine genaue Statistik für die ersten zwei Monate gibt es zwar noch nicht überall. Wo es Zahlen zu den Namensänderungen gibt, bewegen sie sich höchstens im tiefen zweistelligen Bereich – statt im einstelligen wie in den Vorjahresmonaten. «Das hat mich überrascht. Ich habe damit gerechnet, dass es einen Ansturm gibt», sagt Franz Kronenberg, der Leiter des Kreuzlinger Zivilstandsamts.

Familienname hat Stellenwert

Wieso die Neuerung im Thurgau zurückhaltend genutzt wird, darüber rätseln auch die Standesbeamten. «Vielleicht hat es sich noch nicht herumgesprochen», sagt Kronenberg. Oder die Frauen schrecken vor dem Aufwand und dem Erklärungsbedarf zurück, wenn sie plötzlich einen anderen Namen haben.

«Ein einheitlicher Familienname geniesst nach wie vor einen hohen Stellenwert», sagt Doris Sigg, die Leiterin des Zivilstandsamts im Bezirk Frauenfeld. Es sei nach wie vor üblich, dass eine Frau nach der Heirat den Familienname des Mannes trägt, sagt Maja Brühlmann, Leiterin des Zivilstandsamts Weinfelden. Das zeigt sich auch in den Ehevorbereitunsgesprächen. Zwar werden alle Möglichkeiten genutzt, die heute zur Verfügung stehen – den jeweils eigenen Namen behalten oder den Namen des Partners oder der Partnerin übernehmen. «In der Tendenz wird aber nach wie vor eher der Name des Mannes gewählt», sagt Rosmarie Schamberger, Leiterin des Zivilstandsamts in Arbon.

Häufig sind es nach Angaben der Zivilstandsämter geschiedene Frauen, die von der neuen Wahlfreiheit Gebrauch machen. Wenn sie den Namen ihres Ex-Mannes ablegen wollten, mussten sie das bisher innerhalb eines Jahres tun. Nachher blieb der Name des geschiedenen Mannes an den Frauen haften. Gerade für Frauen, die den Namen behielten, weil sie gleich heissen wollten wie ihre Kinder, sei die Neuerung interessant, sagt Schamberger. Der gleiche Name ist Müttern oft wichtig, solange die Kinder in der Schule sind. Danach können sich die Prioritäten ändern.

In der übrigen Ostschweiz zeigt sich das gleiche Bild. Die Zivilstandsämter in St. Gallen und beiden Appenzell berichten von eher wenigen Namensänderungen.

105 Franken für neuen Namen

Vom Ablauf her ist die Namensänderung unkompliziert. Für die sogenannte Namenserklärung sind ein gültiger Ausweis und die Wohnsitzbestätigung nötig. Für 75 Franken ändert das Zivilstandsamt den Namen im Personenregister. Weitere 30 Franken kostet die Bestätigung, die nötig ist, um zum Beispiel den Führerschein umschreiben zu lassen.