WENIGE UNFÄLLE IM THURGAU: Die sozialen Autofahrer

Die Unfallrate im Thurgau liegt weit unter dem Schweizer Durchschnitt. Die Kantonspolizei ist erfreut – aber nicht erstaunt. Verkehrspsychologe Joachim Kohler verrät, was einen guten Fahrer ausmacht.

Amy Douglas
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Jede Hilfe kam zu spät: Der unbekannte Mann auf dem Feld wurde tot aufgefunden. (Bild: Fotolia (Symbolbild))

Jede Hilfe kam zu spät: Der unbekannte Mann auf dem Feld wurde tot aufgefunden. (Bild: Fotolia (Symbolbild))

Es ist offiziell: Thurgauer sind am Steuer beinahe unschlagbar. Zumindest, wenn man der nationalen Rangliste der Versicherung AXA Winterthur Glauben schenkt. Sie hat die gemeldeten Kollisionsschäden der letzten fünf Jahre ausgewertet und ein Ranking erstellt. Das Resultat ist erhellend: In Sache unfallfreien Fahrens ist der Thurgau die Nummer vier der Schweiz.

Nur die Urner, Nidwaldner und Luzerner schneiden noch besser ab. Eine gute Nachricht für die Polizei. «Es freut uns, dass die Thurgauer offensichtlich gute Autofahrer sind», sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Obwohl die Zahlen der AXA und die der Polizei nicht direkt vergleichbar seien, bestätige das Ergebnis der Rangliste die eigenen Beobachtungen in der Unfallstatistik. «Seit zehn Jahren sinken die Unfallzahlen kontinuierlich», sagt Meili. Und dies, obwohl die Fahrer mit immer mehr Verkehr zurechtkommen müssen.

In Frauenfeld kracht es am häufigsten

Während 2006 in der Statistik 1554 Unfälle verzeichnet wurden, sind es 2015 noch 1316. Die Präventionsarbeit und die gezielten Kontrollen der Polizei scheinen zu fruchten. «Unsere Präsenz auf der Strasse spielt gewiss eine Rolle», sagt Meili. Zudem würden nach und nach gefährliche Stellen entschärft. Alles in allem ist man im Thurgau also sicher unterwegs.

Trotzdem gibt es auch in unserem Kanton einige Hotspots für Kollisionen. Warnung an die Hauptstädter: Im Vorjahr ereignete sich jeder zehnte Unfall in Frauenfeld. Auch in Kreuzlingen krachte es häufiger als in den ­anderen Gemeinden, nämlich 113-mal. Gänzlich unfallfrei waren die Gottlieber. Das kleine Dorf am Seerhein zählte zuletzt 325 Einwohner. Die Gemeinden Raperswilen, Schönholzerswilen, Sommeri und Thundorf kamen mit einem einzigen Unfall davon. Passieren in kleinen Ortschaften demnach weniger Kollisionen? Daniel Meili warnt davor, bei diesen kleinen Zahlen allgemeingültige Aussagen zu machen: «Da spielen viele Zufälligkeiten mit.»

Bevor wir uns im Thurgau ob der schmeichelnden Statistik nun ein Kränzlein winden, rät der Kreuzlinger Verkehrspsychologe Joachim Kohler zu Selbstkritik. ­«Wenige sind sich bewusst, dass Autofahren gefährlich ist», sagt er. Je mehr man das Risiko kenne, desto besser fahre man. «Ein guter Autofahrer ist sozial», meint Kohler. Wer ins Auto steigt, soll vor allem achtsam sein. «Die grösste Gefahr ist die Ablenkbarkeit des Fahrers», sagt der Verkehrspsychologe. Er weiss auch etwas über die unterschiedliche Fahrweise von Männern und Frauen. «Weil Frauen tendenziell vorsichtiger fahren, verursachen sie weniger Unfälle.» Im Einparken seien sie aber schlechter.