WELTELITE IM THURGAU: Kanton bewilligt Motocross-WM 2017

Am Wochenende des 12. und 13. Augusts gehen in Niederwil bei Frauenfeld definitiv wieder Motocross-WM-Rennen über die Bühne. Trotz Kritik von Anwohnern erteilt der Kanton Thurgau erneut eine einmalige Bewilligung.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Motocrossfans kommen auch 2017 in den Genuss von WM-Rennen auf der Anlage «Schweizer Zucker» in Niederwil bei Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Motocrossfans kommen auch 2017 in den Genuss von WM-Rennen auf der Anlage «Schweizer Zucker» in Niederwil bei Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Die Motorsportwelt blickt am Wochenende des 12. und 13. August wieder nach Niederwil. Nach dem Vorjahr mit rund 35000 Zuschauern während drei Renntagen treten die weltbesten Motocross-Fahrer auch diesen Sommer zum Motocross-Grand-Prix of Switzerland (MXGP) auf der Anlage «Schweizer Zucker» an. Das Departement für Justiz und Sicherheit (DJS) hat die Veranstaltungsbewilligung erteilt, wie der «Landbote» schreibt. «Der Entscheid liegt seit April vor», meint DJS-Generalsekretär Stephan Felber auf Anfrage.

Noch im Frühjahr bezeichnete seine Chefin, Regierungsrätin Cornelia Komposch, das Thema als «Politikum». Denn im Anschluss an die WM-Rennen 2016 lieferten sich Gegner und Befürworter einen Schlagabtausch. Anwohner wehrten sich wegen «ohrenbetäubenden Lärms» sowie «bestialischen Benzingestanks» und reichten beim Kanton eine Petition ein. Befürworter wiederum reagierten postwendend und machten sich mittels gesammelter Unterschriften für die Austragung des MXGP in Niederwil stark. Nach einer Aussprache endete der Hickhack, weil die Gemeinde Gachnang mitteilte, dass eine fixe Anlage Schweizer Zucker definitiv nicht zu Stande kommt.

Behörde stützt sich auf gesetzliche Vorgaben

Die Gegnerschaft um Anwohner Alexander Kutter suchte Rat in Bern und richtete eine Anfrage an die Rechtsabteilung des Bundesamtes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Unserer Zeitung liegt das Schreiben vor, wonach einmalige Bewilligungen nur mit vorliegenden «wichtigen Interessen» zu erteilen sind, andernfalls wäre die Bewilligung «rechtsmangelhaft».

Bild: Andrea Stalder
67 Bilder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Jeremy Seewer (Bild: Andrea Stalder)
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Riders during the second race in the EMX 125 class of the Motocross MXGP Grand Prix on Sunday, August 7, 2016, in Frauenfeld, Switzerland. (KEYSTONE/Benjamin Manser) (Bild: Benjamin Manser)
Der Schweizer Jeremy Seewer. (Bild: Benjamin Manser)
SCHWEIZ MOTOCROSS FRAUENFELD (Bild: Benjamin Manser)
MOTORSPORT, GP, MOTOCROSS, GRANDPRIX, GRAND PRIX, (Bild: Benjamin Manser)
SCHWEIZ MOTOCROSS FRAUENFELD (Bild: Benjamin Manser)
SCHWEIZ MOTOCROSS FRAUENFELD (Bild: Benjamin Manser)
SCHWEIZ MOTOCROSS FRAUENFELD (Bild: Benjamin Manser)
A man cleans a bike during the Motocross MXGP Grand Prix on Sunday, August 7, 2016, in Frauenfeld, Switzerland. (KEYSTONE/Benjamin Manser) (Bild: Keystone)
Der italienische Fahrer Antonio "Tony" Cairoli (Bild: Benjamin Manser)
SCHWEIZ MOTOCROSS FRAUENFELD (Bild: Benjamin Manser)
SCHWEIZ MOTOCROSS FRAUENFELD (Bild: Benjamin Manser)
Fahrer Antonio "Tony" Cairoli aus Italien. (Bild: Benjamin Manser)
Der Schweizer Jeremy Seewer. (Bild: Benjamin Manser)
Jeremy Seewer (Bild: Benjamin Manser)
Jeremy Seewer (Bild: Benjamin Manser)
Der Schwede Anton Lundgren (Bild: Benjamin Manser)
Der Schweizer Valentin Guillod (Bild: Benjamin Manser)
Jeremy Seewer (links) und der Brite Max Anstie. (Bild: Benjamin Manser)
Max Anstie (Bild: Benjamin Manser)
Jeremy Seewer (rot) und Max Anstie (Bild: Benjamin Manser)
Romain Febvre aus Frankreich (Bild: Benjamin Manser)
Antonio "Tony" Cairoli aus Italien (Bild: Benjamin Manser)
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder
Bild: Andrea Stalder

Bild: Andrea Stalder


Diese Meinung teilt DJS-Generalsekretär Stephan Felber nicht: «Wir stützen uns auf die Vorgaben im Strassenverkehrsgesetz.» Demnach liegt es trotz schweizweitem Verbot von Motorsport-Rundrennen im Ermessen der kantonalen Behörden, «Rasenrennen mit Motorrädern» unter der Erfüllung von Auflagen zu bewilligen. Sei das künftig nicht mehr der Fall, müssten jährlich Anlässe im Thurgau wie etwa Traktor-Pullings oder gewöhnliche Mountainbike-Rennen abgesagt werden. Das Urteil für eine Bewilligung gefällt hat schliesslich der Regierungsrat, wie Stephan Felber sagt: «Er hat sich für eine neuerliche Bewilligung ausgesprochen.» Diese sei jedoch wie im Vorjahr nur unter Dutzenden Auflagen erfolgt. So muss sich das MXGP-OK an über 35 Regeln halten: sei es zum Areal selbst, zum Verkehr oder zur Sicherheit. Klar ist auch, dass der Parcours Schweizer Zucker auch nach den WM-Rennen 2017 wieder zurückgebaut werden muss. «Das wird von der Gemeinde Gachnang, aber auch vom Amt für Umwelt kontrolliert werden», sagt Felber.

Auf mindestens eine weitere Bewilligung für WM-Rennen über 2017 hinaus ist die MXGP Suisse AG um Präsident Willy Läderach angewiesen. So hat sie bereits vor zwei Jahren einen Vertrag mit dem Internationalen Motorrad-Weltverband FIM abgeschlossen, wonach drei Austragungen von WM-Rennen in Niederwil stattfinden müssen. Dass diese Verpflichtung mit einem finanziellen Risiko für die Veranstalterfirma verbunden ist, hat Läderach längst kundgetan. «Das ist nicht unser Ding», meint Stephan Felber dazu. Die MXGP Suisse AG sei ein privater Veranstalter, der dafür selber bürge, sollte in Zukunft – aus etwelchen Gründen – eine Bewilligung nicht mehr erteilt werden.

Patrouille Suisse und ein Bundesrat zu Gast

Willy Läderach seinerseits verneint, beim Kanton Druck ausgeübt zu haben. «Falls wir keine Bewilligung erhalten hätten, wäre ein Konkurs die Folge gewesen», meint er. Dennoch hat Läderach zumindest für 2017 Sicherheit, dass WM-Rennen über die Bühne gehen. Trotz bislang fehlender Bewilligung bot das OK im Internet bereits Tickets feil. «Wir sind auf gutem Weg für die diesjährige Durchführung», meint Läderach. Gegenüber dem Vorjahr sind vor allem zwei Neuerungen vorgesehen: einerseits verbesserte Lautsprecheranlagen, andererseits eine bessere Parkplatzsituation. «Mit Sensoren in den umliegenden Wohngebieten steigt die Lautstärke der Anlage dort automatisch nie über 84 Dezibel», sagt Läderach. Zudem würden wegen der näher gelegenen Parkplätze heuer die Shuttlebusse wegfallen. Für die Zuschauer hat Willy Läderach noch zwei Leckerbissen parat: «Die Patrouille Suisse kommt definitiv, vielleicht auch Bundesrat Guy Parmelin.»

Trotz Aufatmen aufgrund der Bewilligung für 2017 zielt Läderach auf eine langfristige Lösung. «Wir verhandeln zurzeit mit dem Weltverband über einen Vertrag über 2018 hinaus», sagt er. Bis Ende Jahr müsse eine allfällige Vertragsverlängerung erfolgen. Eine Gewähr, dass künftige MXGP-Gesuche wieder bewilligt werden, gibt es laut DJS-Generalsekretär Felber nicht: «Jedes Jahr wird das Gesuch neu beurteilt.»

Aktuelle Nachrichten