Weit mehr als nur ein nasses Grab

Die jüngste Sonderausstellung «Moore Lebensraum und Weltkulturerbe» des Naturmuseums und Museum für Archäologie bietet einen Einblick ins Leben dieser nährstoffarmen Umgebung. Die Besucher machen aber auch einen Ausflug in die Archäologie.

Christof Lampart
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Hannes Geisser (vorne) und Urs Leuzinger vor einem der imposantesten Stücke der Moor-Ausstellung: dem Elch aus dem st. gallischen Niederwil. (Bild: Christof Lampart)

Hannes Geisser (vorne) und Urs Leuzinger vor einem der imposantesten Stücke der Moor-Ausstellung: dem Elch aus dem st. gallischen Niederwil. (Bild: Christof Lampart)

FRAUENFELD. Moore sind unheimlich, gefährlich, extrem sauerstoffarm und somit lebensverneinend. Wer an Moore denkt, denkt wohl oft an Schauergeschichten, an Wanderer, die als Moorleiche enden oder an Annette von Droste-Hülshoffs berühmter Ballade «Der Knabe im Moor». Als schauerliches Video ist diese gleich zu Beginn der Ausstellung zu sehen. Doch schon wenige Schritte weiter weitet sich der Blick des Betrachters, gleitet der Fokus von der Fiktion zu den Fakten über.

Echter Klimakiller

Was ist ein Moor und wie entsteht es? Welche Pflanzen und Tiere fristen in dieser nährstoffarmen Umgebung ihr Dasein? Sind erst einmal diese Fragen geklärt, so führt die vom Naturmuseum St. Gallen konzipierte und gemeinsam vom Naturmuseum Thurgau und dem Museum für Archäologie ergänzte Ausstellung noch tiefer in Themen wie den exzessiven Torfabbau im 20. Jahrhundert oder in die systematische Entwässerung ganzer Moore (Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg) ein. «Ein Moor speichert durch seine Nässe grosse Mengen an CO2. Legt man es hingegen trocken, dann wirkt es wie ein echter Klimakiller», so der Direktor des Naturmuseums, Hannes Geisser.

Aber am Beispiel des wohl bekanntesten regionalen Moores, dem Huddelmoos, wird aber auch verdeutlicht, wie schwierig der Erhalt eines Moores ist, wenn Interessen von Landbesitzern, Naturschützern und Erholungsuchenden aufeinanderprallen.

Vermittelt wird auch die Erkenntnis, dass das Moor innert weniger Jahre verlanden und zum Buchenwald mutierte – liesse man es nur machen.

Hölzerne Erkenntnisse

Doch nicht nur Naturfreunde, sondern auch die Archäologiefans kommen auf ihre Kosten. Seit Juni 2011 befindet sich die pfynzeitliche Moorsiedlung Gachnang/Niederwil-Egelsee auf der Unesco-Welterbe-Liste. Klar also, dass diese auch in der Ausstellung mit zahlreichen Funden von alltäglichen Gebrauchsgütern vertreten ist. Für den Direktor des Museums für Archäologie, Urs Leuzinger, sind die vordergründig weniger spektakulären Objekte «sehr interessant», denn «sie liefern ganz interessante Erkenntnisse über die damalige Holzartenauswahl und Schnitztechnik».

Die Vernissage findet heute Samstag, um 16.30 Uhr, im Beisein von Regierungsrätin Monika Knill statt. Der Eintritt ist frei. www.archaeologie.tg.ch und www.naturmuseum.tg.ch