Weisser Flotte steht rauhe See bevor

Im vergangenen Jahr hat die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein ihr 150jähriges Bestehen gefeiert. Trotzdem klafft in der Kasse ein Loch. Ein externer Experte, Personalabbau und die Erhöhung des Aktienpakets sind die Folge.

Samuel Koch
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URh-Geschäftsführer Remo Rey und Verwaltungsratspräsident Reto Dubach blicken trotz trüber Situation optimistisch in die Zukunft. (Bild: Andrea Stalder)

URh-Geschäftsführer Remo Rey und Verwaltungsratspräsident Reto Dubach blicken trotz trüber Situation optimistisch in die Zukunft. (Bild: Andrea Stalder)

STEIN AM RHEIN. Der Wind hat gedreht. Im vergangenen Juni noch hatten sich die Kursschiffe der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) vor Steckborn zur Flottensternfahrt getroffen. Anlass war das 150-Jahr-Jubiläum der traditionsreichen Weissen Flotte. Heute steht das Wetter eher auf Sturm. Denn der URh-Verwaltungsrat fährt nun eine neue Strategie, wie deren Präsident Reto Dubach an der gestrigen Generalversammlung mitgeteilt hat. Rund 430 Aktionäre fanden den Weg in die Mehrzweckhalle «Schanz» in Stein am Rhein.

Wetter als Klumpenrisiko

«Wir befinden uns in einer schwierigen finanziellen Situation», sagte Reto Dubach. Die Rechnung 2015 schloss mit einem Defizit von rund 465 000 Franken. Gründe nannte Dubach verschiedene. Erstens die schlechte Witterung – heisses und trockenes Wetter sorgte für eine lange Zeit mit Niedrigwasser. Schlechtes Wetter übertrage sich direkt auf die Fahrgastzahlen, die gegenüber dem Vorjahr um knapp sieben Prozent zurückgegangen sind. «Das Wetter ist ein Klumpenrisiko, mit dem wir leben müssen», sagte Dubach. Den Mindereinnahmen von rund 115 000 Franken stehen zusätzliche Aufwände und mehr Personalaufwand von rund 306 000 Franken gegenüber. «Wir haben die <MS Schaffhausen> sowie die <MS Arenenberg> mit eigenen Mitarbeitern umgebaut», sagte er. Und für die bestehende Flotte stünden noch weitere Investitionen von rund 1,2 Millionen Franken an. Zudem bestehe die Forderung der Kantone Thurgau und Schaffhausen, dass die URh wieder mehr durch eigene Mittel finanziert werde.

Drei-Säulen-Strategie

«Wir wollen keine Pflästerlipolitik betreiben», sagte Dubach zu den Aktionären. Vielmehr solle die URh wieder auf «festen Füssen stehen», weshalb er und der Verwaltungsrat eine Drei-Säulen-Strategie entworfen haben. «Einerseits wollen wir die Kosten senken, andererseits die Einnahmen erhöhen», sagte Dubach. Die erste Säule sieht vor, das Ergebnis um bis zu 500 000 Franken zu verbessern. Personalentscheide würden da ebenso mit einbezogen – Geschäftsleiter Thomas Rist wurde bereits freigestellt. Als zweiten Baustein erwähnte Dubach Darlehen der Kantone Thurgau und Schaffhausen. Es gehe um zinsfreie Darlehen, denen jedoch noch nicht zugestimmt worden seien. Die dritte Säule betrifft schliesslich die Aktionäre, die gestern eine Erhöhung des Aktienpakets klar angenommen haben. Damit soll der URh eine halbe Million mehr Kapital zugute kommen. Reto Dubach zeigte sich erleichtert: «Mit den drei Säulen haben wir ein gutes Paket geschnürt.» Damit soll es für die Schiffe der URh wieder in ruhigere Gewässer gehen.

Verlust geht in neue Rechnung

Die Aktionäre haben auch die Jahresrechnung 2015 klar abgesegnet. Somit wird der Verlust von rund 465 000 Franken auf die neue Rechnung übertragen. Nebenbei wählten die Aktionäre Norbert Reuter, Geschäftsführer der deutschen Bodensee-Schifffahrtsbetriebe (BSB), neu in den Verwaltungsrat. Als Revisionsstelle für 2016 wurde die Finanzkontrolle des Kantons Thurgau gewählt.