Weisse Säcke kommen weg

Frauenfeld baut bis 2020 rund 120 Unterflurcontainer. Entgegen dem Antrag der SVP/EDU-Fraktion zahlt die Stadt für Standorte auf privatem Grund nichts.

Stefan Hilzinger
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Christoph Keller Gemeinderat SVP (Bild: pd)

Christoph Keller Gemeinderat SVP (Bild: pd)

FRAUENFELD. Die meisten Gemeinderäte finden es nur richtig und zeitgemäss, dass die weissen Kehrichtsäcke aus dem Frauenfeld Strassenbild verschwinden. Doch für Gemeinderat und Sek-Lehrer Christoph Keller (SVP) geht damit ein pädagogischer Nutzen verloren. «Es schadet nicht, dem eigenen Abfall in die Augen zu sehen», sagte Keller. Er und Alex Blumer (FDP) wollten nicht, dass die Stadt bis 2020 für rund 1,7 Millionen Franken Unterflurcontainer anschafft. Blumer kritisierte etwa den Abbau beim Service public, wenn künftig der Kehricht nicht mehr vor der Haustür abgeholt wird.

«Keine stinkenden Säcke mehr»

Doch Keller und Blumer waren einsame Rufer in der Wüste. Die grosse Gemeinderatsmehrheit begrüsst den allgemeinen Fortschritt, etwa die neue Freiheit, sich beim Bereitstellen des Sackes nicht mehr an die Abfuhrtage halten zu müssen. Von der effizienteren Logistik seitens des Zweckverbandes KVA Thurgau versprechen sich manche Votanten künftig gar tiefere Tarife für die Kehrichtentsorgung. Und eben: «Es gibt keine vor sich hin stinkende Abfallsäcke mehr», wie es FDP-Sprecher Ernst Rüsi formulierte. Nicht verhehlt haben jedoch manche Votanten, das es künftig bis zu 250 Meter zum nächsten Container sein können. Nicht nur Michael Lerch (FDP) argwöhnte, dass es dadurch gar zu mehr Verkehr kommen könnte: «Die Frage ist, ob der Sack mit einer Extrafahrt entsorgt wird.» Heinrich Christ (CH) regte an, den Spaziergang zum Container dafür zu nutzen, sich über die Rolle als Abfallproduzent Gedanken zu machen.

Ganz oder teilweise versenkt

Bis 2020 sollen verteilt auf das Stadtgebiet nun schätzungsweise 120 teilweise oder ganz in den Boden versenkte Abfallcontainer angeschafft und plaziert werden. Davon dürften rund 50 auf privatem Boden zu stehen kommen. Robert Zahnd stellte für die SVP/EDU-Fraktion den Antrag, private Grundeigentümer zu entschädigen. Ein Container sei mit Unannehmlichkeiten verbunden, etwa weil regelmässig ein Lastwagen vorfahre und weil Säcke bei vollem Container neben den Einwurf abgelegt würden.

Reglement sagt Nein

Der Forderung nach Entschädigung steht allerdings das vor rund zwei Jahren revidierte städtische Abfallreglement gegenüber. Dieses hält fest, dass Private solche Anlagen auf ihrem Gelände zu dulden hätten. Stefan Geiges (CVP) etwa liess sich während der Debatte «eines Besseren belehren» und sprach sich gegen eine Entschädigung aus. «Der Werkhof pflegt einen guten Umgang mit Privaten, wenn es um öffentliche Anliegen geht, das wird beim Bau der Unterflurcontainer nicht anders sein.»

Schliesslich stimmte der Gemeinderat mit 22 Nein- zu 13 Ja-Stimmen gegen den Zahnd'schen Antrag. Mit 19 Ja- zu 13 Nein-Stimmen sagte der Gemeinderat dann Ja zum Kreditbegehren. Das Geld entnimmt die Stadt der Spezialfinanzierung Kehrichtentsorgung.