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WEININGEN: Eier für ein besseres Leben

Fleissige Frauen verzieren und färben vor Ostern ehrenamtlich bis zu 3000 Eier. Der Erlös aus dem Verkauf fliesst seit Jahren in ein soziales Projekt. Unter anderem wird die Ausbildung junger Kenianer finanziert.
Evi Biedermann
Eier färben im Akkord: Edith Glattfelder (rechts) mit ihren fleissigen Helferinnen. (Bild: Evi Biedermann)

Eier färben im Akkord: Edith Glattfelder (rechts) mit ihren fleissigen Helferinnen. (Bild: Evi Biedermann)

Evi Biedermann

unterseerhein

@thurgauerzeitung.ch

In diesen Tagen dreht sich im Haus von Edith und Teddy Glattfelder alles ums Ei. An die 3000 Stück müssen bis Ostern gekocht, verziert und eingefärbt werden. Das gibt viel Umtrieb im Haus, der Kochherd ist fast in Dauerbetrieb, der Esstisch ständig belegt und auf dem Boden stapelt sich Verpackungsmaterial. Dazu ein ständiges Ein- und Aus von Helferinnen und das Telefon, das immer wieder klingelt – ein Eierzirkus fürwahr.

Heute wirken sechs Frauen mit. Flink umwickeln sie Ei für Ei mit Wildkräutern und Wiesenblümchen und wickeln es danach in ein Stück Damenstrumpf ein. Später werden die Eier mit Naturfarben eingefärbt, von Strumpf und Grünzeug befreit und leicht geölt, was der Schale Glanz und Schutz vor Keimen gibt. Wie das verkaufsfertige Ei aussieht, zeigen die Exemplare, die daneben zur Auslieferung bereitstehen: Es sind kleine Kunstwerke, die sich auf den ersten Blick kaum voneinander unterscheiden und doch alle anders sind.

Unterstützung für die Patenkinder

6000 Kilometer entfernt freuen sich in Afrika sechs junge Leute, denn der Erlös des Eierverkaufs fliesst zu 100 Prozent in ihre Ausbildung. Die jungen Kenianer sind Patenkinder von Edith und Teddy Glattfelder. «Wir begleiten und unterstützen sie zum Teil seit ihrer Kindheit.» Zum Beispiel die beiden Brüder Dennis und Derrick, deren Vater im Rollstuhl ist. Beide studieren heute in Mombasa, der 25-jährige Derrick Biotechnologie und Mikrobiologie. Der 20-jährige Dennis besucht das Lehrerseminar. Oder Agnes, die Tochter einer arbeitslosen Mutter mit zwei weiteren Kindern. «Heute finanzieren wir den drei Verpflegung und Unterkunft», sagt Edith Glattfelder. Agnes steht ebenfalls in der Lehrerausbildung. Bevor die 22-Jährige einen Studienplatz erhielt, lernte sie mit Glattfelders Unterstützung Nähen. «Heute erledigt sie in den Ferien Näharbeiten und unterstützt so ihre Familie.»

Gesucht haben Glattfelders ihr soziales Engagement nicht. Erholung und Wärme waren für die einstigen Inhaber eines Fotogeschäfts der Grund, weshalb sie während der Wintermonate immer wieder an den Ozean vor Kenias Südküste reisten. Dabei lernten sie auch die Kehrseite der Medaille kennen. «Die Armut ist gross und das damit verbundene Leid und Elend erdrückend», sagt Edith Glattfelder. Weiterhin in Kenia Ferien zu machen und dabei über die Missstände hinwegzusehen, wäre nach diesen Erfahrungen nicht mehr möglich gewesen. Als Erstes ermöglichte das Weininger Ehepaar einer 32-jährigen Frau mit drei kleinen Kindern eine Herzoperation, dann finanzierten sie zwei Krebsoperationen und die Behandlung von Elefantiasis bei einem 12-jährigen Mädchen. Auch ein Brunnenprojekt konnte erfolgreich realisiert werden. Später motivierten sie Freunde und Bekannte, sich ebenfalls finanziell zu engagieren. So konnten in den letzten Jahren etwa 25 bedürftige Personen unterstützt werden.

«Das ist für beide Seiten eine Bereicherung»

Auch Nachbarn und Freunde sind schon nach Kenia mitgereist und haben Menschen kennen gelernt, die heute Freunde sind. So pflegt etwa eine junge Frau aus Weinigen E-Mail-Kontakt mit Agnes, eine Familie aus Warth hat die Patenschaft eines jungen Kenianers übernommen. «Das ist für beide Seiten eine Bereicherung», sagt Edith Glattfelder. Zudem wüssten damit ein paar Leute mehr, dass das Geld sinnvoll und uneigennützig verwendet werde.

Erneut klingelt das Telefon. Edith Glattfelder ist an diesem Nachmittag eine gefragte Person. Sie bestätigt Liefertermine, beantwortet geduldig Fragen und nimmt neue Bestellungen entgegen. Es ist schon fast eine kleine Firma, welche die bald 70-Jährige in den letzten Jahren aufgezogen hat. Mit dem Unterschied, dass der Weininger «Eierzirkus» keine Lohnarbeiter beschäftigt, sondern auf 10 bis 12 Freiwillige zählen kann. «Ohne mein Team könnte ich das nicht machen.»

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