WEINFELDEN: Zwei Pfeiler für eine stabile Brücke

Die Berufsmesse des Thurgauer Gewerbeverbands bietet Jugendlichen während dreier Tage eine Orientierungshilfe. An der Eröffnung war die Beziehung zwischen Handwerk und Akademie Thema eines Podiums.

Larissa Flammer
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Podiumsdiskussion: Urs Köppel, Lehrmeister des Jahres 2016; Michael Stahl, Leiter Berufs- und Studienberatung; Moderator Manuel Nagel; Stefan Schneider, Rektor Kantonsschule Romanshorn. (Bild: L. Flammer)

Podiumsdiskussion: Urs Köppel, Lehrmeister des Jahres 2016; Michael Stahl, Leiter Berufs- und Studienberatung; Moderator Manuel Nagel; Stefan Schneider, Rektor Kantonsschule Romanshorn. (Bild: L. Flammer)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Vor sieben Jahren seien einige Thurgauer der Meinung gewesen, es brauche doch keine Berufsmesse im Kanton. Anlässlich der Eröffnung der siebten Ausgabe gestern konnte Hansjörg Brunner, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes, sagen: «Jetzt erfreut sich die Messe Jahr für Jahr grösserer Beliebtheit.» Über 70 Aussteller präsentieren noch bis morgen Abend in Weinfelden mehr als 200 Berufe.

Zuerst schwitzen und Geld kennen lernen

«Wenn ich König der Schweiz wäre, würde ich beantragen, dass jeder nach der Schule erst zwei Jahre arbeiten muss», sagte Urs Köppel im Podiumsgespräch. Der Lehrmeister des Jahres 2016 hatte mit seiner Frau das Traditionsgeschäft «Café-Confiserie Konditorei Köppel» in Romanshorn aufgebaut und es erst in diesem Jahr an Nachfolger übergeben. Handwerk habe in der Schweiz goldenen Boden. Nach der Schule sollen junge Leute erst «lernen, wie man schwitzt und wo das Geld herkommt». Studieren könne man danach noch. Köppels Gegenüber im Podiumsgespräch war Stefan Schneider, Rektor der Kantonsschule Romanshorn. Er hielt dagegen: «Durch die breite Bildung lernen junge Leute, ­Zusammenhänge zu erkennen.»

Die Berufswahl ist nicht nur für die jungen Leute wichtig, sondern auch für die Berufsbranchen und die weiterführenden Schulen. «Wir kämpfen um den Nachwuchs», sagte der ehemalige Lehrmeister Köppel. Dem stimmt Kanti-Rektor Schneider zu. Im Thurgau gebe es nun mal keine Hochschultradition. «Ausserdem hat man nach dem Gymi erst das Ticket für Zukünftiges in der Hand – und eben noch nichts Handfestes wie nach der Lehre», so Schneider. Die Kantonsschule Romanshorn habe sich aber in letzter Zeit geöffnet. «Wir zeigen nun vermehrt, was wir bieten.»

Michael Stahl, Leiter der Berufs- und Studienberatung Thurgau, sagte an der Podiumsdiskussion: «Solange die Handwerker und die Kantis beide zu uns sagen ‹Macht doch etwas mehr für uns›, ist alles gut.» Man merke, die Berufswahl sei ein Kampf um Talente. Die Teilnehmer der Diskussion waren sich schliesslich aber einig, dass es beides brauche. Denn nur wenn Architekten und Handwerker zusammenarbeiten würden, halte die Brücke.

Eltern sollen helfen, aber nicht entscheiden

Auch die Elternkurse, welche die Berufs- und Studienberatung anbiete, seien sehr gut besucht. Viele Eltern hätten ein Bedürfnis, ihre Kinder so gut wie möglich zu unterstützen. «Es ist gut, wenn die Eltern helfen», sagte Stahl. Jugendliche müssten aber selber entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen. Deshalb zeige die Berufs- und Studienberatung auch nur Wege auf, wie das heraus­gefunden werden könne. Die Berufsmesse mit den Auskunft gebenden Lernenden ist sicher ein solcher Weg.

Beat Brüllmann, Chef des Amts für Volksschule, ist als ­junger Mann Lehrer geworden. «Wenn es damals bereits eine Berufsmesse gegeben hätte, würde ich heute vermutlich nicht hier stehen», sagte Brüllmann. Mit seinem 11-jährigen Sohn, der ebenfalls Lehrer werden wolle, werde er jedenfalls sicher noch an die Berufsmesse gehen.