Weinfelden will West-Ost-Tunnel

Beide Ottenbergtunnels seien machbar, sowohl zur A7 als auch von Ost nach West, sagt der Regierungsrat. Für Weinfelden sei der Nord-Tunnel aber keine Entlastung, sagt der Weinfelder Gemeindeammann. Er ist nicht allein.

Marc Haltiner
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weinfelden. Für etliche Parteien und Verbände dürfte es die Qual der Wahl werden. Bis Mitte April müssen sie sich entscheiden, ob der Kanton einen Ottenbergtunnel vom Westen Weinfeldens in den Osten bauen soll, wie es der kantonale Richtplan bisher vorsieht. Oder aber ob ein Nord-Tunnel zur A7 nach Engwilen sinnvoller ist, wie es vor allem die beiden Parteien GLP und BDP vorschlagen (TZ vom Samstag). Die Kosten beider Tunnels sind mit gegen 400 Millionen Franken fast gleich hoch, beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Kein Ersatz für Oberlandstrasse

Die Befürworter eines Nord-Tunnels begrüssen es, dass ihre Idee noch immer im Rennen ist; sie hatten mit einem Aus nach Vorliegen der Studie gerechnet. Besonders Jürg Schumacher, der BDP-Gemeindeammann von Märstetten, sieht Vorteile für die Nord-Verbindung, die den Verkehr besser lenke. Dieser Tunnel macht den Bau einer Oberlandstrasse (OLS) zur Entlastung des Raums Kreuzlingen jedoch nicht überflüssig, wie die Studie zeigt.

Auch für die Gemeinde Weinfelden dürfte der Nord-Tunnel kaum in Frage kommen, wie auf Anfrage Gemeindeammann Max Vögeli unterstreicht. Er findet es zwar richtig, dass der Kanton eine Vernehmlassung zu beiden Varianten durchführt. Nach seiner persönlichen Beurteilung sei der Nord-Tunnel für Weinfelden aber keine Lösung. Denn entgegen anderen Aussagen zeigt sich Vögeli überzeugt, dass auch nach dem Bau einer Nord-Variante viele Fahrzeuge Weinfelden durchqueren werden. Der Ort werde durch den West-Ost-Tunnel entlastet.

«Klares Zeichen des Volkes»

Für Vögeli gibt es weitere Gründe, die für den West-Ost-Tunnel sprechen. Der Nord-Tunnel erhöhe den Siedlungsdruck auf das Kemmental. Vor allem aber liege die West-Ost-Variante im Entwicklungsgebiet und auf der Wirtschaftsachse des Kantons, die nicht zuletzt wegen der Thur und der Eisenbahnverbindungen im Thurtal entstanden sei. 2005 habe zudem eine Mehrheit der Weinfelder für die West-Ost-Variante gestimmt. «Das ist ein klares Zeichen des Volkes.»

Auch der Bürgler Gemeindeammann Armin Eugster, der Präsident der grossrätlichen Raumplanungskommission, tendiert zur West-Ost-Variante. «Der Nord-Tunnel käme nur ernsthaft in Betracht, wenn dadurch die OLS nicht mehr nötig wäre.» So aber bringe die andere Variante mehr für eine schnelle Thurtalstrasse. Gleicher Meinung ist SVP-Präsident Walter Marty.

Es gibt aber andere Stimmen: Ein Nord-Tunnel werde den Raum Kreuzlingen und Langrickenbach eventuell doch stärker entlasten, geben SVP-Fraktionschef Stephan Tobler und FDP-Präsident Bruno Lüscher zu bedenken. Die SP hingegen ist strikt gegen beide Tunnels. Diese seien teuer und unnötig, Weinfelden brauche eine Entlastung im Süden, fordert SP-Fraktionschefin Renate Bruggmann. Die Strasse im Süden sei nicht machbar, kontert Vögeli.