WEINFELDEN: Schwere Zeiten für Stromanbieter

Thurgauer Firmen kaufen zunehmend auf dem freien Markt ihren Strom ein. Der tiefe Strompreis macht den Gemeindewerken Probleme.

Christof Lampart
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Strommast in Stettfurt; den Elektrokorporationen bleiben vor allem noch die privaten Kunden. (Bild: Reto Martin)

Strommast in Stettfurt; den Elektrokorporationen bleiben vor allem noch die privaten Kunden. (Bild: Reto Martin)

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Die Thurgauer Elektrokorporationen und Gemeindewerke verlieren zunehmend Kunden aus der Privatwirtschaft. Der Strompreis war im vergangenen Jahr dermassen unter Druck, dass es sich für Grosskunden gelohnt habe, sich die Energie auf dem freien Markt zu beschaffen, sagte der Präsident des Verband Thurgauischer Elektrizitätsversorgungen (VTE), Walter Marty, am Mittwochabend an der Generalversammlung in Weinfelden. «Der Anteil jener Marktteilnehmer, welche am Markt beschaffen können, beträgt nun 56 Prozent», sagte der hauptamtliche Gemeindepräsident von Kemmental. «Und der Anteil der von diesen Kunden beschafften Energie beläuft sich auf 74 Prozent.» Damit seien in der Regel nur noch die «festen Kunden», also insbesondere die Privathaushalte, Kunden bei den Elektroversorgungsunternehmen (EVU).

Wie genau die Zukunft auf dem Strommarkt aussehe, sei aus heutiger Sicht schwierig abzuschätzen, sagte Marty. Denn zum einen habe das Stromabkommen mit der EU wegen der grundsätzlichen Fragen in der Beziehung zwischen der Schweiz und der EU noch nicht abgeschlossen werden können. Und zum anderen stünde mit der bevorstehenden Abstimmung übers Energiegesetz ein in dieser Frage wichtiger Urnengang unmittelbar bevor. Somit sei es für konkrete Aussagen zu früh. Klar sei nur, dass die Situation «im weiterhin volatilen Umfeld» nicht einfacher werde. Umso wichtiger sei es, dass die Thurgauer EVU auf die EKT Energie AG auch zukünftig als «verlässliche Partnerin» zählen könne, betonte Marty. Mit einem kleinen Plus von 4300 Franken schloss die Jahresrechnung 2016 ab, womit das VTE-Vermögen auf 113 500 Franken geäufnet werden konnte.

Energiepool Thurgau Nord spendiert sein Vermögen

Dies allerdings nur aus einem für die VTE erfreulichen Anlass, entschied sich doch der Energiepool Thurgau Nord nach seiner Auflösung dazu, dem VTE sein Vermögen in der Höhe von 14 300 Franken zukommen zu lassen. Rund die Hälfte dieser Summe habe man in der Zwischenzeit für «Abklärungen und Studien zu Gunsten der Mitglieder», so Marty, eingesetzt; mit dem Restbetrag solle ein Fonds für ähnliche Anliegen etabliert werden. Die Jahresrechnung 2016 wurde ebenso einstimmig genehmigt wie das Budget 2017, das mit einem kleinen Minus von 660 Franken rechnet.

Der Thurgauer Wirtschaftsminister, Walter Schönholzer, sagte zur Energiestrategie des Thurgauer Regierungsrates, er sei unabhängig vom Abstimmungsresultat am 21. Mai der Ansicht, dass sich der Thurgau nicht in eine grössere Abhängigkeit von Stromimporten begeben sollte. Zurzeit beziehe der Kanton 75 Prozent des Stroms aus dem Ausland, was bedeute, dass jährlich 425 Millionen Franken für ausländischen Strom und Treibstoffe aus dem Thurgau ins Ausland abflössen. Schönholzer erklärte, dass eine grössere Selbstversorgung «entscheidend für die Versorgungssicherheit und für die wirtschaftliche Entwicklung» sei.