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WEINFELDEN: Mit viel Phantasie

Eigene Sheriffs – eigenes Gericht: Der erfolgreiche Unternehmer Daniel Model baut an seinem Staat. Seit dieser Woche prüft die Thurgauer Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen ihn. Es geht um Nötigung.
Sabrina Bächi
Deputy Sheriff Andreas Resch vor dem Modelhof in Müllheim mit einem T-Shirt der Sheriff-Vereinigung des ICCJV. (Bild: PD)

Deputy Sheriff Andreas Resch vor dem Modelhof in Müllheim mit einem T-Shirt der Sheriff-Vereinigung des ICCJV. (Bild: PD)

Anzeige gegen Daniel Model: Der Mediensprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft Stefan Haffter bestätigt, dass gegen den Unternehmer aus Weinfelden Anfang November eine Anzeige eingegangen ist. Der Österreicher Dietmar Mühlböck will Daniel Model wegen Nötigung vor Gericht bringen. Dabei geht es im Grunde auch um ein Gericht, allerdings um ein selbst legitimiertes, frei erfundenes, das sich International Common Law Court of Justice Vienna (ICCJV) nennt und seit einem halben Jahr den Hauptsitz in Müllheim im Modelhof hat.

Unterschrift mit Fingerabdruck

Mühlböck schreibt in seiner Anzeige, dass Daniel Model nicht nur die Infrastruktur dem Phantasiegerichtshof zur Verfügung stellt, sondern gemäss der Gründungsurkunde auch Mitgründer des ICCJV ist. Auf deren Homepage ist die Gründungsurkunde einsehbar. Diese wurde am 2. Oktober 2015 in Bern unterzeichnet. Als Gründer und Initiator setzte Daniel Model seine Unterschrift mitsamt Fingerabdruck auf das Dokument. Darauf angesprochen bestreitet Daniel Model, dass er ein Gründungsmitglied der Internationalen Organisation ICCJV sei. Er bekleide lediglich das Amt eines Friedensrichters.

Das Phantasiegericht hat am 17. Februar 2016 die Republik Österreich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag angezeigt. Unter den Beschuldigten sind neben Beamten und Politikern auch Privatpersonen aufgeführt, die ebenfalls wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt wurden. Eine dieser beschuldigten Personen ist Dietmar Mühlböck, der sich seinerseits nun mit einer Anzeige gegen Daniel Model und den Phantasiegerichtshof wehrt.

«Völlig aus der Luft gegriffen wird behauptet, ich hätte nicht näher bezeichnete Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen», schreibt Mühlböck. Der Phantasiegerichtshof wirft dem österreichischen Blogger, der seit einigen Jahren über die Bewegung von Staatsverweigerern schreibt, vor, er hätte sich durch seine Berichterstattungen der Verleumdung, Verhetzung, des Rufmordes schuldig gemacht. «Ich möchte mit meiner Anzeige erreichen, dass gegen diesen illegitimen Gerichtshof vorgegangen wird – aber das ist die Maximalhoffnung», sagt Mühlböck. Er selbst wurde wegen seiner schriftlichen Äusserungen schon mehrfach bedroht: «Per Post, Mail und Fax», wie er sagt, «das grenzt fast schon an Terrorismus.» In Österreich ist das Phänomen der Staatsverweigerer bekannter als in der Schweiz. Wie Daniel Model halten sie nichts von Staaten, die ihnen ihre Souveränität mit Begriffen wie Verfassung oder Gesetz nehmen wollen. Model hat sich mit seinem eigenen Staat Avalon im Modelhof einen Ort geschaffen, an dem er ohne solche Bevormundungen leben will.

Weil Daniel Model seinen Wohnsitz aus steuerrechtlichen Gründen nach Vaduz verlegt hat, ging die Anzeige gegen ihn zunächst an die Staatsanwaltschaft Liechtenstein. Diese hat den Fall mangels inländischer Zuständigkeit eingestellt. Nun liegt die Anzeige im Thurgau. Daniel Model wusste gestern noch nichts von einer Anzeige, schreibt aber auf Anfrage: «Eine etwaige Anklage an meine Person wäre merkwürdig.» Ausserdem lässt er verlauten, dass er die Fragen unserer Zeitung als Nötigung empfindet.

Mitglieder tragen Waffen

Dass von dem Phantasiegericht und dessen Ablehnung gegenüber staatlichen Gesetzen eine reale Gefahr ausgeht, sieht Dietmar Mühlböck auch in deren Ansichten zum Waffengesetz. Die zum Phantasiegericht gehörende Sheriff-Vereinigung ist gemäss der Homepage des ICCJV «aus der Immunität als Völkerrechtssubjekt» befugt, «geladene Waffen offen oder verdeckt zu tragen». Sie schreiben weiter, dass das Tragen einer Waffe nicht nur zur Selbstverteidigung dient, sondern dass sie «gegen jeden Friedensstörer» verwendet werden darf. Sogenannte Sheriffs laufen auch in Müllheim durch die Strassen. Andreas Resch, ein Sheriff des Phantasiegerichts, posiert auf einem Foto, das unserer Zeitung vorliegt, mit einer Waffe. Derselbe junge Mann schiesst von sich vor dem Modelhof ein Selfie – mit T-Shirt der Sheriff-Vereinigung (siehe Bild). Er war in Müllheim an einer Schulung im Modelhof.

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