WEINFELDEN: Frauen bergen ungenutztes Potenzial

Die Thurgauer Frauenzentrale startet eine Gesprächsreihe mit erfolgreichen Frauenpersönlichkeiten. Als Erste sprechen alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und Regierungsrätin Cornelia Komposch über ihren Werdegang.

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Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, kommt alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nach Weinfelden. «Sie hat postwendend zugesagt», erzählt Annina Villiger. Anlass ist die Gesprächsveranstaltung «Frauenpersönlichkeiten in Gesellschaft und Politik» der Thurgauer Frauenzentrale, die Villiger präsidiert. «Weil ich keine Kontaktangaben hatte, habe ich einen Brief an ­einen Verein geschrieben, in dessen Vorstand Eveline Widmer-Schlumpf ist.» Die alt Bundesrätin habe geantwortet, wenn es um Frauenthemen gehe, sei sie immer sehr gerne dabei.

Die zweite eingeladene Frauenpersönlichkeit ist die Thur­gauer Regierungsrätin Cornelia Komposch. «Sie war zuerst etwas überrascht, mit einer ehemaligen Bundesrätin aufzutreten. Auch sie hat aber postwendend zugesagt und freut sich sehr», sagt Villiger. Die Präsidentin ist überzeugt, dass Komposch zu einer so starken Frau wie Widmer-Schlumpf passt.

Die Veranstaltung mit den beiden Politikerinnen ist die erste einer dreiteiligen Gesprächsreihe mit dem Motto «Frauen, die sich behaupten». Es werde ein Anlass von Frauen für Frauen. «Auch wenn Männer herzlich willkommen sind», wie Villiger betont. Die geladenen Frauenpersönlichkeiten werden jeweils von einer Moderatorin befragt. «Es geht um ihre Karrieren, um ihren Werdegang, wie sie früher gefördert worden sind und welche Hürden sie zu überwinden hatten.» Villiger hofft, dass die Geschichten der erfolgreichen Frauen ein Ansporn für andere Frauen sind. Vielleicht seien sogar ein paar Hinweise und Tipps dabei. «Denn die Gleichstellung ist auf einem guten Weg, aber eben noch nicht zu 100 Prozent umgesetzt.»

Die Präsidentin der Thurgauer Frauenzentrale hört immer wieder, dass sich Frauen im Berufsleben weniger erlauben dürfen. Sie seien viel schneller Zielscheibe von Kritik als ihre männlichen Kollegen. Villiger stört sich auch daran, dass eine Frau sich rechtfertigen muss, wenn sie das zweite Kind bekommt und weiter einen Karrierejob ausübt. «Ein Mann kann Vater von vier Kindern sein, er wird nie darauf angesprochen.» Die stereotypen Rollenbilder seien noch immer präsent.

Einmal Ausländerinnen, einmal Sportlerinnen

Die Thurgauer Frauenzentrale ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich in erster Linie für die Gleichstellung ein, dient der Vernetzung und vertritt die Interessen der ­Frauen. «Die grossen Ziele der Frauenbewegungen, wie das Stimmrecht, sind heute erreicht.» Villiger hört immer wieder, Frauenzentralen würden heute auf hohem Niveau klagen. «Die jetzigen Probleme sind nicht mehr so offensichtlich», hält sie dagegen. Immer noch müsse einerseits den Frauen Mut gemacht werden, andererseits müssten die Rahmenbedingen angepasst werden, sodass es auf das Geschlecht nicht mehr ankomme. «Frauen bergen ein so grosses Potenzial, das nicht genutzt wird.»

Um dieses Potenzial in Zukunft besser zur Geltung kommen zu lassen, hofft Villiger auf ein paar junge Besucher bei der Gesprächsreihe. Frauen, die ihr Berufsleben noch vor sich haben. Am ersten Anlass rechnet die Frauenzentrale mit etwa 80 bis 100 Gästen. Der zweite Anlass trägt den Titel «Aussergewöhnliche Frauenkarrieren – Ausländerinnen in der Schweiz». Dafür wird die Frauenzentrale auch Ausländerorganisationen anschreiben und einladen. Am dritten Anlass – «Frauengrössen im Sport» – hat bis jetzt erst die Mountainbikerin Jolanda Neff zugesagt.

Mit Heidi Diethelm Gerber sei man noch im Gespräch. «Weitere Infos folgen», verspricht Villiger.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Veranstaltung

Frauenpersönlichkeiten im Gespräch: 8. März, 19.30 Uhr, Gasthaus zum Trauben, Weinfelden.