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WEINFELDEN: «Er will mich doch verarschen»

«Samschtig-Jass»-Moderator Reto Scherrer diskutiert mit drei SVP-Politikern über die No-Billag-Initiative. In der teilweise hitzig geführten Debatte geht es um Qualität und Protest.
Larissa Flammer
Ein SRF-Mann unter SVP-Politikern: Urs Martin, Hermann Lei, Andrea Vonlanthen, Reto Scherrer und Roland Eberle. (Bild: Reto Martin)

Ein SRF-Mann unter SVP-Politikern: Urs Martin, Hermann Lei, Andrea Vonlanthen, Reto Scherrer und Roland Eberle. (Bild: Reto Martin)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Reto Scherrer kann zwar gut reden, doch kann er auch auf einer Bühne mit Politikern argumentieren? Er kann es nur zum Teil, wie sich am Dienstagabend zeigte – zumindest beim Thema «No-Billag». Fast alle der gut 100 Anwesenden im Weinfelder Traubensaal hatten ihre Meinung zur am 4. März anstehenden Abstimmung bereits vor dem Podium gemacht. Doch die Diskussion versprach spannend zu werden: Die SVP-Kantonsräte Hermann Lei und Urs Martin argumentierten gegen ihren Ständerat Roland Eberle und SRF-Mann Reto Scherrer.

Zu Beginn antwortete Scherrer noch brav auf die Fragen von Moderator und SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen. Er argumentierte, dass es ihn auch lange gestört habe, Schulsteuern zu bezahlen, obwohl er damals noch keine Kinder hatte. «Doch es gehört bei uns dazu, dass wir solidarisch sind.» Während die Politiker – routiniert in solchen Diskussionen – jede Frage zum Anlass nahmen, ihre vorbereiteten Argumente zu präsentieren, konnte sich Scherrer bald nicht mehr zurückhalten.

«Mittlerweile bereue ich fast ein bisschen, dass ich hier mitgemacht habe», rief er aus. Und: «Er will mich doch verarschen.» Grund war in diesem Fall, dass Urs Martin eine persönliche, negative Begegnung mit Roger de Weck, dem ehemaligen Generaldirektor der SRG, als Argument vorbrachte.

Ohne Billag haben es private Medien leichter

Die beiden Kontra-Redner im Traubensaal schauen beide kaum oder gar kein Fernsehen. «Man sollte nicht gezwungen werden, etwas zu bezahlen, was man gar nicht konsumiert», sagte Urs Martin. Viele Haushalte hätten zudem Mühe, den Betrag einfach so auf einmal zu bezahlen. Auch den nationalen Zusammenhalt sieht der Romanshorner nicht gefährdet: «Die Eidgenossenschaft hat es vor der SRG bereits gegeben.»

Hermann Lei ist der Überzeugung, dass auch Private Radio und TV machen können. «Ich will keine kontrollierten Medien, sondern freie», sagte er. Der Frauenfelder sprach immer wieder von einer «blühenden Landschaft», welche die privaten Medien ohne Billag erwarte. Einmal rutschte ihm zwar heraus, die Initiative gehe ihm zu weit, es brauche einfach Proteststimmen. Darauf angesprochen antwortete er jedoch: «Wenn ich zwischen allem oder nichts entscheiden muss, bin ich für nichts.»

Druck wird bei der SRG grösser

Ständerat Roland Eberle wollte nicht gelten lassen, dass es private Medien ohne Billag einfacher hätten. «Wir konsumieren doch heute alle, wenn möglich ohne zu zahlen.» Wenn die Ökonomie Treiber sei, gelte immer das Gesetz des Stärkeren und die Vielfalt leide. Er habe zudem den Eindruck, dass jeder bei der SRG versuche, Inhalte journalistisch korrekt abzubilden.

«Samschtig-Jass»-Moderator Scherrer wurde deutlich: «Bei einem Ja ist mein Arbeitsplatz weg!» Bereits jetzt sei man am Limit. «Natürlich könnte man Kosten reduzieren, aber dann wäre die Qualität schlechter.» Auch bei einem Nein zur Initiative sei eine Sparrunde angekündigt. «Man hat mir schon gesagt, dass wir künftig in der gleichen Zeit sechs statt vier Sendungen aufnehmen werden.» Er müsse sich überlegen, ob er unter diesem zunehmenden Druck noch arbeiten wolle.

Hermann Lei störte sich vor allem daran, dass im nationalen Parlament alle Vorschläge der SVP zur Verkleinerung der SRG sofort verworfen wurden. Für Urs Martin ist die Diskussion darüber, was Service Public eigentlich ist, wichtig. Roland Eberle ist überzeugt, dass die Botschaft angekommen ist und der öffentliche Druck Wirkung zeigt.

Zum Schluss der Podiumsdiskussion im «Trauben» liess es sich Manuel Strupler nicht nehmen, auch noch seine persönliche Meinung zu äussern. Der Präsident der gastgebenden SVP Weinfelden sagte: «Ich freue mich, wenn ich auch das nächste Eidgenössische Schwingfest wieder in gewohnter Qualität am TV sehen kann.»

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