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WEINFELDEN: «Ein einseitiges Bauernopfer»

Die vom Kanton geplante Thurkorrektion kostet unverhältnismässig viel und vernichtet wertvolles Kulturland. So die Meinung der Neuen Bauernkoordination und des Bundes der Steuerzahler. Mit einer Initiative wollen sie das verhindern.
Michèle Vaterlaus
Hans Stalder erklärt, wie eine bessere Lösung für die Korrektion der Thur aussehen könnte. (Bild: Reto Martin)

Hans Stalder erklärt, wie eine bessere Lösung für die Korrektion der Thur aussehen könnte. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. Der Car fährt Richtung Badi Weinfelden – auf Flurwegen, entlang von Wald und Ackerland. Doch dieses Ackerland, auf dem derzeit noch Weizen angebaut ist, wird bald der Thur zum Opfer fallen. Der Grund ist die geplante Thurkorrektion zwischen Bürglen und Weinfelden. «Das ist wertvolles Land, das seinen Wert durch Kultivierung über Generationen bekommen hat. Unsere Grossväter haben hier schon Arbeit reingesteckt», sagt Bauer Jörg Bornhauser bei der Vorbeifahrt. Am Ufer der Thur hält der Car schliesslich an, und die Passagiere steigen aus. Es sind Vertreter der Neuen Bauernkoordination Schweiz (NBKS) und des Bundes der Steuerzahler (BDS) Sie haben eine Initiative lanciert, in der sie einen vernünftigen Hochwasserschutz fordern. Denn mit dem Thurkorrektionsprojekt des Kantons werde eine Fläche von 90 Fussballfeldern an Kulturland geopfert, sagten sie an der gestrigen Medienkonferenz, die in einem Car und am Ufer der Thur stattfand.

«Einseitiges Bauernopfer»

Das Projekt des Kantons kostet 27,8 Millionen Franken. Zentral dabei ist der Hochwasserschutz für Weinfelden, die Renaturierung ist der positive Nebeneffekt. «Wir wurden übergangen», sagt Hans Stalder, Präsident der Neuen Bauernkoordination. Die Initianten haben nichts gegen Hochwasserschutz und Renaturierung, wie Stalder nachdrücklich betont. Es stört sie aber, dass bei diesem Projekt der Schutz des Kulturlandes komplett ignoriert wurde. Dabei haben die Bauern bereits vor zehn Jahren eine Alternative vorgelegt, die den Hochwasserschutz, die Erhaltung der Natur und des Kulturlandes gleichermassen berücksichtigt habe – und das gerade mal für die Hälfte der Kosten realisierbar wäre. Der Vorschlag sieht unter anderem die Pflege des Dammes auf der Nordseite und Rückhaltebecken am Oberlauf der Thur vor.

BDP-Kantonsrat Andreas Guhl hatte bereits bei der Diskussion im Grossen Rat Kritik am Projekt des Kantons geäussert. Nun unterstützt er die Initiative von NBKS und BDS. Er sprach gestern von einem einseitigen Bauernopfer, das die Thurkorrektion fordert. Früher sei die Thurebene, die heute besiedelt sei, Sumpfland gewesen. «Wird die Thur renaturiert, breitet sie sich stellenweise über die ganze Thurebene aus.» Dafür werde landwirtschaftliche Nutzfläche geopfert, nicht aber Siedlungsgebiet, das ebenfalls im einstigen Thurstromgebiet liegt. Jörg Rechsteiner, Landwirt aus Rothenhausen, ärgert sich darüber, dass in den Gewässerräumen produktive Landwirtschaft verboten ist. Er verlangt vom Kanton eine Flächenbilanz, die aufzeigen soll, wie viele Hektaren Kulturland durch die Ausscheidung von Gewässerräumen verlorengehen. Er beklagte auch, dass die Renaturierung von Bächen den sogenannten Klappertopf mit sich bringe. «Diese Pflanze ist giftig für Kühe und Rinder. Die Wiesen werden ungeeignet als Futterwiese.»

Stalder kritisiert die Thurkorrektion: «Ich bezweifle, dass diese Hochwasser verhindert, das wird es immer geben. Die Warnungen vor dramatischen Hochwassern sind aber Angstmacherei.»

Hoffen auf die Alternative

Mit der Initiative kann das geplante Projekt zur Thurkorrektion nicht verhindert werden. NBKS und BDS fordern aber, falls durch Gewässerkorrektionen unvermeidbar Kulturland verlorengeht, den betroffenen Bauern mindestens ein gleichwertiger Ersatz geboten werden muss. Doch das ist kaum möglich, wie die Bauern an der Medienkonferenz deutlich machten: Land ist begehrt, und so gutes Land wie jenes entlang der Thur gibt es nirgends. Die Frage ist also, ob die Initiative, wenn sie denn zustande kommt und angenommen wird, überhaupt umgesetzt werden kann. «Wir hoffen deshalb vor allem, dass auf unseren ursprünglichen Vorschlag zur Thurkorrektion eingegangen wird», sagt Stalder. Auch dieser rechnet mit Kulturlandverlust – aber mit bedeutend weniger als jener des Kantons.

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