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WEINFELDEN: Die Probleme auf einem Bauernhof

Der Thurgau hat ein gutes Netz, um überlastete Landwirte aufzufangen. Das wurde am diesjährigen Bäuerinnenforum klar.

Eine Bauernfamilie ist ein soziales System mit Wechselwirkungen. Da gibt es Generationen­probleme und berufliche Schwierigkeiten. Zudem ist in einer Partnerschaft immer auch der Betrieb involviert, der eine eigene Geschichte hat. Zwei Referenten sprachen am diesjährigen Bäuerinnenforum zum Thema «Wenn alles zu viel wird». Eingeladen hatten die Kommissionen «Frauen in der Landwirtschaft» und «Soziales» vom Verband Thurgauer Landwirtschaft ins Gasthaus zum Trauben in Weinfelden – dem Thema entsprechend in diesem Jahr auch Männer. Die rund 160 Gäste folgten aufmerksam den fachmännischen und lebenspraktischen Ausführungen der Referenten.

Beat Heuberger ist mit der landwirtschaftlichen Lebensweise vertraut aus seiner Kindheit und Jugend. Als Oberarzt der Psych­iatrischen Dienste Kreuzlingen und medizinischer Leiter von Care Team Thurgau hat er schon viele Familien aus der Landwirtschaft begleitet und therapiert. Er verfolgt auch die Landwirtschaftspolitik. Diese steht aber nicht im Zentrum seiner Ausführungen, sondern der persönliche Anteil an der «Wolke», die bedrohlich auf einem liegen kann.

In sich hineinhorchen und die Bedürfnisse bestimmen

Wenn jemand die Freude an der Arbeit, die er einst gerne tat, verliere, eine innere Leere entstehe, die Gedanken ständig kreisen, jemand immer reizbar oder müde sei, sich dauernd anpasse, wenn eine Mutter sich nicht mehr ­freuen könne über das Lachen ihres Kindes, dann sei es Zeit für eine Standortbestimmung. Es gelte, in sich hineinzuhorchen, welches die eigenen Bedürfnisse ­sind: «Wir alle haben Stärken und Schwächen, sind geprägt durch Lebenserfahrung, Familie, Schule, Beziehungen. Lebensereignisse wie Tod, Trennung, Krankheiten, oder Rollenwechsel zwingen uns, nicht an einem Punkt stehen zu bleiben.» Ziel einer solchen Standortbestimmung sei es, nachher wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Betriebsübergabe ist gemäss Heuberger ein kritischer Prozess, weil alle Beteiligten ihre Rollen neu finden müssen. Jeder Mensch habe seinen eigenen Blickwinkel, was wichtig sei im Leben und wie er dieses gestalten wolle. Idealerweise dürfe er seine Sichtweise in Gespräche des «Wie weiter?» einbringen. Es gebe keine allgemeingültige Wahrheit. «Jede Generation ist für die Lösung ihrer Probleme selber verantwortlich.» Generationenprobleme treten durch die räumliche Nähe auf einem Bauernhof oft verschärft auf. Einige Grundregeln können vorbeugend wirken: Sitzplätze sollten nicht in Sichtweite und die Haustüren abschliessbar sein. Partnerschaften seien ein lebendiges Gebilde, das sich verändere und entwickle. Dabei bringe jeder auch seine eigene Lebensgeschichte mit.

Der gelernte Landwirt und spätberufene Pfarrer Pierre-André Schütz berichtete aus seinem Alltag als Betreuer von Bauern­familien in schwierigen Lebenssituationen. Oft gelinge es Menschen erst nach schwierigen Erfahrungen, ihren spirituellen und seelischen Kern und damit den Lebenssinn zu entdecken. Dazu müsse man wissen, für wen und was man lebt. Nachdem sich im Kanton Waadt die Suizide von Bauern häuften, bot der Kanton Kurse für Tierärzte, landwirtschaftliche Kontrolleure und Landi-Vertreter an. Seither melden diese Schütz, wenn sie merken, dass ein Bauer sich negativ verändere. «Wir haben auch im Thurgau ein gutes Netz. Die Beratungsstelle Arenenberg und der Verband Thurgauer Landwirtschaft sind sehr sensibilisiert auf diese Themen. Spital Thurgau hat externe psychiatrische Dienste in Frauenfeld, Kreuzlingen, Romanshorn, Sirnach und Weinfelden», ergänzte Beat Heuberger.

Trudi Krieg

thurgau@thurgauerzeitung.ch

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