Weihnachtsgeschichten im Schloss

FRAUENFELD. Von der kleinen Maus unter dem Stall von Bethlehem und der Teigschüssel als Taufbecken: Im Historischen Museum Thurgau hat Kunsthistorikerin Margrit Früh mit weihnachtlichen Geschichten den Kindern und Erwachsenen die Zeit vor Heiligabend verkürzt.

Barbara Hettich
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Margrit Früh erzählt von der Mäusefamilie im Stall von Bethlehem. (Bild: Barbara Hettich)

Margrit Früh erzählt von der Mäusefamilie im Stall von Bethlehem. (Bild: Barbara Hettich)

Im Gerichtssaal des Schlosses Frauenfeld leuchten am Nachmittag des 24. Dezembers die Kerzen am Weihnachtsbaum. Die Kinder haben es sich auf den weichen Kissen bequem gemacht, die Erwachsenen auf den Stühlen dahinter. Ruhe kehrt ein, Ruhe in der oft so hektischen Adventszeit. «Willkommen.» Margrit Früh begrüsst ihre grossen und kleinen Gäste und versteht es wunderbar, mit wenigen Worten ihre Zuhörer vom Schloss in den Stall von Bethlehem mitzunehmen.

Da lebt unter dem Stallboden eine Mäusefamilie. Der Hunger treibt sie trotz Ochs und Esel zu einem Ausflug in die Futterkrippe. Als mitten in der Nacht die Stalltür aufgeht, flieht die Mäusefamilie, doch das kleinste Mäuschen schafft es nicht über den Krippenrand. Es versteckt sich unter dem Stroh, ist verzweifelt, aber nicht lange. Als das Jesuskind in die Krippe gelegt wird, übernimmt das kleine Mäuschen eine ganz wichtige Aufgabe: Es sorgt dafür, dass sich das Kind an keinem Strohhalm sticht.

Ritter: Hunde als Lebensretter

Die Augen der Kinder hängen an den Lippen von Margrit Früh, und natürlich hat sie noch weitere Geschichten auf Lager. Die historische Geschichtenreise führt ins Mittelalter zu Ritter Walter. Ein stolzer Ritter, für den nur das Grösste und Beste gut genug ist. Bis er sich einen Tag vor Weihnachten bei der Jagd im Wald verirrt. Drei kleine Hunde retten ihm das Leben. Die Freude bei seiner Rückkehr ist gross, und aus Dankbarkeit kauft Ritter Walter dem alten, armen Hundebesitzer zwei der kleinen Hunde ab. Er liebt sie so sehr, dass sie am Fussende seines Bettes nächtigen dürfen. In der Schlacht bei Sempach stirbt Ritter Walter. Auf seinem Grabstein wird er in schönster Ritterrüstung verewigt, zu seinen Füssen zwei kleine Hunde. «Ihr glaubt, das ist eine frei erfundene Geschichte?», will Margrit Früh von ihren Zuhörern wissen. Schon, aber den Thurgauer Ritter Walter von Klingen hat es tatsächlich gegeben, und eine Kopie seiner Grabplatte ist in der Ausstellung im Schloss Frauenfeld zu finden.

Taufe: Christoph statt Stephan

Ein weiterer Gegenstand aus dem Museum hat die Phantasie von Margrit Früh beflügelt: Eine Taufschale mit dem Bild des Heiligen Christophorus: Einen Tag vor Weihnachten steht die Pfarrfrau in der Küche und schickt ihren Sohn Peterli eine Teigschüssel holen. Kurzerhand bringt Peterli ihr das Taufbecken aus der Kirche. Als der Pfarrer dann am Stephanstag den Sohn des Müllers taufen soll, borgt sich Peterli die Taufschale bei den Katholiken aus. Der Pfarrer erschrickt, als ihm aus der Taufschale plötzlich das Bild des Heiligen Christophorus entgegenblickt – und er tauft das Kind aus Versehen Christoph anstatt Stephan. So oder ähnlich könnte es sich zugetragen haben. Belegt ist, dass sich 1636 tatsächlich der Amriswiler Pfarrer beklagt hat, dass er als Taufbecken eine normale Teigschüssel verwenden müsse. Nach der kurzweiligen Geschichten- und Geschichtsstunde gibt es für Margrit Früh viel Applaus, und mit Enthusiasmus machen sich die grossen und kleinen Zuhörer auf die Suche nach Ritter und Taufschale.

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