Weihnachten trotz allem

Der katholische Stadtpfarrer Benedikt Wey fällt bis auf Weiteres aus. Das Bistum hat sofort reagiert. Joseph Kalamba übernimmt temporär die Gottesdienste, Lukas Schönenberger Koordinationsaufgaben.

Mathias Frei
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In der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus: Bei der Pfarrinstallation von Benedikt Wey (rechts) vor zwei Jahren war Bischof Felix Gmür zugegen. (Bild: Reto Martin (27. September 2014))

In der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus: Bei der Pfarrinstallation von Benedikt Wey (rechts) vor zwei Jahren war Bischof Felix Gmür zugegen. (Bild: Reto Martin (27. September 2014))

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Weihnachten ohne Pfarrer: Das funktioniert in Frauenfeld. Muss funktionieren. Die Pfarrei St. Anna hat sich organisiert, auch dank der Hilfe des Bistums Basel. Zur Mitternachtsmesse an Heiligabend steht Joseph Kalamba am Altar anstelle von Stadtpfarrer Benedikt Wey. Denn dieser fällt bis auf Weiteres aus. Nach Aussage seiner Familie wurde bei Wey ein Burn-out diagnostiziert. «Zurzeit ist es unklar, ob Benedikt Wey seine Tätigkeit als Pfarrer in Frauenfeld nochmals aufnehmen wird», heisst es seitens Kirchenvorsteherschaft.

Der heute 37-Jährige stammt aus dem luzernischen Neudorf. Im September 2012 wurde er Pfarradministrator der Katholischen Kirchgemeinde Frauenfeld Plus. Genau zwei Jahre später setzte ihn Bischof Felix Gmür als Frauenfelder Stadtpfarrer ein. Diesen Sommer erlitt Wey eine Hirnblutung. Gesund und erholt konnte er im September sein Amt wieder aufnehmen – bis zum Ausfall Ende November.

Theologe und Philosoph aus Kongo

Anfang Dezember hat Joseph Kalamba die Seelsorge in der Pfarrei mit ihren 12500 Mitgliedern übernommen. Er bleibt bis Ende Januar. Kalamba stammt aus Kongo. Er ist promovierter Theologe und Philosoph. Unter anderem studierte er in Fribourg. Er leitete mehrere Jahre die Pfarrei Baar, wirkte auch für das Bistum in Basel. Weil die Pfarrei St. Anna Frauenfeld mittlerweile als Pastoralraum organisiert ist, wurde Kalamba direkt vom Bistum in den Thurgau delegiert. «Frauenfeld ist eine so grosse Pfarrei, dass es unbedingt zwei Priester braucht», sagt der für den Thurgau zuständige Bischofsvikar Ruedi Heim. Benedikt Wey solle wieder gesund werden, das sei vorrangig, sagt Heim. Falls nach Kalamba, also ab Februar, ein weiterer Ersatz nötig sei, werde man einen Priester finden, verspricht der Bischofsvikar.

Nebst Wey ist auch Vikar Hieronimus Kwure seit mehreren Jahren in der Seelsorge der Pfarrei tätig. Er kümmert sich nun mit Kalamba zusammen um die priesterlichen Dienste. Die Leitung der Pfarreiverwaltung hat Lukas Schönenberger übernommen. Der Theologe ist ebenfalls bereits seit mehreren Jahren in der Pfarrei tätig und hat dabei die Leitung der Katechese und der Jugendarbeit inne. Als interimistischer Pfarreikoordinator ist er auch Ansprechpartner für alle pastoralen Belange, die er sodann mit Kalamba und Kwure im Team bespricht. Damit ist Weys Administrations- und Seelsorgearbeit nun auf drei Schultern verteilt.

Im Advent braucht es dringend zwei Priester

«Benedikt Wey soll seine Zeit bekommen, um wieder Boden unter den Füssen zu bekommen», sagt Schönenberger. Kalamba sei eine sehr gute Verstärkung für die Seelsorge. Mit ihm verfüge man wie bisher über zwei Priester. Das sei auch nötig. Grad in der Weihnachtszeit würden vermehrt im persönlichen Kontakt mit einem Priester seelsorgerische Angebote in Anspruch genommen werden. Wiederum sei es auch für die Pfarreimitglieder spannend, einen neuen Priester zu erfahren.

«Benedikt Wey ist ein Chrampfer», sagt Schönenberger. Mit der Schaffung des Pastoralraums, an der Wey hauptverantwortlich gewirkt habe, seien Organisationsstrukturen geschaffen worden, auf die sich die interimistische Pfarreileitung nun stützen könne. Gleichwohl müsse man sich auch fragen: Was sind die Aufgaben eines Pfarrers? Wo könne das allgemeine Priestertum die professionelle pastorale Arbeit ergänzen? Ein Beispiel für allgemeines Priestertum sieht Schönenberger beispielsweise in den 96 Ministranten, die er leitet. Das seien nicht nur die Ministranten selbst, sondern auch ihre Eltern und Geschwister, die sie stützten. «Davon fühlt man sich getragen.» Ein Lichtblick nach lange dunklen Tagen in der eigentlich schönen Adventszeit.

Vor dem Klösterli: Vikar Hieronimus Kwure, der interimistische Pfarreikoordinator Lukas Schönenberger und Joseph Kalamba, der bis Ende Januar Gottesdienste übernimmt. (Bild: Mathias Frei)

Vor dem Klösterli: Vikar Hieronimus Kwure, der interimistische Pfarreikoordinator Lukas Schönenberger und Joseph Kalamba, der bis Ende Januar Gottesdienste übernimmt. (Bild: Mathias Frei)