Wegen Alkohol: 500 Ausweise weg

FRAUENFELD. Jährlich müssen im Thurgau mehr als 500 Auto- und Töfffahrer ihren Führerausweis abgeben. Sie sind betrunken auf Thurgauer Strassen unterwegs. Am häufigsten zieht die Polizei alkoholisierte Junglenker aus dem Verkehr. Etlichen wird eine Therapie aufgebrummt.

Inge Staub
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Glück gehabt: Das Testgerät zeigt 0,00 Promille an. (Bild: key/Christian Beutler)

Glück gehabt: Das Testgerät zeigt 0,00 Promille an. (Bild: key/Christian Beutler)

Die Wiler SVP-Stadtparlamentarierin Sarah Bösch fährt betrunken Auto. Die Polizei zieht sie mit 0,8 Promille Alkohol im Blut aus dem Verkehr. Für Aufsehen sorgte die 33-Jährige, weil sie sich in einem Post auf Facebook über das Vorgehen der Polizei beschwerte.

Alkohol am Steuer ist auch im Thurgau ein Problem. Jährlich müssen laut der Statistik des Strassenverkehrsamtes mehr als 500 Thurgauer ihren Führerausweis abgeben, weil sie betrunken fahren. Das heisst, pro Tag wird mindestens einer Person die Fahrerlaubnis entzogen. Von diesen 500 verursachen mehr als 100 einen Unfall. Im Jahr 2012 wurde 514 Thurgauern wegen Trunkenheit im Strassenverkehr der Führerausweis abgenommen. Davon verursachten 132 einen Unfall.

Besonders prädestiniert dafür, in eine Polizeikontrolle zu geraten, sind Personen, die sich mit 0,8 bis 1 Promille nicht betrunken fühlen. «Diese Personen überschätzen sich oft. Sie können sich teilweise noch konzentrieren, doch wenn etwas Unerwartetes passiert, reagieren sie nicht mehr angemessen», sagt Iwan Fuchs von der Fachstelle ASN – Alkohol- und Drogenprävention im Strassenverkehr. Zu diesem Personenkreis gehört auch Sarah Bösch. Sie betonte: «Ich fühle mich munter, frisch, spüre null Promille.»

Drei Jahre in Therapie

Etliche der Autofahrer, denen die Polizei nach einer Alkoholfahrt den Führerausweis abnimmt, landen bei der Suchtberatung der Perspektive Thurgau. Personen, die mehrfach mit mehr als 0,8 Promille von der Polizei aufgegriffen werden oder erstmals mit 1,6 Promille durch die Gegend fahren, müssen sich einer Therapie unterziehen. Diese kann bis zu drei Jahre dauern. Am Anfang finden die Gespräche engmaschig, später mindestens einmal im Monat statt.

Suchtberaterin Franziska Aepli stellt fest: «Viele wissen kaum Bescheid über die Substanz Alkohol und deren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, insbesondere im Strassenverkehr.» In der Therapie wird zum einen Wissen vermittelt und zum anderen mit den Teilnehmern geklärt, weshalb sie betrunken Auto fahren und welche Folgen dies haben kann. «Wir analysieren ihr Verhalten und entwickeln mit ihnen neue Strategien, wie sie es zukünftig vermeiden können, alkoholisiert zu fahren», sagt Franziska Aepli. Sie betont: «Alkohol schwächt die kognitiven, aber auch die motorischen Fähigkeiten. Wer in den Ausgang geht, sollte deshalb vorher überlegen, den öV zu nehmen oder einen aus der Gruppe ans Steuer zu lassen, der nichts trinkt.»

Gemäss Statistik sind es vor allem die Junglenker und Personen mittleren Alters, die sich betrunken hinters Steuer setzen. «Die Jungen wollen manches ausprobieren. Viele sind in ihrem Verantwortungsbewusstsein noch unreif», nennt Franziska Aepli als Erklärung. Die Menschen mittleren Alters dehnten ihr Feierabendbier aus. Eventuell trinken sie, weil sie persönliche, familiäre oder berufliche Probleme hätten. Von den acht Alkohol-Unfällen der vergangenen vier Wochen wurden vier von jungen Menschen und vier von Personen mittleren Alters verursacht.

Jung und männlich

Generell beobachtet die Fachstelle ASN, dass die 18- bis 24-Jährigen «noch immer übervertreten sind». Und: Die 18- bis 23-Jährigen sind meist männlich. «Besonders bei männlichen Junglenkern ist ein Mangel an Risikokompetenz festzustellen», heisst es in einer Untersuchung des Bundesamts für Unfallverhütung. Aufgrund ihrer geringen Fahrerfahrung und ihrer sozialen Unreife würden sie beim Fahren oft Entscheide treffen, mit denen sie sich und andere gefährdeten.

Simulator in Steckborn

Die Fachstelle ASN stellt Fahrsimulatoren zur Verfügung, die Gefahrensituationen simulieren, wie sie im Strassenverkehr auftreten können. Der Fahrer muss zunächst die Gefahr frühzeitig erkennen und schnell reagieren. Die Teilnehmer erleben in einem zweiten Schritt, wie sie unter Alkoholeinfluss in einen Tunnelblick geraten und wie sich ihre Reaktionszeit verzögert. Am 25. und 26. April steht der SimuScooter «Vespa» an der Gewerbeausstellung in Steckborn. Mit der Vespa will die Fachstelle ASN ein jüngeres Publikum erreichen.

Führerausweisentzug nach Alkohol-Fahrt: Der Thurgau liegt auf Platz zwei. Im Thurgau sind weniger Fahrzeuge zugelassen als in St.Gallen mit Platz eins. (Bild: sgt)

Führerausweisentzug nach Alkohol-Fahrt: Der Thurgau liegt auf Platz zwei. Im Thurgau sind weniger Fahrzeuge zugelassen als in St.Gallen mit Platz eins. (Bild: sgt)