Wegen 15 Sekunden gewartet

Tobel wirkt heute verändert. Die Hauptstrasse ist leer, das Ziel der Tour-de-Suisse-Etappe abgeräumt. Der Anlass hat sich in die Seitengassen verdrückt. Ist vom Massenevent für Jung und Alt am Mittwoch zum Expertentreffen geworden. Auf dem Platz vor dem «Santex»-Firmengebäude ist eine Art Fanmeile aufgebaut.

Drucken
Teilen

Tobel wirkt heute verändert. Die Hauptstrasse ist leer, das Ziel der Tour-de-Suisse-Etappe abgeräumt. Der Anlass hat sich in die Seitengassen verdrückt. Ist vom Massenevent für Jung und Alt am Mittwoch zum Expertentreffen geworden. Auf dem Platz vor dem «Santex»-Firmengebäude ist eine Art Fanmeile aufgebaut.

Auf der Ladefläche eines Sattelschleppers müssen sämtliche Fahrer, die in Tobel zur sechsten Etappe nach Malbun im Fürstentum starten wollen, auf der Startliste unterschreiben. Der Speaker präsentiert dabei die einzelnen Fahrer. Besonders laut wird es erstmals bei Fabian Cancellara. Bereitwillig gibt der Berner Interviews und Autogramme. Auch Lokalmatador Andreas Dietziker ist ein gefragter Mann. Das fachkundige Publikum schiesst eifrig Fotos und sammelt Unterschriften.

Keine Bratwürste mehr

«Noch neun Minuten bis zum Start», verkündet der Speaker. Und dann geht es auch schon los – Ehrenstarter Hausi Leutenegger schiesst die Platzpatrone in die Luft. 15 Sekunden, dann sind alle Fahrer vorbeigerauscht. Es folgen die Teamautos und die Mannschaftsbusse. Nach sechs Minuten ist der Spuk vorbei.

In der Fanmeile wird bereits eifrig aufgeräumt. Das Zelt der Swisstransplant ist bereits leer. «Ich bin seit dem Tourstart am Samstag in Lugano dabei», sagt Susanna Wälchli. Sie reist nun weiter nach Vaduz. «Es ist anstrengend und eine grosse Materialschlacht. Aber mir macht es Spass, und wir haben ein tolles Team.» Und wie hat es ihr in Tobel gefallen? «Es war super, obwohl es viele Schulkinder hatte. Die sind nicht gerade das Zielpublikum einer Organspendeorganisation.» An den einzelnen Verpflegungsständen ist noch Betrieb. Bratwürste oder Shorley gibt es allerdings keine mehr. Nur noch einige Cervelats liegen auf dem Grill.

Radler und Polizisten verarztet

Auch der Sanitätsposten macht sich ans Aufräumen. Das haben sich Lore Bernet und Alice Koller auch verdient. Gestern 13 und heute 6 Stunden haben sie gearbeitet – freiwillig und unentgeltlich. «Für einen Einsatz unter der Woche ist es schon lange», sagt Alice Koller. «Aber die Leute kamen trotzdem gerne, ich hatte keine Probleme, Helferinnen zu finden.» Zu verarzten gab es nur Kleinigkeiten: kleine Wunden, Schürfungen, Schnitte. «Vom Radrennfahrer über Polizisten bis zum Kleinkind war alles bei uns.»

Aus dem grossen Bogen über der Startlinie wird unterdessen die Luft rausgelassen. Symbolisch für Tobel? Denn ausser den Arbeitern ist fast niemand mehr unterwegs. Selbst im Gumpischloss toben keine Kinder mehr. Froh über das Ende des Trubels ist Adelrich Spescha, Wirt des Restaurants Löwen an der Hauptstrasse. «Nun normalisiert sich hoffentlich alles wieder.» Trotzdem hatte er Freude an der Tour de Suisse und wäre sofort wieder dabei. So endet in Tobel ein zweitägiges Volksfest. Nur die diversen Sprüche auf der Strasse und die Ziellinie vor der Bäckerei Stüssi erinnen noch daran, dass die Tour de Suisse da war. Thomas Ammann

Aktuelle Nachrichten