Weg vom Giesskannenprinzip

Die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik verunsichert die Thurgauer Bauern. Dies zeigte sich an der Veranstaltung der CVP-Arbeitsgruppe Landwirtschaft in Tobel.

Aruth Bossert
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TObel. Christian Hofer, Vizedirektor beim Bundesamt für Landwirtschaft, hatte am Donnerstag kein leichtes Spiel. Auch wenn er in seinem Referat umfassend auf die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik einging und die Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems im Rahmen der Agrarpolitik 2014– 2017 detailliert erläuterte, zeigte sich ein Grossteil der rund 60 anwesenden Landwirte in der Turnhalle Tobel nach dem Referat unsicher. Bei der Fragerunde hiess es mehrmals, dass sich die Landwirtschaft im Thurgau in den vergangenen Jahren stark auf Fleischproduktion und Tierhaltung ausgerichtet habe und deshalb viel Geld in tierfreundliche Stallungen investierte. Den Vorwurf, dass diese Betriebe geschwächt werden und bis zu einem Drittel ihrer bisherigen Direktzahlungen verlieren könnten, liess Hofer nicht gelten. Die Thurgauer seien innovativ und haben sich in der Vergangenheit als erfolgreiche Unternehmer ausgezeichnet. Hochrechnungen zeigen, dass die Thurgauer Landwirtschaftsbetriebe nach dem Wechsel ungefähr gleich viel Direktzahlungen erhalten werden wie bisher. Für Hofer werden im neuen System Leistungen präziser gefördert und unterstützt.

«Der Landwirt ist je länger je mehr Unternehmer und muss sich am Markt orientieren», so Hofer. Geringere Direktzahlungen bedeuteten für den einzelnen wohl weniger Geld, aber bei einem höheren Selbstversorgungsgrad auch weniger Kosten, was sich schliesslich in der Buchhaltung wieder positiv auswirke. Hofer warnt vor einem gegenseitigen Ausspielen derjenigen Bauern, die ökologischer wirtschaften und demnach höhere Biodiversitätsbeiträge erhalten als andere.

Eine ökologisch sinnvolle Landwirtschaft erhöhe bei der Bevölkerung die Glaubwürdigkeit und die Legitimation der Direktzahlungen, die unverändert rund 2,8 Milliarden Franken betragen. Die Vernehmlassung wurde am 23. März gestartet, und die Vorlage soll 2012 im Parlament behandelt werden.

Josef Gemperle, CVP Kantonsrat und Mitorganisator des Abends, verabschiedete den Gast mit dem Wunsch, dass die Produkteinformationen lesefreundlicher auf die Verpackungen gedruckt werden. Im Gegensatz zu der zukünftigen Agrarpolitik waren sich bei diesem Anliegen die Thurgauer Landwirte wie auch der Vertreter aus Bern einig.