Wasserwerke im Planungsrückstand

Vor 20 Jahren setzte der Bund die Notfallplanung in Kraft. Im Thurgau haben 25 Prozent der Wasserversorgungen diese noch nicht umgesetzt. Und auch bei der Generellen Wasserversorgungsplanung sind zehn Prozent noch nicht so weit. Beim Kanton ist man deshalb aber nicht beunruhigt.

Caspar Hesse
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FRAUENFELD. «25 Prozent der Wasserversorgungen im Thurgau haben ihre Notfallplanungen noch nicht umgesetzt, zehn Prozent sind noch bei der Generellen Wasserversorgungsplanung gefordert.» Dies teilte kürzlich das Amt für Umwelt mit, im Nachgang zur 50. Tagung der Thurgauer Wasserwerksleiter.

Marco Baumann, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft und Wasserbau im kantonalen Amt für Umwelt, findet diese Tatsachen aber nicht weiter schlimm, wie er auf Anfrage sagt. «Vor 20 Jahren wurde die Notfallplanung vom Bund in Kraft gesetzt», aber ohne eine Frist zu setzen, wie Baumann sagt.

«Wir setzen sie im ordentlichen Ausbau der Wasserversorgungen um.» Und was passiert, wenn ein Notfall eintritt? – «Dann kommt es auf den Goodwill und das Vertrauen an, ob die Nachbarn aushelfen», sagt Marco Baumann. Meistens sind es kleinere Gemeinden, die bei der Umsetzung noch nicht so weit sind.

Von 218 auf 121 Wasserwerke

Schweizweit gibt es 3000 Wasserversorgungen, im Thurgau sind es 121. Davon sind 70 Gemeindewasserwerke. Die übrigen sind organisiert in Korporationen, Zweckverbänden, Genossenschaften oder Aktiengesellschaften. 1993 gab es im Thurgau noch 218 Wasserversorgungen. Baumann rechnet mit einer weiteren Strukturbereinigung. Sobald die Leitungen im Boden erneuert werden müssen, werde sich zeigen, ob die Wasserwerke über ein genügendes finanzielles Polster verfügen. «Irgendwann geht es nicht mehr, denn die Wasserversorgungen müssen selbsttragend sein.»

Bei den Gemeindewerken werde mit einer professionellen Struktur gearbeitet, sagt Baumann. Kleinere Werke werden aber zunehmend Mühe haben, mit dem Stand der Technik mithalten zu können. Ebenso werde die Ausbildung des Personals immer anspruchsvoller. «Viele arbeiten im Nebenamt.»

Kein Unterschied am Hahnen

Grundsätzlich sei aber zu betonen, dass die Wasserversorgungen auf einem guten Stand seien. «Am Hahnen merkt man keinen Unterschied zwischen Profiwerk und Nebenamt.» Alle Wasserversorgungen liefern Wasser jederzeit, in ausreichender Menge, guter Qualität und mit dem nötigen Druck. Auch die Löschwassermenge sei ausreichend, sagt Baumann.

Die Grundwasserqualität im Thurgau liegt «im schweizerischen Mittel und ist gut». Dies sagte Andreas Scholtis, Verantwortlicher für die Grundwasserqualitätsmessungen im Amt für Umwelt, an der Tagung der Wasserwerksleiter.

Grundwasser wird wärmer

Die Grundwassertemperatur bereite zwar nicht gerade Sorge, aber man habe ein Augenmerk darauf, sagt Heinz Ehmann, Abteilungsleiter Gewässerqualität im Amt für Umwelt, auf Nachfrage. «Denn: Je höher die Temperatur, desto aktiver ist die mikrobiologische Aktivität im Grundwasser. Dies kann zu einer geringeren Sauerstoffkonzentration führen, die wiederum negative Auswirkungen auf die Grundwasserqualität hat.»

Der beobachtete Anstieg der Grundwassertemperatur von flussgespeisten Grundwasserleitern, wie zum Beispiel dem Thurtal, könne als Folge des Klimawandels gesehen werden, heisst es im Bericht. Gemäss Modellrechnungen sei in Zukunft mit längeren Hitze- beziehungsweise Trockenperioden im Sommer, mehr Niederschlägen im Winter und möglicherweise häufigeren Starkniederschlägen zu rechnen.

Hitze 2003 bisher einmalig

Das Amt für Umwelt reagiert darauf, indem es keinen Wärmeeintrag ins Grundwasser erlaubt, das als Trinkwasser verwendet wird. «Die Klimaerwärmung ist zu erwarten und ernst zu nehmen.» sagt Ehmann. Wie stark und wann sie kommt, da wagt Ehmann aber keine Prognose.

«So etwas wie den Hitzesommer 2003 kannte man aber in der Vergangenheit nicht. Das war sehr, sehr extrem.» Der einzige positive Aspekt sei gewesen, dass das Gewässersystem Thur aufgrund der hohen Temperaturen eine sehr hohe Selbstreinigungskraft besass und relativ sauber war. «2003 war bisher einmalig. Aber ob es ein Vorbote war, ist schwer zu sagen.»

Marco Baumann Leiter Abteilung Wasserwirtschaft und Wasserbau (Bild: Nana do Carmo)

Marco Baumann Leiter Abteilung Wasserwirtschaft und Wasserbau (Bild: Nana do Carmo)

Heinz Ehmann Leiter Abteilung Gewässerqualität (Bild: Nana do Carmo)

Heinz Ehmann Leiter Abteilung Gewässerqualität (Bild: Nana do Carmo)

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