WASSERSPORT: Gratis braun

Andreas Honsell wohnt in Steckborn und ist Stand-up-Paddler. Er absolvierte am Pfingstmontag die Marathondistanz rund um die Insel Reichenau. Und belegte dabei Rang 19.

Amy Douglas
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Andreas Honsell auf seinem Board knapp vor dem Start zur Marathondistanz. (Bild: Andrea Stalder)

Andreas Honsell auf seinem Board knapp vor dem Start zur Marathondistanz. (Bild: Andrea Stalder)

Amy Douglas

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Sein Sport? Ja, das sei Lebensqualität. Andreas Honsell hat sich für ein Stündchen von den Familienferien zurückgezogen, um von seiner Leidenschaft, dem Stand-up-Paddling, zu erzählen. Er kommt sofort ins Schwärmen. «Es ist ein super Sport. Draussen sein, sich austoben, die Sonne geniessen, baden – alles in einem.»

Honsell wohnt am Untersee, in Steckborn. Wassersport hat ihn schon immer begeistert. Als er zum ersten Mal einen Stand-up-Paddler gesehen hatte, dachte er bei sich, das sehe doch eher ein bisschen langweilig aus. «Die Neugier war zum Glück grösser», sagt der 45-Jährige. Im Boarderhouse Berlingen hat er sich ein Brett ausgeliehen und grad eine ganze Woche behalten. «Ich war ziemlich schnell angefressen, und bald hatte ich mein erstes eigenes Brett.» Das war vor sechs Jahren.

Das Fitnessstudio befindet sich auf dem Wasser

Für Andreas Honsell bietet das Stand-up-Paddling einen Ausgleich zu seiner Arbeit als Finanzplaner. «Auf dem Brett kann ich geistig herunterfahren und bin in Kontakt mit den Elementen», sagt der Steckborner. Langeweile komme bestimmt nicht auf. Beim «SUP», wie die Sportart gerne abgekürzt genannt wird, trainiert man Ausdauer, Kraft und Balance. «Man hat also das Fitnessstudio auf dem Wasser», sagt Andreas Honsell und fügt hinzu: «Da wird man erst noch gratis braun.»

Seinen Sport kann Honsell das ganze Jahr hindurch ausüben. «Im Winter dann eben im Neoprenanzug.» Während der Sommermonate paddelt er mindestens dreimal pro Woche. «Ich bin manchmal schon frühmorgens vor der Arbeit auf dem Wasser.»

Bei Honsell zu Hause stehen drei Bretter – darunter ein Aufblasbares. «Einsteigermodelle kosten um die 1000 Franken», sagt der Hobby-Paddler. Für ein hochwertiges Rennbrett müsse man mit 3000 bis 4000 Franken rechnen. «Genauso wichtig wie das Board ist aber das Paddel. Das ist unser Motor, bei dem sollte man nicht sparen.»

Neben Brett und Paddel gehören zur Ausrüstung eine Schwimmweste und eine sogenannte Leash. «Das ist eine Schnur, die man an SUP und Fussgelenk bindet, damit das Brett nicht wegtreiben kann, falls man herunterfällt.» Häufig passiere dies nicht. Am Anfang landet man vielleicht ein bis zwei Mal im Wasser, aber die meisten haben es schnell im Griff. «Jeder kann diese Sportart als Hobby ausüben, es ist keine Hexerei», meint Andreas Honsell. Auch seine beiden kleinen Töchter haben ihre Freude am Stand-up-Paddeln entdeckt. «Ihnen dient es im Moment aber eher noch als Badeinsel denn als Sportgerät», sagt der Familienvater.

Es sind die kleinen, unspektakulären Momente

Andreas Honsell freut sich über Events wie die SUP Tour Schweiz und hofft, dass Stand-up-Paddling auf diese Weise bei den Leuten als Sportart wahrgenommen wird. Obwohl er schon an mehreren Rennen teilgenommen hat, zählt für ihn beim Paddeln weniger die wettkämpferische Ambition als das Gesamterlebnis. «Ein Sonnenaufgang, ein Wetterwechsel – es sind die kleinen, unspektakulären Momente, die diesen Sport ausmachen.»