Wassersparen bei den Bergbauern

FISCHINGEN. Der Hof Wind der Bergbauernfamilie Wanner ist nicht vollständig ans Fischinger Wassernetz angeschlossen. Nichtsdestotrotz bezeichnet die sechsköpfige Familie ihre Bleibe als das schönste Stück Erde.

Simon Dudle
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Die Bergbauernfamilie Wanner vor ihrem Haus oberhalb von Fischingen: Isabelle, Thomas, Nadine, Roland, Beatrice und Christian (v. l.). (Bild: Simon Dudle)

Die Bergbauernfamilie Wanner vor ihrem Haus oberhalb von Fischingen: Isabelle, Thomas, Nadine, Roland, Beatrice und Christian (v. l.). (Bild: Simon Dudle)

Fischingen. Nachbarn haben die Wanners keine. Sie sind umgeben von Feldern, Wiesen, Obstbäumen und Wald. Die Aussicht ist prächtig und vom Hof aus sieht man sowohl die Iddaburg wie auch das Hörnli. Sporadisch kommen Spaziergänger vorbei, die gerade ein Seminar im Kloster Fischingen besuchen und einige Minuten Ruhe geniessen möchten. Ansonsten durchdringen nur die Glocken der Kühe und Kirche, an den Wochenenden die Motorradfahrer und der Fluglärm die Stille. Mit diesem haben die Wanners überhaupt kein Problem. Sie finden es spannend, den «grossen Vögeln» zuzuschauen. Der 18-jährige Christian Wanner wird diesen Monat als erster der Familie ein Flugzeug betreten, welches ihn in die Ferien nach Mallorca bringt. Weite Ausflüge stehen grundsätzlich seit jeher nicht in der Agenda der Wanners, verreisen sie doch nie länger als drei bis vier Tage. Wieso auch, leben sie doch gemäss eigenen Aussagen «auf dem schönsten Flecken der Welt.»

Der Hof der Wanners ist nicht vollständig erschlossen, es fehlt ein Anschluss an das Wassernetz von Fischingen. So dienen zwei nahe gelegene Quellen als Wasserspender. Der trockene Frühling dieses Jahres hatte für die sechsköpfige Familie zwar keine direkten negativen Konsequenzen, gespürt haben sie die aussergewöhnliche Situation aber trotzdem, sprudelte doch mit Fortdauer des Frühjahres immer weniger Wasser aus der Hauptquelle. «Der Brunnen beim Hof ist der Überlauf der Quelle. Immer wenn der nicht mehr läuft, dann wird es knapp», beschreibt Bergbauer Roland Wanner die Situation. Dann heisst es Wasser sparen beim Duschen sowie beim Abspritzen des Hofes.

Hof im Wandel

Als Roland Wanners Vater den Hof im Jahr 1978 von einem Bündner Pächter abkaufte, war das Grundstück in einem maroden und verwahrlosten Zustand, so dass einiges an Arbeit investiert werden musste. Auch die Gemeinde Fischingen sowie das Kloster haben damals geholfen, eine direkte Zufahrtsstrasse zu errichten. Die Steilheit eben dieser – auf einer Strecke von 600 Metern werden 90 Meter Höhenunterschied bewältigt – war mit ein Grund, wieso die Wanners heute der Bergzone 2 angehören und nicht mehr der Bergzone 1.

Vier Jahre nach dem Kauf kam eine Scheune dazu, ehe 1984 ein Einschnitt im Leben von Roland Wanner folgte. Da dessen Vater starb, musste der damals 18-jähriger ins kalte Wasser springen und den Betrieb übernehmen, obwohl er eben erst die Lehre abgeschlossen hatte. Weitere fünf Jahre später wurde das alte Haus abgerissen und durch das heutige ersetzt.

Verbunden mit Fischingen

Dieses ist heute bewohnt von einer putzmunteren Familie, zu der auch Roland Wanners Frau Beatrice gehört. Sie ist im Gegensatz zu Roland, der in der Innerschweiz aufgewachsen ist, eine Hinterthurgauerin, hat die Wurzeln in der Au und arbeitet Teilzeit im Kloster Fischingen. «Ich habe früher immer gesagt, dass ich nie einen Bauern heiraten werde. Ich wollte nicht gebunden sein. Nun ist es genau anders gekommen, und es passt so», sagt Beatrice Wanner. Bereits geregelt ist die Nachfolge, da Sohn Christian als gelernter Landwirt den Hof übernehmen soll. Sein um zwei Jahre älterer Bruder Thomas ist als gelernter Landmaschinenmechaniker bereits jetzt für die Reparaturen der Fahrzeuge verantwortlich. «Er macht die Arbeit meistens, bevor die Maschinen kaputt sind», sagt Beatrice Wanner.

Wer glaubt, die Bewohner des Hofes Wind seien Eigenbrötler, der sieht sich getäuscht. Die Familie musiziert in der Musikgesellschaft Concordia Fischingen, und selbst die 13jährige Nadine, welche übernächste Woche in die Oberstufe kommt, spielt bereits in der örtlichen Jugendmusik. Die Verbundenheit mit dem Dorf ist auch bei der 14jährigen Isabelle ersichtlich, die im nächsten Sommer die Schulzeit beendet und dann höchstwahrscheinlich eine Lehre als Detailhandelsfachfrau im Laden von Dussnang beginnt.

Milch, Holz und Schweine

Die Brötchen verdienen sich die Wanners hauptsächlich mit der Milchproduktion, aber auch mit Holz- und Obstverkauf. Mastsauen sind eine weitere Einnahmequelle. Die Zukunft steht, wie für andere Bergbauernfamilien auch, ein Stück weit in der Schwebe, da das Landwirtschaftsgesetz derzeit überarbeitet wird. «Die Direktzahlungen sind gerade im Berggebiet wichtig, weil man hier erschwerte Bedingungen vorfindet», sagt Beatrice Wanner. Ihr Mann ergänzt, er sei guter Hoffnung, dass das Parlament für die Bergbauern schaue. Alle sechs hoffen, dass auch in Zukunft auf dem Hof Wind Landwirtschaft betrieben werden kann.

Bild: Simon Dudle

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