WASSERRUTSCHBAHN-FESTIVAL: Kalte Füsse und heisse Füdli

Désirée Wenger
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Verspricht Action: die 100 Meter lange Wasserrutsche.

Verspricht Action: die 100 Meter lange Wasserrutsche.

«Slip the Shit! Slip the Shit!», grölen zwei Mädchen, lachen über den saloppen Namen des Events und rennen die letzten Meter über den Asphalt der Zelglistrasse zu den bunten Sonnenschirmen und Festbänken. Die Vorfreude ist bei Kindern und Junggebliebenen gross. Diese Vorfreude ist gut zu verstehen, schliesslich sieht die 100 Meter lange Wasserrutsche, die für das Wochenende am ehemaligen Motocross-Hang in Oberwil bei Frauenfeld von der «Bonanza-Crew» aufgebaut worden ist, nach jeder Menge Spass aus.

«Parking» steht auf der Strasse, der Pfeil zeigt direkt auf ein brachliegendes Feld, was dem Schriftzug eine gewisse Ironie verleiht. Schon bald ist dieses mit Autos belegt. «Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.» Das Sprichwort ist Programm, denn zuerst muss man den steilen Hang erklimmen, bevor man ihn hinunterrutschen kann. Oben angekommen hat man Dreck zwischen den Zehen und je nach Kondition einen kürzeren Schnauf. «Ich rutsche sicher nicht da runter», sagt ein kleiner Bub zu seinem Vater. «Das Wasser ist so kalt an den Füssen.» Da hat er nicht einmal so unrecht. Die Wassertemperatur liegt bei unter 20 Grad, da nützt auch die warme Sonne nichts. Ob er vom Wasser oder vom Anblick der Rutsche kalte Füsse bekommen hat, ist unklar. Sitzt man dann auf dem hölzernen Startbänkli, kitzelt einen das Wasser an den Zehen. Sich einmal einen wortwörtlichen und im übertragenen Sinne gemeinten Ruck geben – und los gehts, die Piste hinunter. Pfeilschnell wird man zwischen den unter Silofolie und Eventteppich verborgenen Strohballen mit Stützfunktion hin- und hergeschaukelt. Das Füdli spürt vom kühlen Nass bald nichts mehr, durch die Reibung auf der Silofolie wird es sehr schnell warm. Mit heissem Füdli und einem freudigen Jauchzen landet man im 15 Meter langen Auffangbecken, wird untergetaucht, schnappt nach Luft. Bikinihöschen und -top richten, das darf Frau nicht vergessen, sonst gibt es unfreiwillige Stripeinlagen. Spätestens jetzt ist man hellwach. Nicht mehr als neun Sekunden dauert der Rutschspass, zwanzigmal so lange braucht man für den Aufstieg.

Rot ist Modefarbe hier, ob auf dem Rücken, oder am Hintern, je nachdem, in welcher Position mit welcher Badehose gerutscht wurde. Ein Mann ist zum zweiten Mal am «Slip the Shit» und trägt zu seiner Badehose ein Schwimmshirt. Einige kleinere Kinder steigen bereits in der Mitte der Rutsche ein, um die starke Reibung zu vermeiden oder weil sie sich nicht von ganz oben getrauen. Andere müssen nach zweimal Rutschen Pause machen.

Zur Erholung gibt es ein kühles Bier an der Bar. Musik und der Geruch von Grilladen bilden dort das Empfangskomitee. Dank lokaler Sponsoren kann die Bonanza-Crew ein Rundum-Spasspaket für die ganze Familie anbieten. Eine bunt durchmischte Menge lässt es sich bei Bratwurst und chinesischen Nudeln gut gehen. Nach einer Stärkung begeben sich die hartgesottenen Waghalsigen wieder auf die Piste, andere gönnen sich und ihrem Allerwertesten Ruhe in der Sonne. Sonnencrème darf man nicht vergessen, sonst bleibt das Füdli so rot, wie es ist.

 

Désirée Wenger

desiree.wenger@thurgauerzeitung.ch