Wasser wärmt Wohnungen

Frauenfeld setzt weiter auf erneuerbare Energien. Das neuste Projekt ist ein Fernwärmering, der mit der Abwärme der Abwasserreinigungsanlage betrieben wird. Die Leitung soll bis 2017 fertig sein, die Kosten betragen 15 Millionen Franken.

Markus Zahnd
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FRAUENFELD. Rund fünf Kilometer lang soll er am Schluss sein und über 3000 Wohneinheiten mit Wärme versorgen: Gestern fiel der offizielle Startschuss für den Fernwärmering in Frauenfeld. «Wir wollen alles zur Energiegewinnung nutzen, was in Frauenfeld möglich ist», begründete Stadtammann Carlo Parolari das neuste Projekt. Dass die Abwärme der Abwasserreinigungsanlage (ARA) genutzt werden kann, ist indes nicht ganz neu. «Die ARA versorgt bereits die Kaserne Auenfeld über ein Blockheizkraftwerk mit Fernwärme», sagte Ruedi Huber, Stadtrat und Präsident der Abwasserverbandes Region Frauenfeld.

Erste Etappe bis zum Mätteli

Der Fernwärmering ist ein weit grösseres Projekt. Bis im Juni des kommenden Jahres soll die erste Etappe von der ARA bis zum Oberen Mätteli fertiggestellt sein, danach folgt die zweite Etappe bis zur Frauenfelder Badi. Die gesamte Leitung soll bis 2016/17 fertig gebaut sein; die Kosten für den Vollausbau sowie die Wärmepumpen und -tauscher betragen rund 15 Millionen Franken.

Wegen der Dimensionen des Rings sind nebst den Werkbetrieben Frauenfeld und dem Abwasserverband auch die Stadtwerke Winterthur an der Wärme Frauenfeld AG beteiligt. «Das ist ein interessantes, hochstehendes Projekt», sagte Stefan Treudler, Leiter Energie-Contracting Winterthur. Die Stadtwerke stellen in erster Linie ihr Wissen zur Verfügung. Die Zusammenarbeit mit Winterthur habe sich schon einige Male bewährt, begründete Parolari.

Dank des neuen Fernwärmerings wird der Verbrauch von fossilen Energieträgern und damit der CO2-Ausstoss in Frauenfeld weiter gesenkt. Das Einsparpotenzial beträgt rund 16,5 Gigawattstunden, das entspricht rund 1,65 Millionen Litern Heizöl.

Erster Vertrag abgeschlossen

Ausgerichtet ist der Fernwärmering weniger auf private Einzelbezüger, sondern auf Grossbezüger. «Vom Kanton und der Stadt liegt eine Absichtserklärung vor, von der Wärme Frauenfeld AG Wärme zu beziehen», sagte Parolari. Ebenfalls interessant ist der Ring für grosse Überbauungen. So wurde mit der Wohnpark Promenade AG, die auf dem Huber-Areal bis im April 2015 fast 70 Wohnungen baut, der erste Vertrag abgeschlossen.

Grundsätzlich könnten aber auch Private aus dem Ring Wärme beziehen. «Je nach Alter des Gebäudes kann sich das aber finanziell nicht unbedingt lohnen. Denn noch ist der Preis offen», sagte Jürg Seemann von den Werkbetrieben Frauenfeld. «Aber wir rechnen mit 16 bis 24 Rappen pro Kilowattstunde.» Der Vorteil des Angebots ist, dass ein umfangreiches Dienstleistungspaket angeboten wird. Dieses enthält die Planung und den Bau der Infrastruktur sowie den Betrieb und den Unterhalt der Anlagen.