«Was isch en Parkplatz ohni Auto?»

Seit fast einer Woche liegt er brach, der Parkplatz hinter dem Frauenfelder Bahnhof. «Was isch es Sandwich ohni Fleisch? S'isch nüt als Brot», sang Mani Matter. «Was isch en Parkplatz ohni Auto? S'isch nüt als Teer und Chiis.»

Stefan Hilzinger
Merken
Drucken
Teilen
Die ehemalige Park & Ride-Anlage hinter dem Frauenfelder Bahnhof ist wüst und leer. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die ehemalige Park & Ride-Anlage hinter dem Frauenfelder Bahnhof ist wüst und leer. (Bild: Stefan Hilzinger)

Seit fast einer Woche liegt er brach, der Parkplatz hinter dem Frauenfelder Bahnhof. «Was isch es Sandwich ohni Fleisch? S'isch nüt als Brot», sang Mani Matter. «Was isch en Parkplatz ohni Auto? S'isch nüt als Teer und Chiis.»

Wüst und sinnentleert liegt er da, der einstige Parkplatz, der bloss noch ein Platz ist, eine Freifläche, Espace, Space, Weltraum. Spaziergänger mit Hunden wagen sich drauf oder Teenager mit Kapuzenjacke und Mountainbike.

*

Eine hektargrosse Provokation in den Augen jener, die nun allmorgendlich anderswo eine freie Fläche suchen für ihren Renault, Opel, Mercedes oder Volkswagen. Wo soll ich den Göpel nun bloss hinstellen?

Der Verkehr sucht sich seinen Weg wie das Wasser. Das gilt paradoxerweise auch für den ruhenden Verkehr, wozu parkierte Autos in der Sprache des Bundesamtes für Verkehr gezählt werden. Das Obere Mätteli füllt sich, auch auf dem Unteren Mätteli werden die Plätze langsam aber sicher knapp.

*

Die weiss auf rot markierten Nummern der Parkfelder sind verwittert, die Markierungen sind kaum mehr zu erkennen. Die Parkuhren abmontiert, die Zufahrt mit Gittern abgesperrt. Was mag der Parkplatz in den Jahren seines Bestehens alles erlebt haben? Wie viel Trennungsschmerz gefühlt, wenn jemand seine Liebste an den Bahnhof gefahren und sich von ihr verabschiedet hat? Wie viele Begrüssungsküsse gesehen, bei der Rückkehr der Grosseltern aus den Ferien? Wie viele Flüche gehört, wenn abends eine Busse unter dem Scheibenwischerblatt klemmte? Die Antwort weiss ganz allein der Kies.

*

Dem Platz hinter dem Bahnhof haftete immer etwas Provisorisches an. Nun ist die Park- &-Ride-Anlage Geschichte. Je wichtiger ein Bahnhof für die SBB sei, desto weniger wichtig seien solche Anlagen, heisst es bei den Bundesbahnen. Die einen sagen «schön», andere schütteln den Kopf.

Jetzt aber wächst da an der Stelle der Parkfläche schon bald eine Wohnüberbauung in die Höhe und auch in die Tiefe. Zentrale Lage, tolle Anbindungen an den öV und erst noch mit Tiefgarage. Teer und Kies müssen weichen. Der Baggerzahn beisst bald zu. Mit der idyllischen Ruhe auf freiem Gelände ist's rasch wieder vorbei.