WARTH-WEININGEN: Es geht auch ohne Vitamin B

Am Nationalfeiertag spricht Bundesrat Ueli Maurer als Gast im Geissel. Möglich gemacht hat es der Männerchor, der auf gut Glück einen Brief nach Bern schickte. Mit Erfolg.

Christine Luley
Drucken
Teilen
Bereits 2016 gastierte Bundesrat Ueli Maurer zweimal im Thurgau und sprach zum Nationalfeiertag, je einmal in Fischingen und Bussnang. (Bild: Andrea Stalder (Bussnang, 31. Juli 2016))

Bereits 2016 gastierte Bundesrat Ueli Maurer zweimal im Thurgau und sprach zum Nationalfeiertag, je einmal in Fischingen und Bussnang. (Bild: Andrea Stalder (Bussnang, 31. Juli 2016))

Christine Luley

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Jedes Jahr übernimmt ein Verein unter dem Patronat der Gemeinde die Organisation der Bundesfeier. Heuer ist der Männerchor dran. Mitglied Werner Knöpfli fand: «Weil auf das Wetter kein Verlass ist, soll der Anlass nicht auf dem Begegnungsplatz, sondern geschützt unter einem Dach stattfinden.»

Die Wahl fiel auf Hirschis Ökonomiegebäude im Weiler Geissel, und ein hochkarätiger Redner sollte es sein. Da der gleich nebenan wohnende Peter Spuhler wegen Ferien abwinkte, wird Bundesrat Maurer die Rede halten. «Nein, da war kein Vitamin B im Spiel.» Knöpfli winkt energisch ab und erzählt, wie er letztes Jahr im September freimütig einen Brief an den Bundesrat schrieb und im März seine Sängerkameraden mit der Botschaft überraschte: «Dä Maurer chunnt am 1. August.»

Vor zwei Jahren haben sich die beiden Männerchöre Nussbaumen und Weiningen zusammengetan, da besucht man gegenseitig auch die festlichen Anlässe. An der letztjährigen Bundesfeier in Nussbaumen in­spirierte Gastredner Walter Thurnherr die Weininger Sänger. Der Bundeskanzler zitierte zum Thema Populismus unter anderem Gottfried Keller. Eine Anekdote ist dem Männerchor-Präsidenten Kurt Aeschbacher in bester Erinnerung geblieben. Da ging’s um einen Klagebrief eines Gemeindepräsidenten, der seit längerer Zeit gröbere Differenzen mit einem Widersacher hatte. Am Schluss stand, der Mann habe ihm gesagt, er könne ihn am Hintern lecken. «Was soll ich nun tun, Herr Staatsschreiber?» Keller schrieb kurz und knapp an den Rand des Briefes: «Ich würde es nicht tun.» – Worum es in Ueli Maurers Rede in Warth-Weiningen geht, ist nicht bekannt. Dass es so einfach ist, einen Magistraten einzuladen, ist wohl einmalig. Da sind sich Werner Knöpfli, Kurt Aeschbacher und Martin Badertscher vom OK-Team einig. Von Ueli Maurer gibt’s auch keinen Wunschkatalog mit Forderungen, dieses Getränk und oder jenes Mikrofon. Sein persönlicher Mitarbeiter Dr. Müller wollte nur wissen, wann, wo und wer da sein wird.

Händeschütteln mit der Bevölkerung

Vor vielen Jahren trug der Turnverein Warth-Weiningen an einer Abendunterhaltung das Theaterstück «Dä Bundesroot chunnt is Dorf» vor. Da ging’s um den Aufruhr, den ein so hoher Besuch bringt. Doch bis anhin reagiert die Bevölkerung gelassen. Die Organisatoren sind guten Mutes, scheinen alles im Griff zu haben.

Hans Müller, der Gemeindepräsident, betrachtet den Besuch als eine Ehre für die Gemeinde und freut sich auf viele Besucher. Für Ueli Maurer wird der 1. August anstrengend, denn er ist ein gefragter Redner. Am 31. Juli wendet er sich im Wallis, in Goms, an das Volk. Den 1. August beginnt er im bernischen Moosseedorf bei einem Buure-Zmorge. Nach einem Stopp am früheren Nachmittag in Seegräben wird er um 15.30 in Warth-Weiningen eintreffen und mit dem «Thurgauerlied» empfangen. Sein Gastspiel ist kurz, um 18 Uhr zieht der hohe Magistrat weiter nach Elgg und danach nach Regensdorf. Zudem würde er ohnehin lieber Velo fahren, wie er auf Twitter verrät.