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WANDEL: «Bauern erhalten zu wenig Anerkennung»

Die Landwirtschaftsfläche ist geschrumpft, genau wie die Anzahl Bauernhöfe. Die noch bestehenden Betriebe sind dafür eher gewachsen und haben sich stark spezialisiert. Während die Milchwirtschaft Mühe hat, wächst der biologische Landbau.
Larissa Flammer
Betriebe mit weniger als 20 Kühen sind seltener geworden, solche mit mehr als 50 Kühen kommen dafür häufiger vor. (Bild: Benjamin Manser)

Betriebe mit weniger als 20 Kühen sind seltener geworden, solche mit mehr als 50 Kühen kommen dafür häufiger vor. (Bild: Benjamin Manser)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Wieder sind im Thurgau 50 Landwirtschaftsbetriebe verschwunden. Und das innerhalb von nur einem Jahr. Die neusten Zahlen von 2016 zeigen: Der Strukturwandel schreitet weiter voran. Vor allem mittelgrosse Höfe mit einer Fläche von 5 bis 25 Hektaren sind von dieser Entwicklung betroffen, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung des kantonalen Landwirtschaftsamts und des Amts für Statistik heisst.

Doch der Strukturwandel betrifft nicht nur die Anzahl Betriebe. Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamts, erklärt: «Der innerbetriebliche Wandel ist viel grösser.» Viele Höfe hätten in den vergangenen Jahren eine «enorme Spezialisierung» durchlaufen. Früher seien die Betriebe breiter aufgestellt gewesen.

Der durchschnittliche Kuhbestand ist höher

Am stärksten vom Strukturwandel betroffen ist die Milchwirtschaft. Im Jahr 2000 gab es im Thurgau noch 2087 Betriebe mit Milchkühen. Im Jahr 2016 waren es noch 1180. Gemäss Mitteilung des Kantons hat sich aber der durchschnittliche Kuhbestand pro Betrieb von 21 auf 32 Tiere erhöht. Das liegt daran, dass vor allem kleinere Betriebe deutlich seltener geworden sind, während Höfe mit mehr als 50 Kühen heute häufiger vorkommen als noch vor einigen Jahren. Bleiker sagt: «Der Beruf eines Landwirts in der Milchwirtschaft hat sich in den vergangenen 16 Jahren stark verändert.»

Ein weiterer Trend, den der Amtschef nebst der Spezialisierung beobachtet, ist die Abwendung einiger Betriebe von der Lebensmittelproduktion. «Zum Beispiel dient die Haltung von Pferden nur der Freizeitgestaltung.»

Bild: Bundesamt für Statistik/jb

Bild: Bundesamt für Statistik/jb


Bleiker fasst zusammen: Landwirte stellten sich dem veränderten Umfeld. Sie produzieren durch die Spezialisierung effizienter und dank verschiedener Label in höherer Qualität. Die Betriebsführung ist komplexer und aufwendiger geworden. Er sagt: «Für all das erhalten die Landwirte zu wenig Anerkennung und Lohn.» Ein Bauer, dessen Betrieb heute doppelt so viel Milch produziert wie noch vor 16 Jahren, verdiene trotzdem weniger – und das, während Konsumenten heute für den gleichen Preis mehr Tierwohl, Ökologie und Nachhaltigkeit erhalten würden.

«Es ist schwierig, die Freude am Beruf hochzuhalten»

Rund die Hälfte der Betriebsführer im Thurgau sind mindestens 55 Jahre alt. «Es hätte aber genügend Nachfolger», sagt Bleiker. Da viele Betriebe grösser und komplexer werden, seien aber auch die Anforderungen an einen Betriebsleiter enorm gewachsen. Das führe dazu, dass die Übernahme eines Hofs nicht immer die beste Alternative sei. Neben dem finanziellen Aspekt und dem durch die Spezialisierung gewachsenen Risiko spiele auch der emotionelle Aspekt eine Rolle. «Landwirte müssen oft für gesellschaftliche Spannungsfelder geradestehen», sagt Bleiker. «Da ist es schwierig, die Freude am Beruf hochzuhalten.»

Neben der Anzahl Betriebe ist auch die landwirtschaftliche Nutzfläche im Thurgau geschrumpft. 2016 waren es noch 49307 Hektare – rund 160 Hektare weniger als im Vorjahr. «Stark zugelegt» hat dafür gemäss Kantonsmitteilung die Fläche des biologischen Landbaus. Zwölf Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche wurde 2016 nach Bio-Richtlinien bewirtschaftet.

Gestiegen ist auch das Total der ausbezahlten Fördergelder an Thurgauer Landwirtschaftsbetriebe. Das grösste Plus geht dabei auf die «Landschaftsqua-litätsbeiträge» zurück. Bleiker erklärt: «Durch die aktive Teilnahme der Thurgauer Landwirte am Projekt ‹Landschaftsqualität Thurgau› konnte die Abnahme der Direktzahlungen der letzten Jahre aufgefangen werden.» Beim Projekt gehe es zum Beispiel um blühende Ackerrandstreifen, vielfältige Fruchtfolgen, Hochstammobstbäume oder gestaffelt gemähte Naturwiesen. Ein Total von 109,2 Millionen Franken wurde im Jahr 2016 an Direktzahlungen und Einzelkulturbeiträgen ausbezahlt.

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