WAM spielt den ernsten Pöstler

Der Thurgauer Pedro Joaquim dreht in 23 Tagen einen Spielfilm. Dabei wirken bekannte Schauspieler wie Walter Andreas Müller (WAM) oder Beat Schlatter mit – ganz ohne Gage. Ein Besuch bei den Dreharbeiten.

Thomas Ammann
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Aufgeschreckter Postbote, hochnäsige Gemeindepräsidenten-Frau: Walter Andreas Müller und Isabell Flachsmann beim Dreh zu «Himmelfahrtskommando». (Bilder: Urs Jaudas)

Aufgeschreckter Postbote, hochnäsige Gemeindepräsidenten-Frau: Walter Andreas Müller und Isabell Flachsmann beim Dreh zu «Himmelfahrtskommando». (Bilder: Urs Jaudas)

Mühlehorn. «Alle auf Position», ruft der Regisseur. «Kamera?», fragt er bald darauf. «Läuft», kommt zurück. «Ton?» «Läuft.» «Und… Action!» Walter Andreas Müller (WAM) macht sich in seiner Kluft als Postbeamter auf den Weg zum Briefkasten. In diesem Moment kommt Isabell Flachsmann alias Anita Frei, die Frau des seit kurzem schwerreichen Gemeindepräsidenten von Goldingen, aus dem Haus. Sie würdigt den Pöstler keines Blickes, steigt in den Aston Martin und braust davon.

Mit Müller, Schlatter und Zogg

Gedreht wird eine Szene aus «Himmelfahrtskommando», dem neusten Filmprojekt der St. Galler Dennis Ledergerber und Manuel Schneider sowie des Hinterthurgauers Pedro Joaquim. Mit nur 60 000 Franken Budget drehen sie in und um Mühlehorn am Walensee eine Tragikomödie. Die Besetzung kann sich sehen lassen: Neben Walter Andreas Müller, bekannt aus «Fascht e Familie» und «Classe politique», wirken Beat Schlatter («Hoselupf») und Andrea Zogg («Sennentuntschi») mit.

Seit knapp zwei Wochen ist die Crew am Drehen. «Wir sind recht zufrieden», bilanziert Pedro Joaquim. «Bis jetzt läuft alles nach Plan und das bisher Gefilmte ist sehr gut», so der Münchwiler. Das Team hat einen ehrgeizigen Plan: In nur 23 Tagen sollen alle Szenen des Spielfilms abgedreht sein. «Wir schlafen im Schnitt nur vier Stunden», sagt Joaquim. Aber der Aufwand lohne sich.

Barfüssiger Regisseur

Joaquim ist momentan für die Koordination zuständig, kümmert sich um Schauspieler, Kostüme und Requisiten, organisiert Drehplätze. Regisseur ist Dennis Ledergerber. Barfuss, mit nacktem Oberkörper, das T-Shirt als Sonnenschutz um den Kopf gebunden, gibt er am Drehort Anweisungen.

Das Set präsentiert sich nicht so, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Keine hohen Regiestühle, keine Megaphone, keine abgesperrten Strassen. Dafür herrscht eine gewisse Hektik. Lichttechniker installieren Scheinwerfer und richten Sonnenlichtreflektoren aus. Kameramann und Regisseur besprechen die ideale Kameraposition. Isabell Flachsmann stöckelt, aufgetakelt und mit Nerz über der Schulter, um ihren Aston Martin herum.

Über zehnmal wiederholt sich die 20-Sekunden-Szene, in der nur zwei Sätze gesprochen werden. Immer wieder unterbricht der Regisseur. Er achtet auf jedes Detail. WAM und Flachsmann lassen sich nichts anmerken, spielen die Szene immer wieder beinahe identisch. Dennis Ledergerber ist froh über die professionelle Einstellung. «Da wir nur 23 Drehtage haben, stehen wir unter grossem Zeitdruck. Umso wichtiger ist, dass die Dialoge sofort klappen», erklärt er. «Wir sind hier recht verwöhnt mit Talent.»

Zwischen den Drehs nimmt sich Walter Andreas Müller Zeit für Zuschauer und Fans. Entspannt plaudert er mit einem älteren Herrn und lässt sich mit zwei Damen mittleren Alters fotografieren. Im Bus auf dem Weg zu den Drehorten klopft er lockere Sprüche und erzählt Geschichten. Der Kabarettist zeigt keinerlei Starallüren.

Der Pöstler als Held

Knapp zwei Stunden benötigt die Crew für die Szene, welche den Pöstler als belächelte, nicht sonderlich ernst genommene Person darstellt. Der Postbeamte ist eine von vier Hauptrollen im Film, wird am Schluss aber so etwas wie der Held, wie Joaquim verrät. Die Geschichte dreht sich um eine amerikanische Sekte, die sich in Goldingen niederlässt und der Gemeinde dafür reichlich Geld zusteckt. Thematisiert werden Korruption und Geldgier.

Applaus nach jeder Szene

Nachdem die Szene im Kasten ist, geht es weiter den Berg hinauf zum nächsten Drehort. Wieder geht es um den Pöstler, der dieses Mal der Familie Ziegler die Post bringt. Die Dreharbeiten auf der Strasse ziehen sich hin. Immer wieder gibt es Unterbrechungen – Autolärm, Musik, Flugzeuge. Aufnahmeleiter Manuel Schneider blickt angespannt auf die Uhr. «Noch einen Take, Dennis», sagt er zu seinem Regisseur. Nach drei weiteren ist die Szene gedreht. Die Crew applaudiert – wie immer, wenn eine Szene im Kasten ist. Und es geht zum nächsten Set.

«Alles auf Anfang!» Tontechniker und Kameramann machen sich bereit.

«Alles auf Anfang!» Tontechniker und Kameramann machen sich bereit.

Regisseur Dennis Ledergerber und WAM besprechen die nächste Szene.

Regisseur Dennis Ledergerber und WAM besprechen die nächste Szene.

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