WALLENWIL: Schlaflose Nächte vor der Entscheidung

Das Aus nach vier Jahrzehnten: Der Handwerker- und Freizeitmarkt Wawi muss in einem Monat schliessen. Mit ein Grund ist die Konkurrenz im Internet.

Christoph Heer
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Vater Jörg und Sohn Justin Ammann im Geschäft, in dem sie am 9. September zum letzten Mal Kunden beraten werden. (Bild: Christoph Heer)

Vater Jörg und Sohn Justin Ammann im Geschäft, in dem sie am 9. September zum letzten Mal Kunden beraten werden. (Bild: Christoph Heer)

Christoph Heer

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Ein Abschied mit Wehmut: Nach fast vier Jahrzehnten schliesst der Wallenwiler Fachmarkt für Heimwerker, Bastler und Firmen Wawi. Die Kundschaft weitete sich seit September 1978 von Jahr zu Jahr aus, sodass bis zum Schluss die halbe Ostschweiz Gebrauch machte von der Auswahl an 60000 Artikeln.

Vom Holzzuschnitt über die dazu passenden Schrauben, Autozubehör, elektrische Fachartikel und vieles mehr wurde während der vergangenen Jahrzehnte verkauft. Von Beginn an war Jörg Ammann – heute als Geschäftsführer tätig – ein Teil des Wawi-Puzzles. Sein Bedauern ist gross, dass die Ära zu Ende geht, er betont jedoch, dass es so schlicht und einfach nicht mehr möglich sei, gewinnbringend zu existieren. «In den letzten Jahren spürten wir die enorme Veränderung im Kaufverhalten unserer Kunden – und was daraus resultierte, waren stete Umsatzrückgänge.» Eine Teilschuld daran trägt laut Ammann das Internet, denn immer mehr bestellen online ihre Ware. «Und mit diesen Preisen können wir nicht mithalten», sagt Jörg Ammann mit grossem Bedauern.

Zu besten Zeiten zwölf Mitarbeiter

Seit diesem Frühling steht der Entschluss fest, den Wawi – die Abkürzung steht schlicht für «Wallenwil» – für immer zu schliessen. Bis der Entscheid fiel, habe der Geschäftsführer aber etliche schlaflose Nächte gehabt. «Wenn ein Familienunternehmen nach so langer Zeit seinem Ende entgegen geht, dann macht das schon extrem traurig.»

Zu Spitzenzeiten beschäftigte der Wawi bis zu zwölf Mitarbeiter in einem 100-Prozent-Pensum, heute sind es noch deren fünf; sie suchen sich eine geeignete Anschlusslösung. Was aus den Räumlichkeiten wird, steht noch nicht fest, laut Ammann werden hierfür noch Gespräche mit geeigneten Nachmietern geführt. Wehmütig blickt Jörg Ammann, der passionierte Sänger, Theaterspieler und Guggenmusiker, zurück und bedankt sich für die vielen Freundschaften, die sich in all den Jahren gebildet haben. «In den ersten 15 Jahren bestand unsere Kundschaft fast ausschliesslich aus Männern, das hat sich stark geändert. Heute bewegt sich der Anteil weiblicher Kundinnen bei etwa 50 Prozent», sagt er schmunzelnd.

«Für die Lösung waren wir dann wieder gut genug»

Ein Markenzeichen des Wawi war unter anderem auch die Beratung. Aber manchmal strapazierte auch genau dies die Nerven des Chefs. «Da wurde in einem billigeren Discounter oder über das Internet ein Produkt gekauft, welches dann zu Hause nicht richtig passte oder funktionierte. Für die Problemlösung waren wir dann wieder gut genug. Solche Fälle gab es und raubten uns oft die Geduld.» Im Grossen und Ganzen blickt der Sirnacher Geschäftsführer aber auf vier tolle Jahrzehnte zurück. «Der Umgang mit unseren vielen Stammkunden werde ich vermissen. Aber auch meine Mitarbeiter und die diversen Ausstellungen werden mir fehlen.»